Energieexperten und Bioniker in Hannover

Die Mitarbeiter am Westfälischen Energieinstitut (v.l.n.r.) Dr. Florian Wirkert, Pit Podleschny, Jeffrey Roth und Dr. Ulrich Rost zeigten auf der diesjährigen Hannover-Messe unter anderem die Weiterentwicklung der Hochdruck-Elektrolyseur-Technik und deren Innenleben (Maßstabsmodell in der Mitte). Mit einem Elektrolyseur kann der zuvor durch Wasserspaltung erzeugte Wasserstoff direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden. Zudem ist im Hintergrund ein neuer Prüfstand zu sehen, auf dem zwei Prüfplätze parallel betrieben werden können. Damit will das Energieinstitut sich dem industriellen Standard nähern und die Kapazität der Prüfmöglichkeiten deutlich steigern. Foto: WH/MV

Das Energieinstitut der Westfälischen Hochschule stellte Ende April auf der Hannover-Messe 2017 Entwicklungen angewandter Energiesystemtechnik auf dem Gemeinschaftsstand des Landes NRW vor. Zudem präsentierten Studierende des Bocholter Studiengangs Bionik Ideen eines Kooperationsprojekts.

(MV) In den vergangenen Jahren hat sich die Energiegewinnung in Deutschland zu Gunsten der erneuerbaren Energieträger verschoben. Durch neue Entwicklungen in der Energiespeicherung und der Energieumwandlung kann die regenerative Stromerzeugung immer effizienter und damit unabhängig von den durch Klima und Wetter vorgegebenen Produktionszeiten genutzt werden. Das Energieinstitut der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen befasst sich seit vielen Jahren mit Speicher-Lösungen und zeigte auf der diesjährigen Hannover-Messe die neueste Entwicklung eines Hochdruck-Elektrolyseurs. Mit dieser Technik kann überschüssig erzeugte Energie, beispielsweise aus Windkraft oder Solaranlagen, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten. In einem Hochdruck-Elektrolyseur-Prototyp ist das bereits unter 50 Bar Betriebsdruck möglich. Ein solcher Druck ist nötig, damit der gewonnene Wasserstoff sofort in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. „Dadurch kann auf energie- und kostenintensive Gasverdichtungsstufen, um auf den üblichen Erdgasnetzdruck zu kommen, verzichtet werden“, beschreibt Pit Podleschny, Mitarbeiter des Westfälischen Energieinstituts, die Einspeisungsmöglichkeit. „Der erzielte Elektrolyseurwirkungsgrad liegt bei etwa 75 Prozent“, erläutert Podleschny. Etwa 25 Prozent benötige man für den Umwandlungsprozess. „Power to Gas“ heißt die Technik im Fachjargon und meint die Umwandlung elektrischer Energie in Gas, aus dem später wieder Strom wird.

Neu präsentiert wurde auch ein Prüfstand mit zwei Prüfplätzen. Dort können zwei Hochdruck-Elektrolyseure parallel erprobt werden. Derzeit testen die Mitarbeiter des Energieinstituts Elektrolyseure mit unterschiedlichen Betriebsdrücken auf demselben Prüfstand. Der neue Doppelprüfstand erhöht die Kapazität deutlich und verkürzt dadurch die Entwicklungszeiten. „Mit dem neuen Prüfstand nähern wir uns zugleich dem Industrie-Standard für die Prüfung in der industriellen Fertigung“, beschreibt Podleschny das Entwicklungsziel.

Mathias Winter, Student im Bocholter Studiengang Bionik, stellte auf der Hannover-Messe in einem Vortrag ein Gemeinschaftsprojekt mit einer Bocholter Baufirma vor, in dem es vorwiegend um das Bionikthema „Leichtbau“ geht. Leichtbau spielt in der Technik eine immer größere Rolle. Insbesondere gilt dies für die Architektur. Hier können aufgrund von Materialeinsparung die Kosten für Konstruktion und Wartung deutlich reduziert werden. In Zusammenarbeit mit der Bocholter Firma Hüls Baukonzepte konzipierten Bocholter Bionik-Studierende verschiedene „bionische“ Leichtbaupavillons. Unter anderem wurden Seeigel, Diatomeen – mikroskopisch kleine, einzellige Algen – und der Gießkannenschwamm als biologisches Vorbild für den Aufbau eines Bionik-Pavillons verwendet.

Darüber hinaus entstanden bei dem Projekt Beleuchtungs- und Belüftungsideen nach naturnahen Vorbildern. Bionik-Student Toni Lober stellte dazu eine Beleuchtungsidee vor. Unter dem Titel „Bionische Begegnung – Pavillon im Lichtspiel“ hielt er einen Vortrag, bei dem der Leuchtkäfer „Photinus carolinus“, umgangssprachlich als „Glühwürmchen“ bekannt, eine entscheidende Rolle spielte. Was Bionik für Unternehmen im Produktionsprozess bieten kann, erfuhren Besucherinnen und Besucher in einem Vortrag von Prof. Dr. Heike Beismann. Unter dem Motto „Bionik für die Industrie – von der Ausbildung bis zur Standardisierung“ lieferte Beismann passende Informationen rund um das Thema „Bionik“.