Berliner Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2017

Prof. Dr. Josef Hilbert (r.), geschäftsführender Direktor des IAT, mit Gästen am Gemeinschaftsstand „W.I.R. – Wissen.Innovation.Region.“ Foto: IAT/Koopmann

Beim diesjährigen Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit im Juni in Berlin ging es um die Grundpfeiler des Gesundheitswesens: „Qualität und nachhaltige Finanzierung“ lautete das Motto – es umfasst die beiden zentralen Kriterien, an denen sich Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft messen lassen müssen. Beim Branchentreffen kamen im „CityCube“ auf dem Berliner Messegelände Multiplikatoren und Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um sich über Herausforderungen und Chancen der Gesundheitsversorgung auszutauschen.

(CB) Zwei Institute der Westfälischen Hochschule – das Institut "Arbeit und Technik" (IAT) und das Westfälische Institut für Gesundheit (WIGE) – präsentierten sich beim Kongress mit einer Vielzahl von Projekten, Themen, Vorträgen und Diskussionen zur Gesundheitswirtschaft. Mit elf weiteren Mitgliedern beteiligte sich das IAT am Gemeinschaftsstand „W.I.R. – Wissen.Innovation.Region.“ Zentrale Themen dabei waren die Zukunft der Rehabilitation, Kooperation und Integration, die Digitalisierung, die innovative Gestaltung der regionalen Versorgung, Prävention, Qualifizierung sowie die Aufwertung der Gesundheitsberufe.

Im Rahmen eines Fachforums „Medizin und Pflege im Umbruch: Aus- und Weiterbildung vor der Neujustierung“ berichtete IAT-Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert aus seiner langjährigen Forschungsarbeit zur Berufsbildungspolitik. Das duale Berufsbildungssystem in Deutschland ist eine überragende Stärke des „Standorts D“. Davon macht aber der „riesengroße“ Pflegeberuf keinen Gebrauch, sondern dort wird die Ausbildung vorwiegend durch Vorgaben aus der Politik und Ministerialverwaltung gesteuert. „Es ist illusorisch, hier grundlegende Änderungen zu erwarten. Von den grundlegenden Prinzipien der dualen Ausbildung kann Pflege aber dennoch profitieren: Konsensorientiertes Einbinden der organisierten Sozialparteien, eine systematisch angelegte gestaltungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft, Aufbau eines kontinuierlichen Ergebnismonitorings mit einer transparenten Austauschplattform – das sind wichtige Lehren aus dem Erfolgsmodell duale Berufsbildung in Deutschland, die für die Zukunft der Pflegeausbildung fruchtbar gemacht werden können.“

IAT und WIGE haben im Rahmen des Projektantrags „Connect.Emscher.Lippe“ der Westfälischen Hochschule ein Teilprojekt „Smart Reha“ an den Start gebracht. Michael Poschmann, Geschäftsführer der Wessel-Gruppe, ein Anbieter stationärer Rehabilitationsleistungen mit Hauptsitz in Gelsenkirchen, informierte im Rahmen des Talkforums des Netzwerks „Deutsche Gesundheitsregionen“ (NDGR e.V.) über diesen Ansatz. Er strich dabei besonders heraus, dass eine neue, digital gestützte Arbeitsteilung zwischen stationären Rehaklinken, ambulanter Reha und telemedizinisch gestützter Reha zuhause zustande kommen wird. Diese Perspektive stieß auf große Neugier. Ein Vertreter des bayerischen Heilbäderverbandes etwa hielt ein solches Vorgehen für wegweisend.

Ein Querschnittsthema des gesamten Hauptstadtkongresses 2017 war die wachsende Sorge um Fachkräftesicherung, nicht nur bei Ärztinnen und Ärzten, sondern auch und gerade in der Pflege. Michaela Evans, Direktorin des Forschungsschwerpunkts „Arbeit und Wandel“ am IAT, arbeitete an mehreren Stellen heraus, dass eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes überfällig sei. „Dazu gehört aber nicht nur, dass die Einkommen der Beschäftigten steigen. Auch neue Wege einer intelligenten Arbeitsgestaltung müssen gefunden werden, Betriebsräte, Personalräte und Mitarbeitervertretungen, vor allem in der Altenhilfe, müssen fachlich gestärkt und professionalisiert werden!“ Am IAT gibt es zu diesen Themen mehrere Projekte, deren Ergebnisse nach und nach in die wissenschaftlichen Debatten eingespeist und für die praktische Gestaltungsarbeit fruchtbar gemacht werden. Unter dem Dach von „Connect.Emscher.Lippe“ wird auch eine Initiative zur besseren Nutzung der digitalen Techniken für die Zukunft der Pflegearbeit gestartet.