Firmen-Dialog für duale Ausbildung in Jordanien

Von links nach rechts: Britta Kähler von der deutsch-jordanischen Hochschule, Prof. Dr. Edda Pulst, Wirtschaftsinformatikerin an der Hochschulabteilung Bocholt und Dr. Markus Reifferscheid vom Industriepartner „SMS-group“. Foto: adapt2job

Seit mehreren Jahren erschließt die Wirtschaftsinformatikerin Prof. Dr. Edda Pulst in ihrer Lehre unter der Marke „adapt2job“ über die Zusammenarbeit mit Industrie-Managern anhand von Fallstudien auf deren Software-Plattformen Studierenden den Zugang in den Beruf. Jetzt war sie dafür in Jordanien, um gemeinsam mit Dr. Markus Reifferscheid von „SMS-group“ als Praxispartner aus der Metallurgie-Branche für die nächste Adapt-to-job-Runde Fallstudien aus dem Alltag jordanischer Firmen zu den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit vorzubereiten. Diese Themen stehen dann im September auf der Tagesordnung des nächsten Adapt-to-job-Trainings.

(BL) Prof. Dr. Edda Pulst stellte das Prinzip von „adapt2job“ vor, erzählte aus den Ergebnissen früherer Fallstudienrunden und welche Erfahrungen sie und die beteiligten Firmen dabei gemacht haben. Dabei kann Pulst bereits auf runde dreißig Jahre Erfahrung zurückblicken mit mehr als 100 Hochschulen „von Teheran bis Tripolis, von Casablanca bis Windhoek“. Pulst: „Adapt-to-job erschließt den Unternehmen das praktische Innovationspotenzial von Studierenden, lässt sie Lösungen für tagesaktuelle Aufgaben finden und spart in den Firmen nachweislich bis zu zwölf Monaten Einarbeitungszeit, wenn sie Absolventen und Absolventinnen aus dem Adapt-to-job-Programm nach deren Abschluss einstellen.“

Das von der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) geförderte „adapt2job-Partnering-Event“ fand an der deutsch-jordanischen Universität GJU in Amman statt. Ziel ist es, die Lücke zwischen Hochschulausbildung und jordanischem Arbeitsmarkt weiter zu schließen. Jordanische Arbeitgeber sollten mit tagesaktuellen Fallstudien, Software, Bachelor-Master-Themen und Jobs an den Studieninhalten beteiligt werden. Prof. Dr. Edda Pulst und Dr. Markus Reifferscheidt war es besonders daran gelegen, aus ihrem jordanischen Industrie-Netzwerk Firmen passend zu den Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit für die Mitarbeit zu begeistern. Sieben Unternehmen machten mit und formulierten Fallstudien zu den aktuellen Trends der künstlichen Intelligenz, dem Internet der Dinge und zu digitalen Zwillingen. Konkret: Der Papierhersteller Fine will sich auf die umweltschonende Produktion von Papiertaschentüchern konzentrieren, das Pharmazie-Unternehmen HIKMA will seinen Kohlendioxid-„Fußabdruck“ konstant messen, die jordanische Betonindustrie ist an der „Umlaufoptimierung des Einsatzes von Betonfahrzeugen und -pumpen“ interessiert. Mit dem Schmutzwasserentsorgungsunternehmen Wakileh bereitet das Adapt-to-job-Team schon jetzt einen Fall vor, der auch das Wasserlabor an der deutsch-jordanischen Universität mit einbezieht: Die Abwasser-Anlage eines Altenheims in Amman liefert Brauchwasser an eine benachbarte Olivenbaumplantage. Hierfür sind eine IT-gestützte Bewässerung und die sensorgestützte Überwachung per Internet geplant: „eine stramme Herausforderung für eines der Studierendenteams im kommenden Herbst“, so Pulst.

Auch das „adapt2job“-Projekt soll nachhaltig sein: Zusammen mit der Hochschulleitung und Studiendekanen des dualen Studiums arbeitete Pulst daran, „adapt2job“ zum festen Bestandteil des Curriculums zu machen und zu einem Adapt-to-job-Zentrum für die Nahost-Region zu entwickeln. Für beide Länder – Deutschland und Jordanien – eine Win-win-Situation, da die Bocholter Studierenden bei allen Tätigkeiten, Fallstudien und Kontakten intensiv einbezogen werden sollen.