Digi-up digitalisiert Maschinenbau

Master-Student Alexander Siebe zeigte den Workshop-Teilnehmern den Umgang mit VR-Brille und Handkontrollsystemen. Anschließend konnten sie die virtuelle Wirklichkeit auch selbst ausprobieren: Eine Anregung, darüber nachzudenken, wie VR im eigenen Betrieb sinnvoll einzusetzen ist. Foto: WH/BL

Ende letzten Jahres erhielten die Wirtschaftsförderungsgesellschaften von Bocholt und im Kreis Borken gemeinsam mit den beiden Fachbereichen „Wirtschafts- und Informationstechnik“ sowie „Maschinenbau“ der Hochschulabteilung Bocholt die Zusage für Fördermittel, um im Westmünsterland ein Netzwerk für die digitale Produktion aufzubauen. Nach einer Auftaktveranstaltung dazu im Juni folgte im Juli direkt der erste Workshop für Hochschulmitglieder und Unternehmen. Sein Thema: „Virtual Reality“, übersetzt die simulierte Wirklichkeit, seine englische Ordnungsnummer: #1.

(BL) Rund 50 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, die Hälfte davon Vertreter von produzierenden Unternehmen aus dem Raum Bocholt und dem Kreis Borken. In der größeren der beiden Maschinenhallen am Hochschulstandort Bocholt erwartete sie als erstes ein kurzer Vortrag von Fabian Pioch, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter im Mechatronik-Institut Bocholt. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass die virtuelle Realität, auch wenn sie ein Schlagwort unserer Zeit ist, weit in die Vergangenheit reicht und eigentlich schon mit den 360-Grad-Panoramabildern des frühen 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Es folgten die stereoskopischen Bilder und die dazugehörigen Brillen. Aber so richtig beschleunigte sich die Entwicklung mit der Kopplung an Rechner, die seit Ende des 20. Jahrhunderts die Produktion virtueller Bilder revolutionierte. Inzwischen hat sich das so weit entwickelt, dass die Technik der „Virtual Reality“ der Wirklichkeit nicht nur verblüffend nahe kommt, sondern auch so preiswert geworden ist, dass ihrem Einsatz im Maschinenbau und der produzierenden Industrie nichts mehr im Weg steht.

„Virtual Reality“-Anwendungen helfen bei der Kommunikation der Entwickler im eigenen Haus, dienen der Veranschaulichung von neuen Produkten und Verfahren, unterstützen bei der ergonomischen und sicheren Gestaltung von Arbeitsplätzen und lassen den Vertrieb virtuelle Ausstellungsräume für Kunden bauen. Auch im Bereich der Schulung von Service-Spezialisten gewinne die „Virtual Reality“ zunehmend an Bedeutung. Alles, was man brauche, seien die Rechner, VR-Brillen und etwas Personalkapazität, so Fabian Pioch. Und die Westfäliche Hochschule als Umsetzungspartner. Dazu gab es am Ende der Veranstaltung noch einen eigenen Informationsblock, bei dem die Professoren Tom Vierjahn, Christian Kruse, Michael Bühren und Peter Kerstiens Kooperationsmöglichkeiten zwischen Unternehmen und Hochschule erläuterten. Sechs Gruppen von Wirtschaftsingenieur-Studierenden hatten außerdem Poster zu Themen wie „Cloud Computing“, „Internet of Things“, RFID-Systemen oder „Business Intelligence" ausgestellt.

Nach dem Vortrag von Fabian Pioch entführte Master-Student Alexander Siebe die Teilnehmer in die Praxis der virtuellen Wirklichkeit. Er zeigte den Gebrauch der VR-Brille und der dazugehörigen Handkontrollsysteme, mit denen man im virtuellen Raum neue, simulierte Produktionsweisen ausprobieren kann. Die Teilnehmer waren eingeladen, das nach einer kurzen Einweisung auch selbst auszuprobieren. Für alle anderen wurde der virtuelle Raum auf einem Bildschirm dargestellt.

Die virtuelle Wirklichkeit war Workshop „#1“. Weitere sollen folgen und das Digitalisierungsnetzwerk der Region engmaschig knüpfen.

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Übrigens...

Das Informationsmittel des Abends war neben dem persönlichen Gespräch eine Smartphone-Anwendung: Auf „slido.com#digi-up“ konnten die Teilnehmer die ganze Zeit über Fragen stellen, die am Ende der Veranstaltung gesammelt und für alle beantwortet wurden. Außerdem machten sie bei einer Gruppenumfrage mit zum Digitalisierungsbedarf der Teilnehmer. Spitzenreiter dabei war mit 79 Prozent die Maschinendatenerfassung. „Klar“, kommentierte Prof. Dr. Michael Bühren, „das ist die Basis für alles.“