Auto unter Strom

Wie kommt mein Dachstrom in mein Auto, wenn dazwischen mein Arbeitsweg liegt? Das fragte sich nicht nur Prof. Dr. Alfons Rinschede vom Energieinstitut der Westfälischen Hochschule anlässlich des Energiediskurses 2019. Fotos: WH/BL, Montage: WH/Detlef Hermann

Dem Diesel drohen Fahrverbote, der Benziner pustet Kohlendioxid in die Atmosphäre und hemmt damit die Klimaneutralität. Das Elektroauto wirbt für sich als umweltfreundliche Alternative. Doch noch scheint die Nutzung für viele Betriebe und Privatpersonen schwierig und teuer. Experten des Energieinstituts der Westfälischen Hochschule diskutierten anlässlich des „Energiediskurses 2019“ an der Westfälischen Hochschule gemeinsam mit der ELE (Emscher-Lippe Energie, Gelsenkirchen/Bottrop/Gladbeck) und dem VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, Regionalgruppe Rhein-Ruhr) aktuell umsetzbare Lösungen. Eingeladen waren sowohl Hochschulmitglieder, Fachleute, Unternehmensvertreter als auch Bürger und Bürgerinnen, die Veranstaltung konnte rund 140 Teilnehmer begrüßen. Vor den Vorträgen und Diskussionen gab es die Möglichkeit, auf dem Campus der Westfälischen Hochschule verschiedene E-Autos auszuprobieren.

(BL) Gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen wollten die Emscher-Lippe-Energie ELE und der Rhein-Ruhr-Verband VDE Lösungen vorstellen, wie der Einzelne oder Unternehmen die Energiewende zu klimaneutraler Mobilität für sich erschließen können. Beispielsweise, indem er den auf dem eigenen Privatdach oder dem Firmendach erzeugten Solarstrom in den Tank eines Elektro-Autos umleiten kann. Welche Energiespeicher sind nötig? Welche Ladesäulen funktionieren günstig und technisch gut? Dazu luden sie zum gemeinsamen Energiediskurs an den Hochschulstandort Neidenburger Straße in Gelsenkirchen ein. Den Auftakt machte Prof. Dr. Andreas Schneider von der Abteilung Elektrotechnik der Westfälischen Hochschule, der an das Thema Elektromobilität heranführte und aufzeigte, wie wichtig dieses Thema schon jetzt ist und erst recht in der nahen Zukunft sein wird.

Dr. Bernd-Josef Brunsbach (ELE) erläuterte das Zusammenspiel von Solarinstallation, Energiespeicher und Ladesäule. Das Tanken aus der eigenen Fotovoltaik-Tankstelle sei besonders günstig: Eine Tankladung für 100 Kilometer koste nur rund 1,30 Euro. Die Anzahl der Elektrofahrzeuge, der Ladesäulen und der Ladevorgänge habe sich von 2018 bis 2019 auf niedrigem Niveau, aber etwa verdoppelt. ELE sieht sich als Anbieter des kompletten Leistungspakets: Strom, Fotovoltaikanlage, Speicher, Energiemanagement, Elektro-Lade-Box und Heizung.
Prof. Dr. Alfons Rinschede von der Westfälischen Hochschule berichtete davon, wie Eigenstromerzeugung zuhause und Stromtankstelle an einem anderen Ort funktionieren können. Das war Thema des Forschungs- und Entwicklungprojekts „SyncFuel“. Rinschede: „Ich kann meinen selbst erzeugten Strom auch dann zum Laden meiner E-Mobil-Batterien nutzen, wenn ich und mein Elektro-Auto nicht zuhause sind, also etwa an meinem Arbeitsplatz an der Westfälischen Hochschule.“ Das Projekt „SyncFuel“ wird thematisch fortgesetzt.

Arne Friedrich von der Deutschen Post sprach darüber, dass sich die Post für den Transport das Ziel gesetzt hat, bis 2050 ohne umweltrelevante Emissionen auszukommen. 30 Prozent davon hätten sie bereits 2016 erreicht, bis 2025 soll die Hälfte geschafft sein. Der Elektro-Streetscooter der Post leiste hierzu einen beträchtlichen Anteil. Neben der Umweltverträglichkeit sei er auch technisch gut: nur bekannte und bewährte Komponenten, weniger Werkstatt- und Reparaturkosten, weniger Reifenschäden. Damit spare die Post jährlich viel Geld. In Zukunft solle der Wasserstoff-Panel-Van neben der Batterie noch eine Brennstoffzelle bekommen, um die Reichweite für längere Strecken bis zu 450 Kilometern zu erhöhen.

Aus der Forschung berichtete Vizepräsident Prof. Dr. Michael Brodmann. Sein Appell: Die Energiewende könne nur mit Wasserstoff umgesetzt werden. Deutschland bleibe ein Importland für Energie, da die Kosten für den vollständigen Ausbau der sich erneuernden Energieträger nicht tragbar seien. Brodmann: „Wir brauchen einen intelligenten Strom- und Antriebsmix als Schlüssel für die Energiewende.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde klar, dass schon bald auch die private Herstellung von Wasserstoff möglich werde und dann als Antrieb für ein Brennstoffzellenauto zur Verfügung steht. Statt Auspuffgasen kommt dann nur noch reines Wasser aus dem Auspuff.

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