Editorial

Prof. Dr. Bernd Kriegesmann. Foto: Sven Lorenz

Wenn ich mir viele aktuelle Diskussionen von Elektromobilität über Enteignung von Unternehmen bis hin zu Brexit-Hängepartien vor Augen führe, entsteht bei mir mitunter der Eindruck, dass sich bei manchen Protagonisten die Flucht in ein „Second Life“ etabliert hat, in dem unter weitgehendem Ausschluss real wirksamer Zusammenhänge Forderungen platziert werden, von deren Konsequenzen man zumindest nie persönlich negativ betroffen ist und allenfalls individuell profitieren könnte. Aus meiner Sicht ist vor diesem Hintergrund zunehmend Wissenschaft gefordert, Position zu beziehen und Beiträge zur Versachlichung derartiger Debatten zu leisten, aber auch Orientierung zu schaffen für manche Entscheidungsträger, die selbst orientierungslos geworden zu sein scheinen. Dabei geht es nicht darum, dem Mainstream zu folgen, sondern im positiven Sinne anstößig zu sein, um auch neue Wege aufzuzeigen. Es geht nicht nur um die großen Themen, sondern auch um die vielen vermeintlichen Kleinigkeiten, mit denen wir uns mitunter auch einfach nur abgefunden haben. Ich würde mich freuen, wenn wir uns in diesem Sinne noch stärker in laufende Dialoge kritisch, aber konstruktiv einbringen würden.

Ihr Bernd Kriegesmann