Hochschulallianz „ruhrvalley" professionalisiert Zusammenarbeit

Professionalisieren mit der Hochschulallianz „ruhrvalley" ihre Zusammenarbeit (v.r.): Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, Prof. Dr. Jürgen Bock, Präsident der Hochschule Bochum und Prof. Dr. Wilhelm Schwick, Rektor der Fachhochschule Dortmund. Unterstützt werden sie dabei von der Stiftung Mercator, vertreten durch Geschäftsführer Dr. Wolfgang Rohe. Foto: Hochschule Bochum

Die drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen vertiefen ihre Kooperation in Studium, Forschung und Transfer zukünftig unter dem gemeinschaftlichen Dach der Hochschulallianz „ruhrvalley". Durch die Erweiterung und Professionalisierung der bereits seit 2008 bestehenden Zusammenarbeit verfolgen die Hochschulen nun als Hochschulallianz das Ziel, den Wissenschaftsraum Ruhr durch gemeinsame wissenschaftliche, wirtschaftliche sowie bildungspolitische Impulse und Initiativen zu stärken. Die in Essen ansässige Stiftung Mercator fördert die strategische Hochschulkooperation in den kommenden fünf Jahren mit rund 5,6 Mio Euro.

Insgesamt sind an den drei Ruhrgebietshochschulen rund 32.000 Studierende eingeschrieben. An den Hochschulen der Hochschulallianz „ruhrvalley" lehren rund 550 Professoren und Professorinnen. Die Jahresetats (2019) summieren sich auf 180 Mio. Euro. Um diese Potenziale zukünftig noch besser und systematischer zu nutzen, planen die „ruhrvalley"-Hochschulen neben der strategischen Abstimmung auch den Ausbau ihres gemeinschaftlichen Auftritts. Für die kommenden Jahre wurde eine Intensivierung der Kooperation auf den Feldern Forschungsförderung, Internationalisierung und wissenschaftliche Weiterbildung vereinbart.

Im Rahmen der Forschungsförderung sollen Lösungsstrategien für Metropolregionen in technischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Themenfeldern entstehen. Neben den bereits bestehenden sollen dazu mit Forschenden und Praxispartnern aus dem „ruhrvalley"-Netzwerk bis zu drei weitere Forschungsschwerpunkte aufgebaut und mit Blick auf das EU-Rahmenprogramm „Horizon Europe“ positioniert werden. Dadurch soll die Zahl der EU-geförderten Forschungsprojekte in der Region deutlich steigen.

Die Partner sind bereits seit vielen Jahren in internationalen Mobilitätsprogrammen engagiert, knüpfen Kontakte und sorgen für den Austausch von Ideen und Menschen. Entsprechend ist die weitere Stärkung der internationalen Zusammenarbeit ein weiteres Ziel von „ruhrvalley". Strategische Partnerschaften insbesondere mit Hochschulen im europäischen und asiatischen Raum sollen den Prozess der Internationalisierung vorantreiben und dazu beitragen, die Attraktivität des Ruhrgebiets für ausländische Forscherinnen und Forscher und Studierende zu steigern und so den Wissenschaftsstandort zu stärken.

Dritter Schwerpunkt des neuen Hochschulverbundes ist die Gestaltung der wissenschaftlichen Weiterbildung im Verbund und damit die aufeinander abgestimmte Ermöglichung umfassender Bildungsbeteiligung der Menschen im Ruhrgebiet sowie der innovativen Wirtschaftsraumentwicklung. Als ein Verbund von Orten des lebenslangen Lernens sollen nachfrageorientierte und vielfältige Angebotsformate im Bereich der berufsbezogenen und wissenschaftlichen Weiterbildung entwickelt und angeboten werden. Neben Zertifikatskursen oder weiterbildenden Masterstudiengängen sollen auch digitale Weiterbildungstools ausgebaut werden. Die Förderung durch die Stiftung Mercator stärkt so die Fachhochschulen, die mit stetig wachsenden Anforderungen und einem intensiven Wettbewerb um Förderungen, Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Lehrende konfrontiert sind. In der dichten Hochschullandschaft des Ruhrgebiets schafft die Hochschulallianz „ruhrvalley" den institutionellen Rahmen zur Koordination und zur Entwicklung von Synergien.

Büro in der Innenstadt

Zur besseren Koordination der Aktivitäten bauen die drei Hochschulen eine zentrale Geschäftsstelle in der Herner Innenstadt am Berliner Platz und damit in der Nähe des Herner Rathauses auf. Dabei übernehmen sie Räume im bisherigen Stadtwerke-Haus, die Stadtwerke ziehen mit ihrem Kundencenter ein paar Meter weiter in das ehemalige Immobiliencenter der Herner Sparkasse. Im neuen „ruhrvalley"-Management-Office sollen bis zu 40 Menschen arbeiten. Auf 480 Quadratmetern sollen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die gemeinsamen Projekte und Forschungsinitiativen koordinieren.

Die zentral gelegenen Räume sollen örtlichen Unternehmen die Möglichkeit geben, schnell und unkompliziert Kooperationspartner zu finden. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen erleben, wie Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam den Strukturwandel des Ruhrgebiets voran bringen. „Die Weiterentwicklung unserer Partnerschaft eröffnet weitere Perspektiven, Innovationsimpulse für die Region zu geben“, fasst Prof. Dr. Bernd Kriegesmann zusammen. „So arbeiten wir schon jetzt sehr intensiv in gemeinsamen Forschungsprojekten mit der regionalen Wirtschaft. Zukünftig können wir unsere Kräfte noch besser bündeln und auch stärker internationale Forschungsinitiativen angehen.“

Dass der Standort für die Geschäftsstelle im Zentrum Hernes möglich wurde, verdankt die Allianz auch dem Engagement der Stadt und ihres Oberbürgermeisters Dr. Frank Dudda. „Wir freuen uns, der bereits bewährten Zusammenarbeit mit Herne neue Dimensionen – die Felder Gründung, Weiterbildung und Internationalisierung – hinzufügen zu können“, erklärte der Präsident der Hochschule Bochum, Prof. Dr. Jürgen Bock. „Und sie bekommt auch einen Ort, der durch seine Nähe zu den Herner Stadtwerken und zum Rathaus sprichwörtlich kurze Wege ermöglicht“, freut er sich.

Solch ein neuer gemeinsamer Fokus wird die Start-up-Förderung sein, die die Hochschulallianz-Partner gemeinsam durch Mittel aus dem Bundesprogramm „Exist“ finanzieren können. Rund drei Millionen Euro können sie jetzt für wissensbasierte Unternehmensausgründungen nutzen und so den Strukturwandel in der Region vorantreiben. „Wir werden den Start-up-Campus nutzen, um die Vielfalt der an den drei Hochschulen vorhandenen Disziplinen zusammenzubringen“, erläutert Prof. Dr. Wilhelm Schwick, Rektor der Fachhochschule Dortmund. „So können wir neue Geschäftsideen generieren, die durch unser Netzwerk von Beginn an bei der Realisierung einer Unternehmensgründung unterstützt werden, um sich nachhaltig am Markt zu etablieren.“

„Der Einzug von ,ruhrvalley' ins Stadtwerkehaus ist ein außerordentlich starkes Signal für den Standort Herne. Hier können wir zeigen, wie Strukturwandel gelingen kann. Hier können wir erleben, dass Forschung und Wirtschaft eng und produktiv zusammen arbeiten und dass Herne und das Ruhrgebiet von den Impulsen der Spitzenforschung profitieren können. Wir schaffen keinen Elfenbeinturm, sondern entwickeln gemeinsam die Zukunftsfelder Energie, Mobilität und Digitalisierung“, so Dudda. „Von hier aus können wir auch unserer großen Vision der internationalen Technologiewelt Herne weiteres Leben einhauchen.“ (Gemeinsame Pressemeldungen der „ruhrvalley"-Allianz, der Stadt Herne und von Mercator)

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Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung. Sie strebt mit ihrer Arbeit eine Gesellschaft an, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet. Dabei konzentriert sie sich darauf, Europa zu stärken, den Bildungserfolg benachteiligter Kinder und Jugendlicher insbesondere mit Migrationshintergrund zu erhöhen, Qualität und Wirkung kultureller Bildung zu verbessern, Klimaschutz voranzutreiben und Wissenschaft zu fördern. Die Stiftung Mercator steht für die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung. Sie ist national wie international tätig. Dem Ruhrgebiet fühlt sie sich besonders verpflichtet.