Aktives Altern als Innovationsmotor

Mopact

IAT und Projektpartner stellten Ergebnisse aus EU-Projekt in Berlin vor – Josef Hilbert: „Mit E-Health und AAL in Deutschland endlich durchstarten!“

(CB) Informationstechnik und Digitalisierung eröffnen viele neue Möglichkeiten für Gesundheit, Heilung, Pflege und für ein besseres Leben mit chronischen Krankheiten. E-Health, Telemedizin und altersgerechte Assistenzsysteme könnten die Versorgung besser und effizienter machen, die Lebensqualität steigern. „Es gibt aber bei der Umsetzung und Nutzung der neuen technischen und organisatorischen Möglichkeiten und vor allem bei deren Finanzierung noch massive Probleme“, meint der Direktor des „Instituts Arbeit und Technik“ (IAT), Prof. Dr. Josef Hilbert.

Die Nutzung digitalisierter Techniken im Gesundheitswesen, Wohnen im Alter und Perspektiven für den Übergang von der Welt der Arbeit in die Rente waren Hauptthemen der Veranstaltung „MoPAct comes to Germany“ in der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Präsentiert und diskutiert wurden Ergebnisse des EU-Forschungsverbundes „MoPAct“. Drei Jahre lang haben 26 Forschungseinrichtungen aus 13 europäischen Ländern im Projekt erforscht, wie sich die Potenziale des aktiven Alterns für die Zukunftsfähigkeit in Deutschland und Europa mobilisieren lassen. Aus Deutschland waren neben dem IAT die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (FfG) und die Ruhr-Universität Bochum beteiligt.

Telemedizin oder altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben sind in Deutschland zwar gut erforscht, „aber wir – als der größte und vielversprechendste Markt in Europa – haben enorme Probleme mit der Umsetzung“, warnte Hilbert. Der Rückstau beeinträchtige auch massiv die internationale Wettbewerbsfähigkeit der einschlägigen Anbieter aus Deutschland und Europa.

Die Ursachen für die Nutzungs- und Umsetzungsprobleme sind vielfältig. Zum einen besteht Nachholbedarf bei der Information der Bevölkerung, aber auch der Fachwelt – etwa ärztliches und pflegerisches Personal oder auch Gerontologen und Sozialarbeiter. Zum anderen sollte die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Entwicklung und potenziellen Nutzern verbessert werden. Darüber hinaus gibt es in Deutschland für viele der neu entstandenen Techniken beziehungsweise technikgestützten Dienstleistungen bislang keine flächendeckenden Erstattungsmöglichkeiten. Der Gesetzgeber hat die dafür zuständige Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens explizit beauftragt, entsprechende Regelungen zu verabschieden.

„Um die Digitalisierung für mehr Gesundheit, Lebensqualität und aktives Altern nutzen zu können, müssen in Deutschland Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchstarten“, fordert Hilbert. Der gerade gestartete Innovationsfonds für die Entwicklung neuer und integrierter Versorgungsstrukturen biete hier neue Anknüpfungspunkte. Das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ (E-Health-Gesetz) programmiere einen längst überfälligen Fahrplan für die Einführung einer digitalen Infrastruktur und zu ersten Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte.

Fachlich und finanziell wurde die Veranstaltung von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) unterstützt.