Freiräume schaffen

Die Gelsenkirchener Wirtschaftsstudierenden (vordere Reihe v.l.) Maximilian Kleimann, Marcel Maibach, Kim Kracht, Philipp König (hintere Reihe v.l.) Nils Schröer, Gregor Gluszek, Kathrin Droste und Elena Serbak untersuchten in ihrem Projekt die Lieferverkehrssituation in der Recklinghäuser Innenstadt und entwickelten mittel- und langfristige Lösungsansätze für eine Entlastung der innerstädtischen Verkehrssituation. Foto: WH/Karin Küffmann

Acht Gelsenkirchener Bachelor-Wirtschaftsstudierende befassten sich im Wintersemester 2019/2020 in einer Studie mit der Lieferverkehrssituation in der Recklinghäuser City. Ende Januar präsentierten sie ihre Ergebnisse. Unterstützt wurde ihr Projekt von der Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing der Stadt Recklinghausen. Dr. Karin Küffmann, Professorin für Wirtschaftsinformatik am Standort Gelsenkirchen, betreute das Studierendenteam.

Studierende des Fachbereichs Wirtschaft an der Westfälischen Hochschule unterstützten die Bemühungen der Stadt Recklinghausen zur Erarbeitung eines City-Logistik-Konzeptes für die Altstadt. In einem Semesterprojekt haben sie unter der Regie von Prof. Dr. Karin Küffmann in einem ersten Schritt Daten zur Ist-Situation erhoben und diese dem Fachbereich „Wirtschaftsförderung, Standortmanagement und Stadtmarketing“ Ende Januar präsentiert und zur Verfügung gestellt.

„Unsere Mitarbeiter arbeiten ohnehin an dem Thema, da kam die Idee eines gemeinsamen Semesterprojekts gerade recht. Die Studierenden haben uns wichtige Daten geliefert, die Arbeit an dem Thema ist damit aber noch nicht zu Ende“, sagte Stadtkämmerer Ekkehard Grunwald bei der Präsentation.

Die Studierenden haben eine zweiteilige Umfrage für den Bereich der Kurier-, Express- und Paketdienstleister (KEP) durchgeführt. Zum einen wurde eine Umfrage zur spezifischen Belieferungssituation der Händlerinnen und Händler durchgeführt. Dabei werden die Geschäfte meistens vormittags über die ganze Woche beliefert. Neben den Kurier- und Expressdienstleistern sind dies auch noch Einzellieferungen. Allerdings erfolgen auch etliche Lieferungen außerhalb der Kern-Lieferzeit. Die Händlerinnen und Händler waren überwiegend zufrieden mit der jetzigen Situation. Die Stadt allerdings bevorzugt eine Kern-Belieferungszeit, um die Aufenthaltsqualität der Altstadt zu erhalten. Da in einer Altstadt wie in Recklinghausen wenige Parkflächen zur Verfügung stehen, kommt es auch zu Behinderungen von Fußgängern und Fußgängerinnen.

Zum anderen wurden die Kurier-, Express- und Paketdienste befragt. Auch hier wurde deutlich: Durch die Altstadtsituation und die vielen Stopps der Fahrzeuge der großen Lieferdienste werden sie in den vorgegebenen Lieferfenstern kaum fertig, da auch viele Geschäfte erst später öffnen. Als Umfrageergebnis haben die Studierenden mögliche Lösungen vorgeschlagen.

Die Untersuchung der Studierenden konzentrierte sich auf den Bereich der KEPs. Neben den Einzellieferungen gehört auch weiterer Verkehr, der durch die Altstadt rollt, etwa die Spediteure, die Lieferungen und Entsorgungen der Gastronomen, Handwerker, Bauunternehmen, Briefpost und Privatverkehre. Auch diese sollten laut Grunwald miteinbezogen werden, um ein tragfähiges Logistikkonzept zu entwickeln.

Erfragt wurde unter anderem die Bereitschaft der Kurier- und Expressdienste, sich an alternativen Liefermöglichkeiten, zum Beispiel für die sogenannte letzte Meile, zu beteiligen. Diese fiel allerdings eher zurückhaltend aus. Interesse an der Einrichtung eines sogenannten „City-Hubs“ besteht zum Beispiel nur, wenn ein neutraler Dienstleister diesen betreibt und es grundsätzlich für die Dienstleister wirtschaftlich ist. In mehreren Städten der Umgebung laufen City-Logistik-Projekte, in deren Rahmen Pakete zunächst an eine zentrale Sammelstelle in der Innenstadt geliefert und von dort zum Beispiel umweltfreundlich per Lastenrad zum Adressaten gebracht werden.

Die Studierenden haben sich im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit die Lösungen in anderen Städten angesehen und verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen. Zentral waren emissionsreduzierende und nachhaltige Lösungsmöglichkeiten, die auf vorhandener Infrastruktur aufbauen. Diskutiert wurden verschiedene Hubformen, verschiedene Lastenradtypen und emissionsarme Lieferfahrzeuge, wie sie in anderen Städten probiert werden. Denkbar sind auch eine stärkere Einbindung von Paketstationen oder Nachbarschaftsdienstleistern.
„Wir sind auf jeden Fall davon überzeugt, dass Handlungsbedarf besteht“, sagt Fachbereichsleiter Axel Tschersich. So geht die Unternehmensberatung McKinsey davon aus, dass das Paketvolumen in Deutschland von derzeit etwa 2,8 Milliarden pro Jahr auf rund fünf Milliarden Pakete in zehn Jahren steigen wird. Für die Bewältigung dieses Volumens sind intelligente Verteilsysteme unabdingbare Voraussetzung. (Karin Küffmann, Pressestelle Stadt Recklinghausen)