Und der Haifisch, der hat…

Dr. Joachim Enax, Chemie-Absolvent der Westfälischen Hochschule am Standort in Recklinghausen, kehrte für einen Vortrag über moderne Zahnpflege an seine frühere Hochschule zurück. Seine Doktorarbeit in „Anorganischer Chemie“ schrieb Enax an der Universität Duisburg-Essen über Haifisch- und Krokodilzähne. Joachim Enax arbeitet für das Bielefelder Unternehmen „Dr. Kurt Wolff“ als leitender Wissenschaftler im Bereich der Zahnpflege. Foto: WH/MV

…Zähne und die trägt er im Gesicht. Womit Bertolt Brecht in der Dreigroschenoper wohl meinte, dass er sie zeigt. Damit das aber ein schöner Anblick ist und kein schrecklicher, bedarf es lebenslanger Pflege. Mit der kennt sich Dr. Joachim Enax, Chemie-Absolvent der Westfälischen Hochschule am Standort in Recklinghausen, gut aus. Enax kehrte für einen Vortrag über moderne Zahnpflege – aus wissenschaftlicher Perspektive – an seine frühere Hochschule zurück. Seine Doktorarbeit schrieb Enax über Haifisch- und Krokodilzähne. Heute arbeitet er für das Bielefelder Unternehmen „Dr. Kurt Wolff“ als leitender Wissenschaftler im Bereich der menschlichen Zahnpflege.

(MV) Seit einigen Jahren bietet die Lehreinheit Chemie gemeinsam mit dem Ortsverband Marl-Recklinghausen der „Gesellschaft Deutscher Chemiker“ (GDCh) Vorträge aus chemischer Sicht an, die nicht nur für Studierende gedacht sind, sondern zu denen auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, von klein bis groß, eingeladen sind. Anfang Mai stellte Dr. Joachim Enax in seinem Vortrag die neuesten Erkenntnisse in der Zahnpflege aus chemischer Sicht vor.

Der Zahnschmelz gilt als die härteste Substanz in unserem Körper. „Der Zahnschmelz ist hart und widerstandsfähig“, erläuterte der Experte Joachim Enax, „das sogenannte Dentin sorgt für die Elastizität des Zahns.“ Ebenso sei der Speichel wichtig für die Mundgesundheit, so Enax weiter. Wenn wir beispielsweise etwas Saures essen, werden unsere Zähne demineralisiert und durch den Speichel wieder remineralisiert. „Pro Tag bilden wir etwa einen Liter Speichel“, berichtete Enax. Medikamente könnten zu vermindertem Speichelfluss führen. Gerade bei älteren Menschen sei dies häufig ein Problem. Zudem steige durch Stress das Risiko für Zahn- und Zahnfleischerkrankungen, listet Joachim Enax einige Ursachen auf, die unsere Mundgesundheit beeinträchtigen können. Ebenso zählen Karies und Erosion dazu.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Prävention von Karies und Zahnfleischproblemen in Deutschland sowie auch international eine große Herausforderung darstellt. Einen wichtigen Beitrag zur Mundgesundheit liefere die moderne Zahnpflege, weiß Enax. In seinem Vortrag stellte er die dafür relevanten Wirkstoffe und Zusammensetzungen aus chemischer Sicht vor. „Zahnpasten sind komplexe kosmetische Formulierungen. Eine moderne Paste dient der Kariesprophylaxe, hat antibakterielle Wirkstoffe, enthält Putzkörper und Wirkstoffe gegen Zahnstein sowie Tenside und Wirkstoffe, die beispielsweise bei schmerzempfindlichen Zähnen helfen“, so Enax. Wichtig sei die Bekämpfung bakterieller Biofilme. Von Pflegesubstanzen bis Putzkörpern, von der klassischen Zahncreme mit Natriumfluorid bis hin zu biomimetischen Calciumphosphaten wie Hydroxylapatit und Enzymen reichte das Spektrum seines Vortrags. In klinischen Studien wurde die Gleichwertigkeit der Vorbeugung von Zahnerkrankungen mit Fluoridzahnpasten und Zahnpasten mit Hydroxylapatit, die der natürlichen Zahnsubstanz nachempfunden sind, nachgewiesen.

Der Haifisch hat es leicht: Er besitzt ein sogenanntes „Revolvergebiss“ und wechselt die Zähne regelmäßig, wie auch Enax in seiner Doktorarbeit erläutert. Der Mensch sollte selbst für die Langlebigkeit seiner Zähne sorgen und das regelmäßig, denn sonst sind sie weg oder müssen aufwendig künstlich ersetzt werden, falls noch möglich.

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