Obstbäume und Gummistiefel

Auf der neu angelegten Obstwiese am Campus der Westfälischen Hochschule überreicht Thomas Kamp-Deister (rechts) Urkunde und Plakette „Ökofaire Einrichtung Familienbildungsstätte Bocholt Level II“ an Ulrik Störzer (links). Foto: Karola Wiedemann

Die Hochschulabteilung Bocholt hat eine Fläche für die Bepflanzung mit Hochstamm-Obstbäumen besonders erhaltenswerter alter Sorten bereitgestellt. Prof. Dr. Heike Beismann kann sich vorstellen, diese und eine weitere Obstwiese im Rahmen des Nachhaltigkeitszertifikats im Studiengang Bionik für wissenschaftliche Arbeiten zu nutzen. Initiator ist die Familienbildungsstätte/das Mehrgenerationenhaus in Bocholt.

Die Familienbildungsstätte/das Mehrgenerationenhaus in Bocholt hat es damit geschafft, als erste von 27 Familienbildungsstätten im Bistum Münster das Umweltmanagementsystem „Zukunft einkaufen – glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“ nach Level 2 einzuführen. Nachdem die feierliche Verleihung des Zertifikats wegen Corona mehrmals verschoben werden musste, fand sie im April bei Wind und Wetter in Gummistiefeln statt. Eine Obstwiesenpflanzaktion bildete den äußeren Rahmen, als Thomas Kamp-Deister, Referatsleiter „Schöpfungsbewahrung“ beim Bistum Münster, die Plakette und Urkunde an den Umweltmanagementbeauftragten und Bildungsreferenten der Familienbildungsstätte, Ulrik Störzer, überreichte. Stellvertretend für die vielen Mitwirkenden an dem umfangreichen Prozess wohnten der Feierstunde neu gepflanzte Obstbäume bei. „Wir wollten den Anlass coronakonform gestalten und mit etwas Nachhaltigem verbinden“, erklärt Störzer die Idee zu der ungewöhnlichen Feierstunde in Gummistiefeln. Die Anlage von zwei Obstwiesen anlässlich des 50-jährigen Jubiläums ist eine von vielen Maßnahmen zur Schöpfungsverantwortung der Familienbildungsstätte/des Mehrgenerationenhauses Bocholt. Und das, obwohl die Bildungsstätte selber gar kein Grundstück dafür besitzt. „Wir wollten mit Familien Patenschaften für Obstbäume übernehmen. Das Pflanzen, Pflegen, Schneiden und Beernten der Bäume und die Verarbeitung des Obstes sollten Teil unserer Bildungsarbeit sein“, beschreibt Christian Jung, Leiter der Bildungsstätte, den Ausgangspunkt. Gesagt, getan, das Team der Bildungsstätte machte sich auf die Suche nach einer geeigneten Fläche. Heute, eineinhalb Jahre später, sind im Bocholter Stadtgebiet 51 Hochstamm-Obstbäume besonders erhaltenswerter alter Sorten gepflanzt. Die Stadt Bocholt und die Westfälische Hochschule Bocholt stellten dafür Flächen zur Verfügung, der Nabu begleitet beratend und hat den Kontakt zu einer örtlichen Firma hergestellt, die bei Bedarf nachpflanzt, und die Familienbildungsstätte organisiert die Pflege und das Beernten mit den Patenfamilien. Das Ganze haben diese fünf Akteure in einem Kooperationsvertrag geregelt und damit ein Netzwerk mit noch mehr Potenzial besiegelt. Prof. Dr. Heike Beismann, Projekt-Ansprechpartnerin bei der Westfälischen Hochschule, kann sich vorstellen, die Obstwiesen im Rahmen des Nachhaltigkeitszertifikats im Studiengang Bionik für wissenschaftliche Arbeiten zu nutzen.

In der Familienbildungsstätte ist Schöpfungsverantwortung inzwischen in allen Themenfeldern Teil des Angebots. Zudem haben Störzer und sein Umweltteam beim eigenen Wirtschaften alles unter die ökofaire Lupe genommen. Überrascht hat dabei, dass das gedruckte Programm hundertmal mehr Papier verbraucht als die Ausdrucke im laufenden Betrieb, obwohl anstelle früher 10.000 nur noch 5.000 Exemplare gedruckt werden. „Das werden wir weiter senken, ebenso den hohen CO2-Ausstoß durch die Anfahrten der jährlich circa 20.000 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer“, erklärt Störzer. Dafür sollen die Fahrradparkplätze mehr und attraktiver und das Mitfahren häufiger werden. Geplant ist außerdem eine Fotovoltaikanlage. Ein Wasserspender, der Plastik und Transport einspart, ist bereits installiert, ebenso energiesparende LEDs bei der Beleuchtung und Brennwerttechnik bei der Heizung. Und beim Grillen mit den etwa 80 Kursleiterinnen und Kursleitern gibt es nur noch ein Fleischstück pro Person, ansonsten Gemüse und Kartoffeln, ohne dass etwas vermisst wird. „Wir sind bei der Schöpfungsverantwortung gerne Vorreiter“, freut sich Jung auch als Leiter des Bildungsforums Borken, zu dem die Familienbildungsstätten Borken und Gronau sowie das katholische Bildungswerk im Kreisdekanat Borken gehören, über das ökofaire Engagement in den Einrichtungen. „Denn wir haben eine Vorbildfunktion.“ (Karola Wiedemann)

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