Der eigene Strom ist der billigste

Prof. Dr. Alfons Rinschede kann als Test-Kandidat an der Westfälischen Hochschule gefühlt den Strom tanken, den er auf seinem Privatdach in Selm selbst erzeugt hat. Foto: WH/BL

Elektromobilität fördern will die Lehreinheit „Versorgung und Entsorgung“ mit einem Forschungsprojekt, bei dem der von Privatleuten oder Firmen erzeugte Eigenstrom nicht nur am Entstehungsort, sondern in regionalen Stromnetzen abrufbar ist.

(BL) Eigenstrom ist der billigste Strom. So das Credo von Thomas Krause und Prof. Dr. Alfons Rinschede, Leiter des Forschungsprojekts „SyncFuel“, bei dem selbst produzierter Strom nicht nur am eigenen Haus oder Unternehmen, sondern über das Stromnetz abrufbar sein soll (Trikon berichtete bereits in den Ausgaben 3/2013 und 2/2014). Und das, so die Überzeugung der Forscher, kann das Fahren mit Strom fördern. Denn sowohl der private Stromerzeuger mit einer Fotovoltaik-Anlage auf dem heimischen Dach als auch Firmen, die Strom aus einer Solaranlage oder einem Blockheizkraftwerk gewinnen, können dann an allen Stromtankstellen der Region Energie tanken und nicht nur zu Hause.

Möglich wird das durch eine kleine elektronische Zusatzbox zwischen Auto und Stromtankstelle. Die SMSM-Box (für synchrones, mobiles, smartes Messen) gleicht die heimische Einspeisung von Strom ins Stromnetz mit der unterwegs abgenommenen Strommenge ab. „Das ist vor allem eine Frage der richtigen Programmierung der Schnittstellen“, so Krause. Dabei werden Strommengen erfasst, die Kundendaten und die Messungen des Netzbetreibers. Ganz umsonst ist nämlich auch der Eigenstrom nicht, wenn er dezentral abgerufen wird. Krause: „Wir arbeiten daran, einen möglichst großen Rabatt auf die Netzgebühr auszuhandeln, wenn Eigenstrom regional abgerufen wird.“ Auf diese Weise wird die regionale Elektromobilität gefördert. Rinschede: „Als Fachhochschule in der Emscher-Lippe-Region wollen wir vor allem die Menschen und Betriebe unserer Hochschulregion mit Forschung und Entwicklung fördern.“

Und deshalb hat sich Rinschede auch gleich als Testkandidat zur Verfügung gestellt, als die SMSM-Box jetzt in den Feldtest ging. Bis September 2017 lässt er die Daten seiner privaten Fotovoltaik-Stromerzeugung auf dem Dach seines Wohnhauses in Selm-Cappenberg messen und klemmt die Box zwischen das Elektro-Testauto der Westfälischen Hochschule und die Stromladesteckdose an der Westfälischen Hochschule. Für ihn bedeutet das während des Feldtests noch keinen finanziellen Vorteil, da die Messungen die spätere Abrechnung von Eigenstrom und Stromtankstelle nur simulieren, um Schnittstellenprogrammierung und Verfahren zu prüfen. Wenn technisch und verhandlungstechnisch mit dem Netzbetreiber alles gut läuft, wird das dann später eine sparsame Möglichkeit für jeden Nutzer, mit umweltgerechtem Strom elektromobil zu werden.