Wirtschaftskraft aus Fachhochschulen

'Tue Gutes und rede darüber – und das tun wir oftmals viel zu wenig', ist sich Prof. Dr. Christiane Vaeßen, Beiratsmitglied 'Nachhaltige Forschung an Fachhochschulen in NRW' und Prorektorin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer an der FH Aachen, sicher. Es sei wichtig, über vielschichtige Aktivitäten wie beispielsweise einen 'Forschungslunch' immer wieder für Präsenz in der Wissenschaftslandschaft und der Politik zu sorgen, riet Vaeßen den Zuhörerinnen und Zuhörern der 9. Hochschulgespräche in Gelsenkirchen. Foto: WH/MV

Mit der Frage, ob und vor allem wie Fachhochschulen als Motor für die Regionalentwicklung wirken können, befasste sich das 9. Hochschulgespräch des Projekts „Nachhaltige Forschung an Fachhochschulen in NRW“ Ende des letzten Jahres an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen-Buer. Veranstalter war das Zentrum für Forschungskommunikation (zefo) der Fachhochschule Köln. Vertreter verschiedener Fachhochschulen und aus der Wirtschaft trafen sich zum Erfahrungsaustausch, um zu erörtern, ob und wie man eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschungs- oder Produktentwicklung gestalten kann.

(MV) Gibt es einen „Königsweg“ oder ein „Patentrezept“, um regionale Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern? Welchen Impuls kann die Forschung an Fachhochschulen in die umliegende Region geben? Gelingt damit der Aufbau einer innovativen Wirtschaft und auch eine Sicherung oder gar der Ausbau von Arbeitsplätzen? Die Antworten auf diese und andere Fragen wurden im 9. Hochschulgespräch mit dem Titel „Fachhochschulen als Motor für die Regionalentwicklung“ an der Hochschule diskutiert.

Die Moderation hatte der Journalist Tom Hegermann, der einer breiten Öffentlichkeit durch den Hörfunk beim WDR 2 bekannt ist. Hegermann, der provokativ die Forschung an Universitäten mit der an Fachhochschulen durch das Wortspiel „Gorilla gegen einen Schimpansen“ verglich, sorgte für Zündstoff: Sind Fachhochschulen zweite Wahl, wenn es um das Thema Forschung geht und müssen sie sich kräftemäßig unterordnen? Bei der Antwort waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig und beantworteten die Frage klar mit „Nein“: Aber die Wege und Ziele sowie die Strukturen seien anders.
 
„Tue Gutes und rede darüber – und das tun wir oftmals viel zu wenig“, war sich Prof. Dr. Christiane Vaeßen, Beiratsmitglied „Nachhaltige Forschung an Fachhochschulen in NRW“ und Prorektorin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer an der FH Aachen, sicher. „Das Image und das Selbstbewusstsein der FH-Forschung ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, fasste Vaeßen im Rückblick zusammen. Trotzdem sei es wichtig, über vielschichtige Aktivitäten wie beispielsweise einen „Forschungslunch“ immer wieder für Präsenz in der Wissenschaftslandschaft und der Politik zu sorgen. Zudem seien die steigenden Zahlen bei kooperativen Promotionen zwischen Universitäten und Fachhochschulen ein wichtiger Schritt für Nachhaltigkeit.

Aber es kamen auch kritische Stimmen aus dem Publikum zum Miteinander von Fachhochschulforschung und Wirtschaftsunternehmen: Eine Zuhörerin merkte aus eigener Erfahrung an, dass ein entscheidender Nachteil in den Strukturen an Fachhochschulen im Vergleich zu den Universitäten darin bestünde, dass der „personelle Unterbau“ fehle. Wo Unternehmen in einer Kooperation mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwarten, ist die Personaldecke an Fachhochschulen sehr dünn. Dies führe oft dazu, dass sich Unternehmen eher für Universitäten entscheiden würden, auch wenn Fachhochschulen durch ihre Praxisnähe dichter an umsetzbaren Entwicklungen arbeiteten. Grundsätzlich sei eine schlanke Struktur aber auch wiederum hilfreich, wenn es darum geht, effektiv zu entwickeln. Dies sei ein Punkt, den Unternehmen schätzten. Resümierend lässt sich festhalten, dass es nicht den einen Königsweg gibt, den Fachhochschulen einschlagen können, um Forschung und Entwicklung in Kooperation mit Unternehmen zu leisten. Wichtig sei jedoch ein hohes Engagement des Personals in einer funktionierenden und fördernden Struktur von Technologietransfer, Hochschulleitung sowie Bundes- oder Landesfördermitteln.