Polizei-Talent-Scouting

Von links: Prof. Dr. Bernd Kriegesmann (Präsident der Westfälischen Hochschule), Yvonne Shirazi Adl (erster Polizei-Talentscout, Polizeipräsidium Gelsenkirchen), Herbert Reul (NRW-Innenminister), Anne Heselhaus-Schröer (Polizeipräsidentin Gelsenkirchen) und Marcus Kottmann (Leiter NRW-Zentrum für Talentförderung) stellen den bundesweit ersten Polizei-Talentscout vor. Foto: NRW-Zentrum für Talentförderung

Yvonne Shirazi Adl arbeitet seit 18 Jahren bei der Polizei. Die studierte Pädagogin ist Polizeihauptkommissarin im Polizeipräsidium Gelsenkirchen. Berufsbegleitend hat sie an der Qualifizierung zum zertifizierten NRW-Talentscout im NRW-Zentrum für Talentförderung teilgenommen. Zum Jahresstart 2019 stellte das Polizeipräsidium Gelsenkirchen Yvonne Shirazi Adl als bundesweit ersten Polizei-Talentscout der Öffentlichkeit vor. In enger Kooperation mit den Talentscouts der Westfälischen Hochschule entdeckt sie vor Ort in Gelsenkirchener Schulen Talente für den Polizeiberuf. „Natürlich wollen wir die besten jungen Menschen als Polizistinnen und Polizisten gewinnen und für den Beruf begeistern. Das Talentscouting ist dabei ein neuer und spannender Ansatz und könnte eine gute Ergänzung moderner und nachhaltiger Nachwuchsgewinnung sein“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul dazu. Mit Yvonne Shirazi Adl sprachen Helge Schwache und Bianca Hotton vom NRW-Zentrum für Talentförderung:

Frau Shirazi Adl, Ihren Beruf als Polizistin nennen Sie Berufung. Warum?
„Weil ich den Beruf aus Leidenschaft mache. Ich war als Streifenpolizistin im Wachdienst und zuletzt 13 Jahre in der Einsatzhundertschaft, die unter anderem bei Demonstrationen, Fußballspielen und großen Veranstaltungen eingesetzt wird. Der Beruf ist vielseitig und fordernd. Man hat Kontakt zu unterschiedlichen Menschen und jeder Tag sieht anders aus. Auch der 400. Auffahrunfall wird nicht so sein wie die 399 davor, weil die Menschen immer anders sind. Hinzu kommt, dass der Polizeiberuf viele Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen bietet. Ich würde den Beruf jederzeit wieder ergreifen.“

Wieso kooperiert das Polizeipräsidium Gelsenkirchen mit dem NRW-Talentscouting?

„Nachwuchsgewinnung und Bildungsteilhabe ist auch für die Polizei ein wichtiges Thema. Das NRW-Talentscouting stellt dabei einen neuen, innovativen Weg dar und ergänzt die Personalwerbung, die die Einstellungsberater und -beraterinnen sowie die Personalwerber und -werberinnen der Polizei NRW erfolgreich betreiben. Wir möchten mit dem Pilotprojekt gezielt und passgenau geeignete Talente frühzeitig erreichen, für den Polizeiberuf begeistern und langfristig an diesen schönen und abwechslungsreichen Beruf binden.“

Wie funktioniert das Polizei-Talentscouting?

„Ich biete individuelle Beratung in den mit dem NRW-Talentscouting kooperierenden Schulen in Gelsenkirchen an. Jugendlichen, die bei einem Talentscout oder bei Lehrern und Lehrerinnen Interesse am Polizeiberuf äußern oder ihn trotz ihres vorhandenen Potenzials noch nicht als berufliche Option für sich wahrnehmen, wird ein Termin mit mir vorgeschlagen. Interessierte Schüler und Schülerinnen können sich auch eigenständig bei mir melden. Der Andrang in den Schulen ist schon jetzt groß. Ich vermittle den Jugendlichen einen realistischen Eindruck vom dualen Studium zum/zur Polizeikommissar/-in, seinen spezifischen und vielfältigen Anforderungen und dem anschließenden Beruf. Es kommen auch Jugendliche zu mir, die unbedingt Polizist/-in werden wollen, aber eine völlig falsche Vorstellung vom Beruf haben. In diesem Fall kläre ich auf. Wie alle anderen Talentscouts sehe ich mich als ,soziale Patin‘ für Schüler und Schülerinnen im Prozess der beruflichen Orientierung.“

Welche Stärken sollten Polizei-Talente mitbringen?
„Sie sollten neben den formalen Voraussetzungen wie zum Beispiel Mindestkörpergröße, vollständige Fachhochschulreife/Abitur gesundheitlich fit sein. Hinzu kommen ganz unterschiedliche Anforderungen wie physische und psychische Belastbarkeit, soziale Kompetenzen, zum Beispiel Empathie, Verlässlichkeit, Loyalität, Toleranz und Respekt. Rhetorische und analytische Fähigkeiten sind im Umgang mit unterschiedlichen Menschen und Situationen gefordert. Und nicht zuletzt müssen Polizei-Talente ein Bewusstsein für die Werte und Normen unseres Rechtssystems haben und diese auch vertreten wollen.“

Was begeistert Sie an der Arbeit mit Talenten?
„Ich habe schon immer gerne mit jungen Menschen gearbeitet, das ist mein Ding. Es freut mich, wenn ich junge Menschen für meinen Traumjob begeistern kann. Wenn ich merke, dass Jugendliche, die das Interesse und die Voraussetzungen für den Beruf mitbringen, aber sich nicht wirklich trauen, nach Information und Zuspruch immer mehr für den Polizeiberuf brennen und sehe, dass sie plötzlich ein Ziel vor Augen haben, ist das ein schöner Moment für mich. Darüber hinaus freue ich mich, nun auch Teil der Jury des Schülerstipendienprogramms Ruhr-Talente sein zu dürfen.“