Polit-Talk zum Lunch

Europapolitiker Jens Geier (57) forderte seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf, sich in jedem Fall an der kommenden Europa-Wahl im Mai zu beteiligen. Sein Credo: Vielfalt in der Einheit. Darüber hat er auch ein Buch geschrieben. Foto: WH/BL

„JPR-Lunch mit…“ heißt ein neues Gesprächsformat im Studiengang Journalismus und Public Relations. Prof. Dr. Karl-Martin Obermeier will damit Impulse für Diskussionen mit Gästen, aber auch nach der Veranstaltung unter den Studierenden setzen. Erster Gast war Jens Geier, seit 2009 Europaabgeordneter aus Essen, im Europaparlament Mitglied der S&D-Fraktion und seit 2017 Vorsitzender der deutschen Gruppe innerhalb der Fraktion. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender des EU-Haushaltsausschusses und in der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie und in der Delegation für die Beziehungen zu Japan.

(BL) Auf Europa-Klischees ist Jens Geier nicht gut zu sprechen. Wenn er hört, Europa sei so weit weg und so kompliziert und gehe falsch mit dem Geld der Europäer um, setzt er dagegen, dass sei häufig nur Trägheit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sprachhürden jedenfalls könnten es nicht sein, denn alle europäischen Verhandlungen und Texte könnten von jedem Bürger und jeder Bürgerin Europas in seiner Landessprache abgerufen werden. Im Internet-Stream sogar live. „Europa ist wichtig“, so Jens Geier, und die Europa-Wahl im kommenden Mai werde zur Schicksalswahl. Geier: „Dabei geht es um die Deutungshoheit für Europa, wie wir miteinander leben wollen.“ Wenn dabei die demokratischen Verfechter Europas gegen diejenigen verlieren, die Europa zersetzen wollen, sei die Europäische Union in zehn Jahren kaputt.

Am Anfang der EU standen noch Wunsch und Wille, Europa den Frieden zu sichern, denn wer miteinander handele, schieße nicht aufeinander, zitierte Geier aus der Präambel des EU-Vorläufers EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl). Der Frieden scheint gesichert. Heute gehe es darum, gemeinsam als Staatenbund mehr für die Menschen zu erreichen, als einzelne Nationalstaaten das können. Die Journalisten und auch den journalistischen Nachwuchs im Studiengang Journalismus und Public Relations nahm er in die Pflicht: „Es gibt wichtigere Themen als immer wieder Blödsinnsgeschichten wie das Verbot von Schokoladenzigaretten zu verbreiten.“ Die Berichterstattung dürfe auch nicht so Berlin-zentriert sein unter gleichzeitiger Marginalisierung der europäischen Themen. Viele Entscheidungen, etwa zum internationalen Handel, werden nicht in Berlin, sondern in Brüssel getroffen. Dem müssten die Aufmerksamkeit und die Berichterstattung folgen.

Auch wenn die Überschrift lautete „JPR-Lunch“, gebe es übrigens nichts zu essen, betonte Prof. Dr. Karl-Martin Obermeier in seinen begleitenden Worten. Wer aus diesem Grund gekommen sei, der würde auch in Zukunft enttäuscht. Spannende Themen für den dreiviertelstündigen Talk aber sind wohl garantiert. Und Mitgebrachtes dabei zu essen, sei erlaubt.