7. Sinn schafft Vertrauen

Benjamin Krüger vom Institut für Internetsicherheit kombiniert Animation und Sprache zu Erklärfilmen über Entwicklungen in der Digitalisierung. Sie sollen bei kleinen und mittleren Unternehmen, Handwerksbetrieben, Behörden sowie privaten Nutzern Angst nehmen und durch Wissen für Vertrauen in die Digitalisierung sorgen. Foto: WH/BL

Mit Sicherheit hat der Mensch fünf Sinne: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten. Als sechster Sinn gilt der Instinkt. Der siebte Sinn soll noch darüber hinaus gehen. War aber auch als „Der 7. Sinn“ eine deutsche Fernseh-Informationssendung, die seit 1966 deutschen Verkehrsteilnehmern Verkehrssicherheit in bewegten Bildern nahelegte. Wikipedia bezeichnet sie als die „Mutter aller Verkehrserziehungssendungen“. Das Institut für Internetsicherheit der Westfälischen Hochschule knüpft an beides nahtlos an und produziert erklärende Internet-Videos zur virtuellen Welt der Digitalisierung: für kleine und mittlere Unternehmen, für Handwerksbetriebe, Behörden sowie private Nutzer. Das Projekt wird vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium über die Bezirksregierung Münster im Rahmen des Fördertopfes „Digitale Modellregionen“ bis Ende 2021 mit rund einer halben Million Euro gefördert.

(BL) Aber vielleicht ist der siebte Sinn ja auch die Vernunft? Benjamin Krüger (36) vom Institut für Internetsicherheit jedenfalls nutzt das Projektgeld vernünftig und produziert Erklärvideos zu virtuellen Themen der Digitalisierung. Damit hat er schon Erfahrung, denn schon seit einiger Zeit hat er Lernvideos zum Cyber-Schutzraum gemacht und der Öffentlichkeit auf Youtube bereitgestellt: www.youtube.com/channel/UCEMkHjW9dHcWfek_En3xhjg/videos. Während diese Videos noch mit vielen Realbildern und Interviews arbeiteten, will Krüger beim „7. Sinn der Digitalisierung“ ganz stark auf Trickfilme setzen: „Animierte Videos machen die schwierige Materie besonders anschaulich und lassen den digitalen Raum lebendig werden. Sie sind bei den Nutzern daher besonders beliebt.“ Seine Vorbilder sind – wie könnte es anders sein – die Sendung mit der Maus und die Kindernachrichten „logo“. Trotzdem für Erwachsene. „Als Zielgruppe sehe ich vor allem die über 40-Jährigen“, erläutert er sein Konzept, „ihnen will ich vieles, aber einfach und unterhaltsam erklären.“ Vor seinem inneren Auge sieht er dabei seine Familienangehörigen aus der Generation vor ihm.

Das Projekt „Der 7. Sinn der Digitalisierung“ gehört in die Initiative „Digitale Modellregionen“ des NRW-Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, das über 90 Millionen Euro dafür einsetzt, digitale Angebote für Bürger und Unternehmen zu entwickeln und auszubauen. Inhaltlich arbeitet die Westfälische Hochschule für ihren „7. Sinn“ mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Landeskriminalamt und der Verbraucherzentrale NRW zusammen. Weitere digitale Modellregionen sind neben Gelsenkirchen Aachen, Paderborn, Soest und Wuppertal. „Die Modellkommunen sollen“, so das Ministerium, „die systematische Digitalisierung der Bereiche ,Öffentliche Verwaltung – eGovernment‘ und ,Stadtentwicklung‘ mit den Sektoren Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung, Handel, Sicherheit, Tourismus und Lebensqualität vorantreiben. Dazu zählt von Beginn an die konzeptionell entwickelte branchen- beziehungsweise ressortübergreifende Vernetzung aller wichtigen Akteure. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung komplexer Pilotprojekte unter Einbeziehung aller geeigneter Best Practices und der Forschungspotenziale der Region.“

Sobald die ersten Videos fertig sind, will Krüger sie bei städtischen Angestellten als Projektpartnern testen, später werden erste Videos dann für alle freigeschaltet. „Das wird voraussichtlich im Sommer 2019 sein.“ Ab 2020 soll der Regelbetrieb laufen. Und vielleicht wird sogar eine Dauereinrichtung daraus, denn wissen kann man nie genug. Auch nicht über Digitalisierung und ihre aktuellen Entwicklungen. Das Wissen darüber zu verbreiten, ist für Benjamin Krüger Herausforderung und Mission zugleich, denn: „Wissen schafft Vertrauen“. Das klingt vernünftig. Vielleicht ist der siebte Sinn ja doch die Vernunft und keine übersinnliche Wahrnehmung.