Können soziale Innovationen Europa retten?

Neue Entwicklungen im Feld sozialer Innovationen wurden im November auf der Lissabon-Konferenz der Europäischen Union diskutiert. Foto: IAT

Auf Einladung der Europäischen Kommission und der portugiesischen Regierung kamen Vertreter und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Politik und Praxis Ende 2017 bei der „Calouste Gulbenkian Stiftung“ in Lissabon zusammen, um zwei Tage neue Entwicklungen im Feld sozialer Innovationen zu diskutieren.

(CB) Eingeladen von Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung und Innovation, präsentierte Judith Terstriep, Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Innovation, Raum & Kultur“ am Institut „Arbeit und Technik“ (IAT), die Ergebnisse des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts „SIMPACT – Boosting the Impact of Social Innovation through Economic Underpinnings“. Das Projekt untersuchte die soziale und ökonomische Wirkung sozialer Innovationen und übersetzte diese Erkenntnisse in drei Instrumentenbaukästen „Geschäftsmodelle für soziale Innovatoren“, „Politische Steuerungsinstrumente“ sowie „Ex-ante-Wirkungsanalyse“ (www.simpact-project.eu
).
Das Thema stieß auch beim portugiesischen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa auf großes Interesse, der den Simpact-Projektstand besuchte. Ebenso präsentierte sich in Lissabon das Projekt „SI-DRIVE“, an dem das IAT unter Leitung der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund beteiligt ist (www.si-drive.eu). Portugal ist eines von sieben Ländern weltweit, das soziale Innovationen als strategische Priorität über Politikfelder hinweg konsequent aufgreift und umsetzt. Diese von António Costa, Premierminister Portugals, als in Teilen »schmerzhaften Prozess« beschriebene Strategie fasst Isabel Mota, Präsidentin der Calouste-Gulbenkian-Stiftung mit den Worten zusammen: „Das Risiko hat sich gelohnt“. Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung und Innovation, bekräftigt, dass soziale Innovation die Sinnhaftigkeit von Europa erneuern soll, eine Hoffnung, die auch Jean-Claude Juncker und der portugiesische Premierminister zum Ausdruck brachten. „Wirkungsorientierte Investitionen“ (engl. Impact Investment) müssten sich generell in der Strategie der Europäischen Union durchsetzen, so die Empfehlung von Sir Roland Cohen, der 2010 den ersten „Impact Investment Bond“ im Vereinigten Königreich initiierte. Weiter führte er aus, dass es nach der technologischen Revolution nun an der Zeit für eine Wirkungsrevolution sei. Aktuell ist eine gemeinsame Deklaration »Soziale Innovation« als Ergebnis der Lissabon-Konferenz in Bearbeitung.