Monatliche digitale Kaffeerunde

Zwei Kaffeetassen der Westfälischen Hochschule

An der Westfälischen Hochschule wird der Kaffee nicht nur analog getrunken. Foto: Nikola Leinweber

Vor wenigen Monaten war dies noch ein Wunschgedanke, nun ist er Realität geworden: Das Format „Digitaler Kaffee TV“ des Verbundprojekts „connect.emscherlippe“ sendet inzwischen einmal monatlich live aus den Räumen des Campus Gelsenkirchen der Westfälischen Hochschule. Dabei werden nicht nur vielfältige Themen zur Digitalisierung allgemein mit Gästen aus der Emscher-Lippe-Region besprochen. Auch der Stand der Digitalisierung an der Hochschule selbst wurde in den letzten Ausgaben sichtbar, als die „Digitaler Kaffee“-Gesprächsrunde in die digitale Welt verlegt wurde. Denn damit die geltenden Corona-Regelungen eingehalten werden konnten, wurden die Gäste live aus dem Homeoffice zur digitalen Gesprächsrunde auf Youtube und Facebook zugeschaltet.

Ihren Kaffee erhielten die Gäste der vergangenen drei Live-Sendungen nur aus der heimischen Kaffeemaschine. Denn das TV-Format vom „Digitalen Kaffee“ wurde aus der Distanz produziert und ausgestrahlt: Die Diskussionsteilnehmenden saßen zuhause vor ihren Webcams, während Moderatorin Clarissa Schott aus dem hauseigenen Studio der Westfälischen Hochschule die Gesprächsrunde lenkte. Ein Umstand, der anfangs für technische Probleme sorgte. Mit der fünften Folge, die im Juli ausgestrahlt wurde, hatte das Technik-Team alle bisherigen Herausforderungen hinsichtlich Bild- und Ton-Synchronizität gemeistert.

Das monatliche „Hallo und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des ‚Digitalen Kaffee TVs‘“ von Moderatorin Clarissa Schott wurde unterdessen zum oft gehörten und viel gesehenen Aufmacher. Unterstützung erfuhr sie dabei durch ihre Co-Moderatorinnen Sarah Derks und Laura Neugebauer, die wechselnd die eingehenden Zuschauer-Fragen auf Social Media und dem Mentimeter – einer Plattform, auf der Zuschauer und Zuschauerinnen anonym Fragen stellen können – moderierten. Die Ausgaben der letzten drei Monate griffen Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Digitalisierung auf. Zu Wort kamen Fachleute, Unternehmensvertreter und Studierende.

„Start-ups als Motor für die Region“ lautete der Titel der Mai-Ausgabe. Ein Thema, das im Rahmen der Initiative „Andersmacher“ an der Westfälischen Hochschule bearbeitet wird. Dementsprechend nahm Pia Grandt von dieser Initiative zur Förderung der Gründungskultur an der Diskussion teil. Ebenfalls live zugeschaltet wurden Matthias Wiemers von Auktora und Dr. Andreas Bastin, Vorstandsvorsitzender von Masterflex, die beispielhaft für gelungene Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Unternehmen steht. Als festes Element in das Sendeformat neu eingeführt wurde ein 30-Sekunden-Pitch: Zum Abschluss soll jeder Gast sein Fazit zur Sendung in 30 Sekunden formulieren. Dies ist eine Anlehnung an die in der Agentur- beziehungsweise Werbeagenturbranche vorkommende, meist kurzgehaltene Präsentationsform, kurz Pitch genannt. Zwar ist die Emscher-Lippe-Region nicht Berlin, was die Start-up-Szene angeht, doch das biete Vorteile, betonte Pia Grandt: „Ich denke, es ist schön, dass man noch alles so aktiv mitgestalten kann.“ Dem schloss sich der gebürtig aus Herne stammende Matthias Wiemers mit einem selbst formulierten Hashtag an: „#Ruhrgebiet = Lebens- und arbeitswert“.

Noch aktueller ging es in der vierten Folge vom „Digitalen Kaffee TV“ zu: „Non-Fungible Token (NFTs) – Revolution oder Klima-Killer?“ hieß es hier. Diesmal diskutierte Clarissa Schott mit vier Gästen. Eingeladen waren Kevin Witteck vom Institut für Internetsicherheit an der Westfälischen Hochschule, Sebastian Posth, Consultant und Unternehmer im IT-Bereich, Ahmed Ouerghi, Student und Content-Producer, und der Komponist Bernd Schultheis. NFTs sind nicht austauschbare, digitale Wertmarken, welche meist mit digitalen Kunstwerken verknüpft werden. Nach Posth sei die Möglichkeit für unbekannte Künstler und Künstlerinnen, mit NFTs Geld zu verdienen, noch sehr groß: „Die meisten Künstler und Künstlerinnen oder Musiker und Musikerinnen sind noch gar nicht auf den Zug aufgesprungen.“ Schwierig sei es dabei nicht, einen NFT zu erstellen. Dies habe Student Ahmed Ouerghi schon getan, doch er betonte, dass Ersteller und Erstellerinnen auf die richtige Plattform achten müssten. Zum Schluss wurden die Lizenzrechte an NFTs ebenso diskutiert wie die Frage, wie stark NFTs das Klima beeinflussen. Denn damit NFTs erzeugt werden können, müssen Datenträger unter hohem Energieaufwand arbeiten.

Von virtuellen Datenmengen weg und hin zu analogen Gebäuden ging es bei der fünften Folge „Digitalisierung in der Gebäudebewirtschaftung“. Denn neben der Neuerrichtung von smarten Gebäuden existiert heutzutage auch die Option, Gebäude nachzurüsten und somit die Bewirtschaftung durch digitale Sensoren zu vereinfachen. Zugeschaltet wurden Franz Kandora, bei der Stadt Gelsenkirchen für die „Technische Gebäudeausrüstung“ zuständig, Norbert Löffler, Bau-, FM- und Energie-Consulting-Leiter bei der Aploena-Gruppe, und Markus Thomzik, Professor an der Westfälischen Hochschule und Innovationsforscher sowie -berater. Ein gutes Beispiel, das für die digitale Gebäudebewirtschaftung steht, ist „The Ship“ in Köln-Ehrenfeld. Es wurde nach der „Building Information Modeling“-Methode (BIM-Methode) gebaut, die helfen soll, die spätere Bewirtschaftung schon beim Bau zu optimieren. Zudem ist auch die smarte Gebäudebewirtschaftung eng verbunden mit dem Thema Nachhaltigkeit. Denn durch die entsprechende Verwendung kann Kohlendioxid gespart werden. „Dafür müssen entsprechende Technologien genutzt werden“, betonte Norbert Löffler. Regionale Beispiele aus Gelsenkirchen hatte Franz Kandora parat: Hier sei man auf dem Weg, Zähler für Strom, Gas und Wasser digital abzulesen, ohne Mitarbeiter losschicken zu müssen. Das Fazit der Runde war einheitlich: Das Thema Digitalisierung ist notwendig und unumgänglich, nicht nur in der Gebäudebewirtschaftung.

Der „Digitale Kaffee“ kehrt nach seiner Sommerpause am 2. September wieder auf die Bildschirme zurück. Dann wird Moderatorin Clarissa Schott mit ausgewählten Gästen über die digitale Lehre und das Campusleben sprechen. Für alle, die die bisherigen fünf Folgen nachschauen oder sich den projekteigenen Podcast anhören möchten, ist die Webseite www.digitaler-kaffee.de rund um die Uhr erreichbar. (Nikola Leinweber)

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