Startercampus „by Night“

Die Akteure des „Startercampus by Night 2018“: Projektleiterin Pia Grandt (3.v.l.), Moderator Michael Böhm (r.) und die sieben Gründer (v.l.n.r.) Stefan Maas*, Aleksander Bogdanow*, Markus Hoffmeister, Sarah Lichtenberger, Chris Wojzechowski*, Torsten Vos-Kruszona und Mirko Mollik*. Das Sternchen kennzeichnet Ausgründungen aus der Westfälischen Hochschule. Foto: WH/BL

Bereits zum dritten Mal trafen sich Ende des Jahres Gründer und Gründungsinteressierte beim Förderprojekt „Die Ideen liegen auf dem Campus?!“ zum „StarterCampus by Night“. Mit Erzählungen und Netzwerken bei Häppchen und Ruhrpott- Carpaccio – früher: Currywurst – ging das Treffen bis spät in die kalte Winternacht.

(BL) Junge Start-ups und gestandene Firmengründer erzählten vor rund 50 Teilnehmern aus der Geschichte ihrer Unternehmen. Nein, auf Anhieb und immer rund ist es nicht gelaufen. Aber immer spannend, meist mit einem einzigartigen Impuls für eine Idee, die den Gründer zur Unternehmensgründung inspirierte.

Als Treffpunkt diente dieses Mal das Kulturzentrum „Subversiv“ an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen-Ückendorf, einem Stadtteil, von dem es schon hieß, er sei eine „No-Go-Area“. Die Stadt Gelsenkirchen und Helga Sander von der Stadterneuerungsgesellschaft wollen das ändern. Dazu erwirbt die Stadt Immobilien und vermietet sie an Start-ups und soziale Projekte und den Wohnraum an Studierende. Das Subversiv will sein Treffpunkt werden. Wörtlich übersetzt heißt subversiv„umstürzlerisch“ und meint damit wohl die Wandlung von einem Problemquartier zu einem
l(i)ebenswerten Kreativquartier.

Die Teilnehmer schienen sich jedenfalls in der subversiven, orange ausgeleuchteten Atmosphäre wohl zu fühlen und lauschten den Geschichten von sechs Gründern und einer Gründerin. Als einzige Frau berichtete Sarah Lichtenberger, Gründerin und Leiterin der Bochumer Web-Individualschule, wie sie mangels Bekanntheit fast vor dem Aus standen, wie „Tokio Hotel“ sie vor dem Untergang bewahrte, aber zugleich einen Hype auslöste, der wieder in geordnete Bahnen gelenkt werden musste. Die Fernschule hilft Kindern und Jugendlichen, die keine Regelschule besuchen können, trotz Einschränkungen unterschiedlichster Art zu einem Schulabschluss zu kommen als Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Gelehrt wird per Skype.

Den noch viel jüngeren Kindern widmet sich die Firma „SomaView“ von Stefan Maas, genau genommen: den noch Ungeborenen. „SomaView“ ist eine App, mit der man das Baby noch im Bauch der Mutter beobachten kann. Ganz ohne Strahlung, mit Ultraschall und „augmented reality“, also durch Computer erweiterte Wahrnehmung. Mit dem Smartphone ist das als Video speicherbar und damit für die werdenden Eltern als Fötus-Fernsehen verewigt. „Wir brauchten mehrere Anläufe, um unsere Gründung nicht nur technisch-wissenschaftlich auf die Spur zu bringen“, erzählt er, „sondern auch, um wirtschaftlich durch die Startphase zu kommen.“ Geld aus Förderprojekten hat geholfen. Jetzt hat „SomaView“ nicht nur Gründer, sondern auch zwei Mitarbeiter und ein Büro. Maas‘ Appell: „Durchhalten.“

Besonders lange durchgehalten hat Torsten Vos-Kruszona. Aber nicht beim Gründen, sondern vorher. Er durchlief viele berufliche Stationen und Jobs, bevor er seine persönliche Bestimmung und Nische fand. Als Personalberater mit einem Büro im Wissenschaftspark in Gelsenkichen-Ückendorf ist er jetzt erfolgreich selbstständig und anscheinend sehr glücklich damit.

Besonders aktiv sind Gründer aus der Informatik-Szene. Aleksander Bogdanow, Markus Hoffmeister, Mirko Mollik und Chris Wojzechowski haben sich mit den Unternehmen „Omnia5“, „Cryptovision“, „Trustarts“ und „Aware7“ in die Selbstständigkeit getraut. Die Themen reichen von der Kryptografie für Ausweise über die Echtheitsprüfung digitaler Urkunden und verschiedene spezielle Softwarelösungen bis zur Sensibilisierung von Nutzern für Internet-Sicherheit. Auch bei ihnen hat nicht immer und alles auf Anhieb funktioniert. „Es ist schwierig, aber sehr wichtig, dem Kunden zu zeigen, dass man vertrauenswürdig ist“, erzählte Bogdanow. Und der Tipp von Mollik ist, sich umzusehen, wie man gefördert werden kann: „Es gibt viele Fördergelder aus vielen Förderprojekten. Man muss sie nur finden.“ Und: Man müsse sich vernetzen. Mollik: „Die Chance von Netzwerken zu profitieren ist größer als das Risiko, dass einem jemand seine Idee klaut.“