Ressourceneffizienz durch Innovation

Prof. Dr. Alexander Sauer referierte über Innovationen aus der Bionik. Beispielstücke aus der Natur wie der Knochen oder die Baumscheibe zeigten, wie die Strukturen von Bauteilen verbessert werden können. Foto: WH/BL

Das „6. Effizienz Forum Wirtschaft“ widmete sich im März in der Hochschulabteilung Bocholt dem Thema der Innovationen für mehr Ressourceneffizienz. Zwölf Fachvorträge in drei parallelen Foren sowie ein halbes Dutzend Kurzvorträge näherten sich Innovationen, der Energie- und Ressourceneffizienz und der Frage, wie öffentlich zugängliche Programme das fördern und beschleunigen können. Rund 25 Aussteller im Foyer der Hochschule sowie in Seminarräumen stellten ihr Leistungsspektrum vor und förderten die Möglichkeit, Firmennetzwerke zu knüpfen.

(BL) Den fachlichen Einstieg ebnete Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann mit einem Vortrag dazu, wie Innovationen die Zukunft gestalten: „Neue Technologien eröffnen die Chancen für neue Geschäftsfelder. Wer nicht aufpasst und zu lange auf alten Pfaden verharrt, wird schnell von anderen ersetzt. In vielen scheinbar etablierten Märkten formieren sich völlig neue Wertschöpfungsketten.“ Leicht sei das Innovationsgeschäft aber nicht, warnte Kriegesmann: „Auch wenn man Innovationen programmatisch schnell begrüßt, wird bei der Umsetzung auch deutlich: Sie sind für viele ein Störenfried.“ Innovative Ideen zu entwickeln und vor allem: umzusetzen, sei nicht so leicht. So manches große Unternehmen sei dazu aufgrund langer Traditionen kaum mehr fähig und schaue sich bei Start-up-Unternehmen nach neuen Ideen um, die sie einkaufen können. Selbst bei „Freaks“ könnte man Ideen abschauen, auch wenn sie zunächst verrückt wirkten. Kriegesmanns Ratschläge für innovatives Handeln: „Verschaffen Sie sich eigene Orientierung, anstatt dem Mainstream zu folgen. Denken Sie Ihre Potenziale neu und vom Kunden aus. Geben Sie innovativen Ideen genügend Zeit um zu beweisen, ob sie erfolgreich sind oder scheitern. Denken Sie Hindernisse der Umsetzung voraus. Aktivieren Sie innovative Kräfte in Ihrem Unternehmen und geben Sie ihnen Rückendeckung.“

Zwei der zwölf Fachvorträge in den Foren kamen von Vertretern der Westfälischen Hochschule. Prof. Dr. Alexander Sauer referierte über Innovationen in der Bionik. Dabei konzentrierte er sich auf die Strukturoptimierung von Bauteilen nach Vorbildern aus der Natur. „Die Natur als Anregung und Vorbild hat Vorteile für den Innovationsprozess“, so seine These, da sie keine Scheuklappen habe etwas Neues zu probieren und weil sie zwei Milliarden Jahre Zeit hatte den Wert von Veränderungen zu erproben. Weitere Gründe, so Sauer, seien ein neutraler und geachteter Leumund, wohingegen Unternehmensinnovatoren oft der Ruf des unbequemen Änderers vorauseile und weil die Natur nicht nach dem physikalischen Optimum sucht, sondern nach der ökonomisch besten Lösung. Sauer: „Die physikalisch beste Lösung ist oft zu aufwendig und damit zu teuer. In der Natur reicht es, besser als die anderen Lebewesen zu sein und so das Überleben zu sichern.“ Einfach nur kopieren gehe aber häufig nicht, da in der Natur auch andere Faktoren wie Wachstumsfähigkeit und Reproduktionsfähigkeit entscheidend sind, die in einem technischen Produkt jedoch nicht benötigt werden.

Den Mechanismus der Evolution aus Differenzierung und Selektion könne man bei technischen Produkten bereits mit einer Excel-Tabelle simulieren, machte Sauer Mut in bionische Entwicklungsprozesse einzusteigen. Sein Beispiel: die Frage nach der besten Krümmung einer Rohrleitung. Mit Hilfe von Tabelle und Zufall werden bereichsweise verschiedene Krümmungswinkel ausprobiert, um so schrittweise zu einem besseren Durchflussergebnis zu kommen. Fortgeschrittene arbeiten mit dem- selben Prinzip, aber mit leistungsfähigeren Programmen wie „Matlab“. Ein weiterer einfacher Einstieg in die bionische Bauteilgestaltung sind Smartphone-Applikationen, die intuitiv bedient werden können und das Ergebnis direkt errechnen und anzeigen. Solche Programme werden sowohl von Forschungsinstituten an Hochschulen erarbeitet als auch von kommerziellen Unternehmen, die damit Kunden im Maschinenbau gewinnen wollen. Das Ziel heißt: Bei gleicher Belastbarkeit Material einsparen mit Hilfe einer schnellen und effizienten Entwicklungsarbeit. Hier hatte Alexander Sauer direkt ein biologisches Vorbild als Muster dabei: In Knochen wird je nach Belastung an manchen Stellen Knochenmaterial abgebaut und an anderen aufgebaut. In Bäumen wird nach dem gleichen Prinzip zusätzlich dort Stammmaterial angelagert, wo es zum Abfangen von Spannungen nötig ist. Die Baumscheibe als Muster hatte Sauer natürlich dabei, sodass die Zuhörer in eigener Anschauung das Gehörte nachvollziehen konnten.

Am Nachmittag übernahm Prof. Dr. Michael Bühren das Vortragspult und erläuterte das frisch gegründete nordrhein-westfälische Netzwerk für digitales Wirtschaften. Die Hochschule ist Teil der Gruppe „Netzwerk.Digitale Produktion“. Es will kleine und mittlere Unternehmen mit Start-up-Unternehmen vernetzen, um so die industrielle Basis in NRW zu stärken und zukunftssicher zu machen. Anfang Juni wird es dazu eine Startveranstaltung in Gescher geben. Schon jetzt gibt es an der Westfälischen Hochschule in Bocholt mit David-Ben Krauß einen Netzwerk-Mitarbeiter, der aus dem entsprechenden NRW-Programm finanziert wird. Neben der Westfälischen Hochschule sind die Wirtschaftsförderungen von Bocholt und dem Kreis Borken Mitglieder des Netzwerks für die digitale Produktion.