Das Ruhrgebiet konferiert

Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann engagiert sich für die Ruhr-Konferenz. Foto: Sven Lorenz

„Das Ruhrgebiet hat das Zeug zur Zukunftsregion – wettbewerbsfähig und lebenswert im digitalen Zeitalter. Den Weg dahin bereitet die Ruhr-Konferenz.“ So beschreibt es das Landesportal Nordrhein-Westfalen im Internet. An der Ruhr-Konferenz beteiligt sich auch die Westfälische Hochschule mit Vorschlägen, die das Ruhrgebiet auf dem Weg zur Metropole fördern können. Trikon sprach mit Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann über die Beiträge der Westfälischen Hochschule.

Trikon: Menschen machen Metropole, das ist das Motto der Ruhr-Konferenz...
Bernd Kriegesmann: …und dieser Ansatz ist uns sehr vertraut, weil genau das von uns seit Jahren betrieben wird. Das findet seinen Niederschlag etwa in der besonderen Talentförderung der Westfälischen Hochschule. Da geht es darum, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft zu ermutigen und zu befähigen, ihren eigenen bildungsbiografischen Weg zu gestalten und damit Potenziale für die Region zu erschließen. Durch unsere Absolventinnen und Absolventen, die mit einer praxisorientierten Ausbildung in den Beruf gehen, werden wichtige Impulse vor Ort gegeben. Viele von ihnen bleiben in der Region und wirken an ihren Arbeitsplätzen für die Region oder schaffen als Firmengründerinnen und -gründer Arbeitsplätze für das Ruhrgebiet.

Trikon: Gemeinsam mit Staatssekretär Mathias Richter vom NRW-Ministerium für Schule und Bildung leiten Sie das Themenforum „Beste Bildungschancen unabhängig von Ort und Herkunft – Talentschulen als Modelle für individuelle Förderung“. Was will das Forum erreichen?
Bernd Kriegesmann: Dieses Themenforum setzt an einer sehr typischen Situation des Ruhrgebiets an. Wir haben hier in besonderer Weise Unterschiedlichkeiten in den sozioökonomischen Bedingungen für junge Menschen, die sich in einer starken Sortierung im Bildungssystem niederschlägt. Herkunft entscheidet über Zukunft. Genau da will dieses Themenforum neue Ansätze auf den Weg bringen, um Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, vor allem aber um Teilhabemöglichkeiten junger Menschen zu erhöhen. Hier können wir natürlich insbesondere über die Erfahrungen im NRW-Zentrum für Talentförderung entscheidende Beiträge leisten.

Trikon: In welche weitere Themen bringt sich die Westfälische Hochschule und bringen Sie sich als ihr Präsident ein?
Bernd Kriegesmann: Beispielsweise bringen wir uns mit konkreten Projekt-ideen im Themenforum „Strahlkraft und Wirkung der Wissenschaftslandschaft“ ein. Das ist auf der einen Seite der sehr positiv aufgegriffene Ansatz zur weiteren Etablierung und vor allem Weiterentwicklung des Talent-scoutings. Genauso ist das auf der anderen Seite der Forschungsbereich, der gemeinsam mit der Fachhochschule Dortmund und der Hochschule Bochum unter dem Label ,ruhrvalley‘ umgesetzt wird. Hier haben wir zusammen mit Unternehmen eine Partnerschaft auf den Weg gebracht, um neue Lösungen in den Bereichen Energie und Mobilität für Metropolregionen zu entwickeln. Einen derartigen Ansatz wollen wir im Rahmen der Ruhrkonferenz weiter ausbauen.

Trikon: Ein wettbewerbsfähiges Ruhrgebiet braucht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch Technologietransfer Innovationen in Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft tragen. Haben auch solche Themen ihren Platz in der Ruhr-Konferenz?
Bernd Kriegesmann: Ganz grundsätzlich finde ich es längst überfällig, dass das Ruhrgebiet unter diesem Fokus stärker mit dem Thema Wissenschaftslandschaft in Verbindung gebracht wird. Inzwischen sind die Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ganz wichtige Motoren für strukturelle Entwicklungen im Ruhrgebiet. Sicherlich gibt es in der Emscher-Lippe-Region noch Luft nach oben. Hier ist es längst überfällig, stärker in Wissenschaft zu investieren. Da sehen wir uns als Westfälische Hochschule natürlich auch in der Pflicht, mit Ideen diesen Teil der Region weiter zu stärken. Aber diese Ideen haben wir und bringen sie auch ein.

(Mit Bernd Kriegesmann sprach Barbara Laaser)

Ruhr-Konferenz

Die Ruhr-Konferenz ist ein Prozess und verfolgt drei Ziele: Sie fördert in der Region selbst und auch außerhalb das Bewusstsein für die Chancen und Potenziale des Ruhrgebiets. Sie treibt die Entwicklung zur Metropolregion voran, indem sie die schon bestehende Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern nutzt und weitere Netzwerke organisiert. Und sie sorgt durch Projekte in 20 Themenbereichen dafür, dass das Gesamtziel der erfolgreichen Metropolregion Wirklichkeit wird. Denn: Es gibt Dinge, die schafft man nur gemeinsam. Das galt im Ruhrgebiet schon immer - und darauf baut auch die Ruhr-Konferenz. Quelle: www.land.nrw/de/ruhr-konferenz