Hochschule als Perspektive für Neuzugewanderte

Suat Yılmaz, stellvertretender Leiter NRW-Zentrum für Talentförderung, zum NRW-Talentscouting und der Relevanz von Transparenz im Bildungssystem. Foto: NZfT

Täglich kommen in Nordrhein-Westfalen Geflüchtete an – darunter auch viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche mit Hochschulreife, für die sich der Weg ins deutsche Schulsystem und speziell in die akademische Welt als doppelte Herausforderung gestaltet. Den Zugang für Neuzugewanderte transparenter zu gestalten und zu unterstützen stand im Fokus der Tagung „Perspektive Hochschule – Stärken von Neuzugewanderten erkennen und ausschöpfen“ im März in der Ruhr-Universität Bochum. 220 Akteurinnen und Akteure aus dem Bereich Bildung besuchten die von der Bezirksregierung Arnsberg, dem NRW-Zentrum für Talentförderung und Partnern organisierte Tagung.

Nach der Eröffnung der Tagung durch Prof. Dr. Kornelia Freitag, Prorektorin Lehre und Internationales der Ruhr-Universität Bochum, motivierte Prof. Dr. Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement an der Technischen Universität Dortmund, in einem Impulsvortrag, sich zu vernetzen und Neuzugewanderten die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten.

Serap Güler, Integrationsstaatssekretärin in Nordrhein-Westfalen erklärte: „Der Titel der heutigen Veranstaltung spiegelt ein wesentliches Ziel der Landesregierung wider: Wir wollen Potenziale erkennen und fördern. Jeder, der bei uns lebt, soll die Chance auf umfassende Teilhabe am Bildungs- und Arbeitsmarkt erhalten – unabhängig von seiner Herkunft.“

„Wir müssen Kräfte, Initiativen und Angebote besser bündeln, um geflüchtete Studierende schneller und mehr als bisher an unsere Hochschulen zu bringen. Das dauert gegenwärtig zu lange. Fehlende Zeugnisse zum Beispiel dürfen kein Hindernis sein, wenn die Kapazitäten und Fertigkeiten für ein Studium gegeben sind. Hier ist mehr agiles Handeln gefragt“, so Maria Büse-Dallmann, Generalistin für Berufs- und Studienorientierung der Bezirksregierung Arnsberg.

„Unter den Neuzugewanderten gibt es viele leistungsfähige junge Menschen. Die vielfältigen Optionen, die das deutsche Bildungssystem bietet, sind vielen gar nicht bekannt. Mit dem NRW-Talentscouting haben wir ein operatives Netzwerk und Technologien entwickelt, die es uns ermöglichen, talentierte und motivierte junge Menschen zu identifizieren und zu fördern, die oftmals unter erschwerten Bedingungen gute Leistung zeigen. Deshalb ist es besonders auch für diese jungen Talente wichtig, den Weg in die akademische Welt transparenter zu gestalten“, sagte Suat Yılmaz, stellvertretender Leiter des NRW-Zentrums für Talentförderung, Westfälische Hochschule.

220 Akteurinnen und Akteure aus Hochschulen, Schulen, den Bereichen Berufs- und Studienberatung und Bildungspolitik aus dem Regierungsbezirk Arnsberg besuchten die Tagung, um sich über bestehende Angebote und Strukturen zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. In Workshops konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Themen wie Studienfinanzierung, Spracherwerb und sprachsensibles Unterrichten, kulturelle Sensibilisierung, Wege ins Studium über das Berufskolleg und Studienorientierung austauschen. Auf dem Markt der Möglichkeiten informierten u.a. Stiftungen, Bildungsinitiativen, Hochschulen, Talentscouts und Förderprogramme über ihre Angebote. Die auf der Tagung erarbeiteten Ansätze sollen dazu beitragen, die Potenziale junger Menschen noch besser zu erkennen und auszuschöpfen, Bildungschancen zu ermöglichen und Bildungsübergänge leichter zu gestalten und so vorgezeichnete Bildungsbiografien gezielt zu durchbrechen. Eine weitere regionale Konkretisierung der auf der Tagung erarbeiteten Ansätze ist geplant. (Bianca Hotton)