Smart in die Verwaltung

Doppelt genäht hält besser: Die neue Bürger-ID soll per Smartphone immer zwei Merkmale übermitteln, mit denen der Bürger sich für Behördenvorgänge ausweist. Markus Hertlein vom beteiligten Unternehmen „XignSys“, einer Firmenausgründung der Westfälischen Hochschule, arbeitet an der Verwirklichung und will dem Bürger nach Möglichkeit verschiedene Ausweismethoden zur Auswahl bieten: Fingerabdruck, Gesichtserkennung, PIN, QR-Code, Iris-Erkennung…

Akzeptanz und Sicherheit soll eine neuartige „Smartphone-Bürger-ID“ bringen, die das Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule, das Start-up-Unternehmen „XignSys“ – eine Firmenausgründung der Westfälischen Hochschule – und die Stadt Gelsenkirchen in den nächsten drei Jahren gemeinsam entwickeln. Das Projekt wird aus Mitteln zur Förderung von digitalen Modellregionen des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert. Das gesamte Projektvolumen beträgt rund 4,6 Millionen Euro, von denen über drei Milionen an die Westfälische Hochschule gehen. Die Smartphone-Bürger-ID soll dem Bürger als Ausweis für Behördenvorgänge wie etwa das Bewohnerparken dienen.

Einkaufen, bezahlen, kommunizieren – acht von zehn Menschen in Deutschland nutzen laut aktuellen Erhebungen des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) ein Smartphone. Und das längst nicht nur zum Telefonieren, sondern zur Organisation des gesamten Alltags.

Und künftig auch für Behördengänge. Ein Gelsenkirchener Modellprojekt soll es möglich machen, dass auch der Austausch der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt bald einfach und rechtssicher übers Smartphone abgewickelt wird. Dafür wird in der „Digitalen Modellstadt Gelsenkirchen“ nun eine „Smartphone-Bürger-ID“ entwickelt. „In Zukunft sollen die Menschen ihr Smartphone wie einen Personalausweis im Kontakt mit ihrer Stadt nutzen können“, erklärt Markus Hertlein, Geschäftsführer des Gelsenkirchener High-Tech-Start-Ups "XignSys", eine Ausgründung der Westfälischen Hochschule, die das Projekt gemeinsam mit der Stadt Gelsenkirchen und dem Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule auf den Weg gebracht hat. Grundlage dafür ist das von „XignSys“ entwickelte Authentifizierungsverfahren „XignQR“. Die Bürgerinnen und Bürger können über dieses Verfahren künftig einfach und direkt in Kontakt zur ihrer Kommune treten und das ohne zusätzliche Hardware oder die mehrfache Eingabe von Passwörtern in verschiedenen Systemen. „Mit der Smartphone-Bürger-ID werden wir eines der größten Risiken im Internet, die Nutzung von Passwörtern, reduzieren“, so Prof. Norbert Pohlmann vom Institut für Internet-Sicherheit, „und mit Hilfe einer Multi-Faktor-Authentifikation und digitaler Signatur einen neuen Level von Vertrauenswürdigkeit erreichen.“ Schnittstellen der Smartphone-Bürger-ID zu bestehender Technik wie beispielsweise dem „Servicekonto.NRW“ sorgen zum einem für maximale Effizienz und optimale Nutzbarkeit, zum anderen wird die Smartphone-Bürger-ID dadurch zum Modell, das von anderen Kommunen übernommen werden kann – wie zum Beispiel von der Stadt Aachen, einem weiteren Kooperationspartner des Projekts.

„Was in Gelsenkirchen entwickelt wird, ist zukunftsweisend und hat Modellcharakter für andere Kommunen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland“, betont Dr. Thomas König, Leiter der Gruppe „Innovation, Zukunftsmärkte, Technologietransfer“ beim Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, das die „Smartphone-Bürger-ID“ aus Mitteln zur Förderung von digitalen Modellregionen finanziert. „Dieses besondere Merkmal war für das Ministerium eine zentrale Voraussetzung für die Förderung.“

Die Smartphone-Bürger-ID ist eine Grundlage dafür, dass die Menschen künftig viele Bürgerservices direkt, einfach und sicher über ihr Smartphone abwickeln können. „Die drei Jahre Projektlaufzeit für die Bürger-ID werden wir nutzen, um nun konkrete Anwendungsbeispiele zu entwickeln“, beschreibt Manfred vom Sondern, CDO (Chief Digital Officer) für die vernetzte Stadt Gelsenkirchen, die nächsten Schritte. Eines davon wird die Verknüpfung der Smartphone-Bürger-ID mit dem Bewohnerparken sein, viele weitere Lösungen sind denkbar. „Die Smartphone-Bürger-ID ist ein weiterer wichtiger Baustein für die vernetzte Stadt Gelsenkirchen. Die Menschen sind es heutzutage gewöhnt, ihre täglichen Geschäfte über das Smartphone abzuwickeln, und das mit möglichst wenigen Hürden. Künftig wird das auch im Kontakt mit ihrer Stadt so sein“, ist Manfred vom Sondern überzeugt. (Stadt Gelsenkirchen/Barbara Laaser)