Technik für kreative Teams

Das Projekt „futureWork“ der Westfälischen Hochschule erarbeitet drei Jahre lang Techniken zur Digitalisierung einer kreativen Arbeits- und Lebensgemeinschaft. Das Bild zeigt sowohl die konventionelle Arbeitsweise an einer Tafel als auch über Telebildschirme mit eingeblendeten Gesprächspartnern. Brillen zur realitätserweiternden Darstellung virtueller Gegenstände (rechts im Bild) lassen beispielsweise noch nicht verwirklichte Modelle scheinbar im Raum schweben, sodass sich Kreativteams viel anschaulicher über Inhalte austauschen und im Team arbeiten können. Von links nach rechts: Tim Dierks, Martha Janka, Franziska Rücker, Marvin Becker, Stanislaw Miller und Stephanie Arévalo von der Westfälischen Hochschule. Im Skype-Kanal: Prof. Dr. Jens Gerken. Foto/Montage: WH/BL

Kreative Arbeit kann im Team wachsen und auch wirtschaftlich erfolgreich werden. Das Projekt „futureWork“ unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Gerken will dazu neue digitale Techniken bereitstellen, die die Arbeit örtlich und überörtlich zusammenführen. Der Feldversuch startet mit der Stadt Gelsenkirchen im Halfmannshof in Gelsenkirchen-Ückendorf. Das Land NRW fördert das Projekt mit knapp einer Million Euro.

(BL) Seit einigen Jahren hat sich die 1931 gegründete Gelsenkirchener Künstlersiedlung Halfmannshof für neue Kunst- und Arbeitsformen geöffnet. Die Stadt Gelsenkirchen ermöglicht dort in einem Gebäudeteil Kreativen und Künstlern gemeinsam im Team zusammenzuarbeiten, zusammen Neues schaffen, was der einzelne Künstler allein nicht gefunden hätte, und sogar gemeinsam in einer Wohngemeinschaft zu leben als „Co-Working“-, „Co-Creation“- und „Co-Living“-Umgebung. Damit sie im Team auch gemeinsam digital arbeiten können und dadurch im Austausch auch mit überörtlichen Gruppen und Künstlern oder Kreativen arbeiten können, kommt unter dem Projektnamen „futureWork“ moderne, digitale Technik hinzu.

Projektleiter ist Prof. Dr. Jens Gerken von der Fachgruppe Informatik der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Ihm liegt daran, dass in dem Musterprojekt gezeigt wird, wie etwa traditionelle papierbasierte Kommunikationsformen in digitale Formen weiterentwickelt werden. Das geht über Nachrichtensysteme und Videokonferenzen weit hinaus. Gerken: „Wir wollen, dass sich neue Technologien nahtlos und möglichst unmerklich in die Arbeitsgemeinschaft aus kreativen Köpfen einfügen und die Zusammenarbeit und das Kreativergebnis stärken. Die Qualität vorhandener Methoden und Prozesse soll dabei erhalten bleiben.“ Also eine Evolution ins digitale Zeitalter, kein Bruch mit Bewährtem.

Die Macher von der Westfälischen Hochschule wollen modernste Technik etwa zur virtuellen Darstellung von noch nicht existierenden, neuen Werken oder Produkten nutzen. So können sich Teams durch digitale Technik zur virtuellen und erweiterten Realität viel anschaulicher über Inhalte austauschen als über Pläne gebeugt oder über Tafelskizzen. „Analoge und digitale Welt sollen sich bei uns ideal ergänzen“, so Jens Gerken.

Auf dem Halfmannshof entsteht dafür ein lebendiges Testlabor. Hier werden Prof. Dr. Jens Gerken und sein Team vorhandene kreative Arbeitsprozesse zunächst beobachten, um darauf aufbauend unterstützende Softwarelösungen zu entwickeln und schließlich unter den tatsächlichen Arbeits- und Lebensbedingungen am Halfmannshof zu testen.

„Durch diesen bedarfsorientierten Einsatz neuer Technologien schaffen wir vor Ort neue, werthaltige Angebote für Kreativschaffende“, erläutert Toni Reichert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am hochschuleigenen Institut für Innovationsforschung und -management, das ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist. Der Innovationsforscher untersucht, wie die entstehenden Technologien dazu beitragen können, nachhaltig tragfähige Geschäftsmodelle zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft zu etablieren. Im Rahmen der bisherigen Zusammenarbeit haben die am Halfmannshof vorhandenen Räumlichkeiten bereits ein neues Gesicht bekommen. Sie dienen zur Arbeit, aber auch zum Wohnen.

„Kreative Prozesse benötigen mehr als bloß offene Co-Working-Flächen“, weiß Christiana van Osenbrüggen von der Stadt Gelsenirchen, die als langjährige Projektkoordinatorin am Halfmannshof die Zielgruppe genau kennt. Gemeinsam mit ihr wurde ein Raumkonzept in einem Umfang von 365 Quadratmetern entwickelt, das den vielfältigen Anforderungen kreativer Teamarbeit gerecht wird. Für sie und Gerken entsteht damit ein „living lab“: Ein Ort, an dem Forscher und Kreative gemeinsam neue Wege der Zusammenarbeit erkunden. Dieses lebende Labor wird unter dem Eigennamen „Daig – das Co.Laboratorium“ künftig auch eigenständig im Web zu finden sein (www.daig.eu). Künstler und Kreative können sich dort auf einen Platz bewerben. Der Name Daig als Kunstwort ist dabei inspiriert durch das digitale Arbeiten im Grünen, welches auf dem Halfmannshof Realität werden soll. Das Grüne etwa kann nicht nur die Wiese im Halfmannshof, sondern genauso der virtuelle Raum sein. Oder einfach: im freien Raum und damit im freien Raum von Kreativität und künstlerischer Freiheit. Digitaler Anlaufpunkt zum Projekt „futureWork“ ist die Webseite der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Jens Gerken: https://hci.w-hs.de/research/futureWork.