Erste Alumni bei Ruhr-Talenten

Die Ruhr-Talente-Alumni mit Förderern und dem Ruhr-Talente-Team. Foto: Julia Jax

Die Ruhr-Talente haben ihre ersten Absolventinnen und Absolventen. Anderthalb Jahre nach Start des Schülerstipendienprogramms verabschiedeten die Initiatoren – darunter die Westfälische Hochschule, die Stiftung Talentmetropole Ruhr und die RAG-Stiftung – die Alumni mit einer feierlichen Urkunden-Übergabe in die Studiums- und Arbeitswelt. Die Talente zeigten zum Abschluss, was sie der Förderung zu verdanken haben.

Dort oben am Treppenabsatz stehen sie und schauen in die große Empfangshalle des NRW-Zentrums für Talentförderung. Die feierliche Verabschiedung inklusive Urkunden-Vergabe naht, doch die 40 Ruhr-Talente haben grade ganz anderes im Kopf. Was tun mit den Unterstützern dort unten am Ende der Treppe – den Familien, den Geldgebern etwa von der Magret-Hölzemann-Begabten-Stiftung oder der Nicolai-Thiel-Stiftung, den Verantwortlichen des Schülerstipendienprogramms?

Unsicherheit greift um sich. Vieles erinnert in diesen Augenblicken an den Dezember 2016, als die Schülerinnen und Schüler das erste Mal die große Bühne betraten. Als sie vor hunderten Gästen in das neu geschaffene Programm aufgenommen wurden und sichtlich überfordert im Rampenlicht standen. Oder wie es Professor Dr. Bernd Kriegesmann ausdrückt: „Ich habe junge Menschen gesehen, die leicht verschüchtert wirkten.“

Die sieht der Präsident der Westfälischen Hochschule anderthalb Jahre später nicht mehr, denn die Momentaufnahmen an diesem Juli-Mittwoch täuschen. Unsicherheit und Aufregung weichen mit jedem Schritt, den die Ruhr-Talente die Stufen herabsteigen. Wie selbstverständlich verwickeln sie unten die wartenden Förderer in Gespräche, demonstrieren charmant ihr gewachsenes Selbstbewusstsein. Die Veränderung fällt auch Bärbel Bergerhoff-Wodopia auf. Der RAG-Stiftungs-Vorstand – gleichzeitig der größte Geldgeber der Ruhr-Talente – strahlt inmitten der Alumni und gibt sich beeindruckt von der Entwicklung. „Wenn ich das hier heute Nachmittag so sehe und erlebe, dann muss ich sagen: Wir haben alles richtiggemacht, es hat sich gelohnt.“

Dominierten zum Start der Ruhr-Talente 2016 die Offiziellen aus Politik und Gesellschaft die Agenda, setzen in Ückendorf die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Akzente. „Wir haben das ‚sehr geehrte Damen und Herren‘ weggelassen“, sagt die Essenerin Vanesa Paloka zum Auftakt ihrer Rede mit Kollege Miles Wetekam aus Gladbeck, um fortzusetzen: „Denn wir kennen uns alle. Ich spreche hier vor einer Familie.“ Die Ruhr-Talente seien – nicht nur jeder für sich, sondern auch gemeinsam gewachsen. Es ist das von Wetekam genannte starke Fundament, auf das die Jugendlichen ihre Zukunft bauen werden.

Erste Beziehungen in diese Zukunft knüpften die RuhrTalente in den vergangenen anderthalb Jahren, sei es in Richtung Ausbildung, sei es in Richtung Studium. Wege, die gespannt machen, aber: „Bitte nicht stromlinienförmig, sondern behalten Sie sich ihre Ecken und Kanten“, wirft Bernd Kriegesmann ein. Der Präsident und Professor der Westfälischen Hochschule gibt den Schülerinnen und Schülern zum Schluss auch noch ein paar Hausaufgaben mit: „Sie tragen Mitverantwortung für die gesellschaftliche Entwicklung, geben Sie der Gesellschaft etwas zurück.“ Ein Auftrag, den die frisch gebackenen Alumni ab sofort mit Feuereifer angehen. (Bastian Rosenkranz)