Produktionsbegleitende Qualitätssicherung

Bio-processing Days 2019. Vorne von links nach rechts: Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann sowie Prof. Dr. Frank Eiden und Dr. Holger Müller vom Organisationskomitee. Foto: WH/BL

Die „Bio Processing Days 2019“ standen im Recklinghäuser Fachbereich für Ingenieur- und Naturwissenschaften unter dem Thema „Prozessintelligenz und PAT in der Biotechnologie“ (PAT = Process analytical technology). Dabei geht es darum, die Qualität von biologisch produzierten Stoffen nicht erst am Ende der Produktionskette, sondern schon während des Prozesses kontinuierlich zu prüfen und auf ein bestmögliches Ergebnis hin zu beeinflussen.

(BL) Biochemiker Dr. Jens Tränkle von Bayer verglich das mit dem Rezept seiner Mutter und dem, was ein Koch tut. Beim Rezept geht alles vorherbestimmt nach Liste. Der Koch hingegen hat ein Grundrezept im Kopf und verändert während des Kochens, was er an Zwischenergebnissen im Topf umrührt und probiert. Um in Bioprozessen kontinuierlich Prozess und Ergebnis beeinflussen zu können, braucht es Sonden, auch Sonden, die es noch gar nicht gibt. Der Kongress unter der Organisation von Prof. Dr. Frank Eiden und Dr. Holger Müller vom Partnerunternehmen „BlueSens“ war damit an vorderster Forschungsfront. Mit prozessbegleitenden Analysen, so Tränkle, sollten etwa Größen wie die Biolebendmasse oder die Lebendzelldichte bestimmbar sein. Neudeutsch, sprich Englisch, brachte er es auf den Punkt: „Bringing the lab to the process“. Nur so, so seine Meinung, kann der Produktionsverlauf nivelliert werden, anstatt bei diskontinuierlicher Probennahme und Offline-Analyse zu einer Zick-Zack-Kurve von Messung und Beeinflussung zu werden. Weitere wissenschaftliche Beiträge kamen von Vertretern der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, der Technischen Universität Wien und von Unternehmen wie BASF, Evonik und Sartorius.

Das Vortragsprogramm war aber nur die eine Hälfte der Bioprozesstage. Die andere Hälfte bestand aus zehn Workshops, in denen Workshop-Anbieter aus der Praxis Fragen ganz nahe an der Anwendung mit Interessenten diskutierten. Die Workshops liefen an allen drei Tagen des Kongresses gleichzeitig in einem gemeinsamen Zeitblock, sodass jeder zu so vielen Workshops gehen konnte wie er oder sie wollte.

Wie in den Vorjahren gab es ergänzend Poster von Studierenden und Forschern zu aktuellen Fragen der angewandten Bioprozesstechnik und einen studentischen Wettbewerb zu einem Bioprozess. Gewonnen hat ihn der Fünftsemester-Bachelor-Kurs „Industrielle Biotechnologie“. Wie auch in den Vorjahren ging es um die Produktion von Industriealkohol durch Mikroorganismen.