Mit Sicherheit gewachsen

Die Informatiker Chris Wojzechowski und Matteo Große-Kampmann (v.l.) sind zu Beginn des Jahres 2020 mit ihrer IT-Sicherheitsfirma „Aware7“ in den Gelsenkirchener Wissenschaftspark umgezogen. Vorher hatten sie ihren ersten Firmensitz nach ihrer Hochschulausgründung in der Bergmannstraße in Gelsenkirchen Ückendorf. Ermöglicht hatte das die Stadterneuerungsgesellschaft Gelsenkirchen (SEG). Mit der Betreuung und der ihnen angebotenen Unterstützung der SEG seien die Unternehmer auch sehr zufrieden gewesen. Nun wurden die Geschäftsräume aber zu klein. Im Wissenschaftspark gibt es nun noch zusätzlich einen kleinen Wachstumspuffer. Foto: WH/MV

Im Juni 2019 erst zogen die beiden ehemaligen Studierenden und jetzt Geschäftsführer Matteo Große-Kampmann und Chris Wojzechowski mit ihrer aus der Westfälischen Hochschule ausgegründeten Firma „Aware7“ in den Gelsenkirchener Süden in den Stadtteil Ückendorf. Oberbürgermeister Frank Baranowski begrüßte damals zusammen mit Stadtrat Dr. Christopher Schmitt und dem Referatsleiter der Wirtschaftsförderung, Rainer Schiffkowski, gemeinsam mit der Stadterneuerungsgesellschaft (SEG) und der Stabsstelle „Vernetzte Stadt“ das Start-up bei einem Pressetermin im „Kreativquartier“. Seit Anfang des Jahres haben sie nun einen neuen Firmensitz im Wissenschaftspark, nicht weit entfernt von ihrem ersten Ausgründungssitz an der Bergmannstraße.

(MV) Sie scheinen sich auf ein halbes Jahr eingerichtet zu haben, könnte man meinen. So liest sich jedenfalls der Werdegang der beiden Informatiker Matteo Große-Kampmann und Chris Wojzechowski. „Etwas mehr als ein halbes Jahr haben wir die Möglichkeit gehabt, im Institut für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule unterzukommen. Doch ein halbes Jahr nach der Firmengründung und nach insgesamt fünf Jahren an der Westfälischen Hochschule, wurde es Zeit für einen Ortswechsel. Die Hochschule selber war und ist ein optimaler Ort um Ideen zu entwickeln und zu verfolgen sowie motivierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden. Doch das Flair an der Hochschule passte irgendwann nicht mehr zu unserem noch jungen IT-Unternehmen“, erzählen die beiden Firmengründer.

Ende 2018 erfolgte der ursprüngliche Startschuss: „Wir haben den ‚Live Hacking und Awareness Bereich‘ aus dem Institut für Internet-Sicherheit ausgegründet und die ‚AWARE7 GmbH‘ gegründet. Die uns angebotenen Räume in Ückendorf boten ausreichend Platz für die zunächst geplante Größe von bis zu zehn Personen“, so Große-Kampmann. „Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so schnell mehr Platzbedarf haben werden“, so Wojzechowski und Große-Kampmann unisono. „Jetzt sind wir – ein halbes Jahr später – insgesamt auf ein ‚15-Mann-und-Frau‘ starkes Team angewachsen und mussten uns deshalb nach neuen Möglichkeiten umsehen, um den gestiegenen Platzbedarf zu decken. Den fanden sie nun im Gelsenkirchener Wissenschaftspark an der Munscheidstraße, gar nicht weit von ihrem alten Firmensitz.

Das Kerngeschäft von Aware 7 sind sogenannte Penetrationstests, kurz Pen-Test, und Live-Hacking-Shows. Dabei dienen beide Dienstleistungen dem Ziel, Netzwerke von Unternehmen, Behörden, Schulen oder auch Kleinstdienstleistern sicherer machen sowie die Menschen zu sensibilisieren für die Gefahren von Sicherheitslücken in der Informationstechnik und auch beim Umgang mit der Technik im Alltag. „Unsere jahrelange Erfahrung sowie die qualifizierten Aus- und Fortbildungen eines jeden einzelnen Mitarbeiters von uns ermöglichen das zuverlässige Auffinden von Sicherheitslücken in den Systemen unserer Kunden, um diese dann bestmöglich zu schließen“, so Matteo Große-Kampmann über das Tagesgeschäft von Aware 7.

Damit diese Botschaft über den richtigen Umgang mit der Technik auch schon früh beginnt, besuchen die beiden häufig Schulen und haben auch Kontakt zu Fördervereinen für Bildungseinrichtungen: „Hier machen wir natürlich spezielle Preise. Oft ist die Bezahlung dann der Wegstreckenaufwand“, berichten die beiden und müssen schmunzeln. „Soziales Engagement ist für uns ebenso wichtig wie auch für kleinere Unternehmen da zu sein und diese nicht von der IT-Sicherheit auszuschließen, nur weil es am Budget scheitern würde.“

Von den großen Unternehmen seien die meisten bereits gut sicherheitstechnisch ausgerüstet und hätten zum Teil eigene Sicherheits-Strategien. Aber auch hier und da fände man doch noch Verbesserungsmöglichkeiten, beispielsweise beim Pen-Test. Sorgen machen sich die beiden Informatiker beim breiten Mittelstand. „Hier hinken viele Firmen hinterher. Sie wissen zwar, sie müssen etwas für die Sicherheit ihrer Firma machen, wissen aber nicht, wie und wo“, berichtet Matteo Große-Kampmann über seine Erfahrungen und auch Chris Wojzechowski stimmt ihm da zu.

Für die Zukunft wünschen sie beide ein stabiles und gesundes Wachstum ihrer Firma. Angedacht sei, Investoren mit ins Boot zu holen. Zudem planen Große-Kampmann und Wojzechowski auch Mitarbeiterbeteiligungen an Aware 7. Bereut haben sie ihren Schritt auszugründen und Unternehmer zu sein bisher nicht. Obschon sich viele frühere Tätigkeiten verschoben haben, hin zu mehr „Chef sein“.

Große-Kampmann: „Verbiegen mussten wir uns bisher nicht. Krawatte und Anzug tragen wir natürlich bei offiziellen Anlässen. Aber beim Kunden ist ‚businessschick‘ angesagt und bei Hacking-Shows gibt es genug andere mit Anzug und Krawatte. Da sind unsere Authentizität und das Fachwissen wichtiger.“ Sollten andere Studierende auch einmal planen, eigene Ideen zu verwirklichen und damit eine Firma zu gründen, können sie Kontakt mit Chris Wojzechowski und Matteo Große-Kampmann aufnehmen. Beide berichten ihnen gern, worauf man achten sollte.

Fotogalerie

Über die Gründer

Chris Wojzechowski ist Geschäftsführer der „AWARE7 GmbH“ und war nach seinem Informatikstudium an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen von 2014 bis 2018 Mitarbeiter am Institut für Internet-Sicherheit. Dort hat er bis zur Gründung von Aware 7 die Live-Hacking-Shows und Awareness-Abteilung geleitet und aufgebaut. Er zeigt nun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Privatpersonen sowie Firmenchefs, wie Kriminelle versuchen, sich Zugang zu sensiblen Daten zu verschaffen. Schutzmöglichkeiten und Sofortmaßnahmen gegen Datendiebstahl zählen, neben Live-Vorführungen, zu seinen Aufgaben. Zu aktuellen Themen der IT-Sicherheit und Informationstechnik steht er oft Rede und Antwort, auch vor Mikrofon und Kamera.

Matteo Große-Kampmann ist technischer Geschäftsführer von Aware7. Auch er studierte Informatik in Gelsenkirchen. Außerdem ist er zurzeit kooperativer Doktorand am Institut für Internet-Sicherheit sowie der Ruhr Universität Bochum und forscht interdisziplinär in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenschutz und Medizintechnik. Er veröffentlichte bereits verschiedene wissenschaftliche Arbeiten sowie Artikel und Blogbeiträge. Bundesweit buchen ihn Unternehmen für Live Hacking und Awareness-Veranstaltungen. Als Experte steht er im (über)regionalen Funk und Fernsehen ebenfalls vor der Kamera.

Mehr im Internet auf den Seiten von Aware7.