Ministerin besucht Bioniker

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU, vorne), besuchte die Bionik-Labore in Bocholt. Dabei führte sie selbst ein Experiment aus, das Studierende vorbereitet hatten. Ein technisches Textil lässt nur Öl, nicht aber Wasser durch das Gewebe. Karliczek zeigte sich begeistert von der Innovationsleistung der Studierenden, auch, weil das Projekt in nur vier Monaten entstanden ist. Dr. Kai Zwicker (l. neben Karliczek), Landrat des Kreises Borken, schaute sich die Produktlösung aus der Nähe an und konnte sich davon überzeugen, wie nur das Öl von der Oberfläche in das Behältnis fließt. „Ein guter Ansatz, um bei Umweltkatastrophen Öl aus dem Meer zu entfernen“, so Karliczek. Foto: WH/MV

Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Johannes Röring besuchte die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (beide CDU) die Westfälische Hochschule in Bocholt. Weiter ging es danach zur Bocholter Firma Grunewald. Beide Orte verbindet ein gemeinsames Thema: die Bionik.

(MV) Anfang Februar bereitete sich der Bocholter Studiengang Bionik auf hohen Besuch vor: Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, hatte sich angekündigt. Die Ministerin wurde bereits im April 2018 im Rahmen der Hannover-Messe auf den Bocholter Studiengang aufmerksam, da sie dort den „TechTransfer-Stand“ eröffnete und die Auszeichnung „Hermes-Award“ überreichte. Bei den Vorbereitungen und Planungen waren auch Bocholter Bioniker beteiligt (Trikon berichtete in Ausgabe 4/2018).

Bevor es für die Ministerin in die Labore ging, gab es vorher ein bisschen Theorie im Hörsaal für die Gäste aus Politik und Wirtschaft. Bionikprofessor Dr. Tobias Seidl erzählte, was man unter dem Begriff „Bionik“ versteht und was sie zu leisten vermag, aber auch über die Entwicklung und Perspektiven des Studiums. Bionik entschlüsselt die Natur und versucht deren gewachsene Konstruktionen und Strukturen auf die Technik des Menschen zu übertragen und nutzbar zu machen. „Bocholt ist neben Bremen der einzige Standort in Deutschland, der einen Bachelor-Studiengang Bionik anbietet“, so Seidl. Bereits bei der Begrüßung der Gäste betonte Hochschulpräsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, dass der Standort etwas Besonderes sei, denn das „Thema Bionik ist hier nicht isoliert in der Hochschule entstanden, sondern gemeinsam mit großem Engagement der regionalen Unternehmen und darüber hinaus gewachsen.“ Dies ermögliche die Rekrutierung von Studierenden aus ganz Deutschland und führe zugleich zu einer sehr hohen Nachfrage bei Frauen an unserer Hochschule für dieses Studium, sind sich Kriegesmann und Seidl einig. „Nach bestandenem Bachelor-Abschluss in Bionik machen viele Frauen sogar noch ihren Master im Maschinenbau“, freut sich Kriegesmann über die Brückenwirkung des Bionik-Studiengangs hin zu den klassischen MINT-Fächern.

„Wir wollen alle die Energiewende, dürfen aber nicht am Status quo festhalten. Das, was Sie hier können, müssen wir nach außen tragen und die Menschen mitnehmen“, motivierte Karliczek auch die Studierenden. „Man kann bei der Energiewende nicht nur mit Verboten arbeiten und alles abschaffen. Hier kann man sehen, was schon möglich ist. Sie haben eine ziemlich coole Lösung gefunden, die zudem ressortübergreifend ist – von der Biologie zur Innovation.“