Blockchain: Datenbank der Zukunft

Prof. Norbert Pohlmann. Foto: WH/Jessica Mayer

Hellblaues Hemd, einfache Jeans und keine Krawatte – Professor Norbert Pohlmann sitzt ganz leger gekleidet in seinem Büro. Erfreut berichtet der Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit in diesem Interview mit Jessica Mayer von den neusten Entwicklungen der Blockchain-Technologie.

JM: Wie würden Sie einem „Laien” in kurzen Sätzen das Thema Blockchain anschaulich erklären?
NP: „Die Blockchain-Technologie ist eine verteilte Datenbank, in der Transaktionen manipulationssicher und zuverlässig gespeichert werden können. Also als Beispiel würde mir jetzt auf Anhieb der Bitcoin einfallen. Wenn dort eine Überweisung getätigt wird, wird der Vorgang chronologisch dokumentiert und bei allen Teilnehmern der Blockchain gespeichert. Anders als bei Whats-App-Chatverläufen oder Facebook-Chroniken kann der Inhalt und die Reihenfolge in der Blockchain nachträglich nicht verändert werden. Auch nicht vom Hersteller.“
 
JM: Was möchte das Projekt „Blockchain“ in der Zukunft für die Region Emscher-Lippe verändern?
NP: „Die Blockchain-Technologie stellt einen Vertrauensdienst dar. Wir versuchen damit, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen und den Austausch von Werten sicher und vertrauenswürdig zu gestalten. Die neuen Digitalprozesse in der Emscher-Lippe-Region können risikoärmer und damit zukunftssicher umgesetzt werden.“
 
JM: Wie weit ist die Blockchain-Technologie mittlerweile schon in der Emscher-Lippe-Region verbreitet?
NP: „Es gibt erste intensive Gespräche, die Blockchain-Technologie im Bereich der Überprüfbarkeit von Zeugnissen und Zertifikaten in der Emscher-Lippe-Region umzusetzen. Was viele nicht wissen: Zehn Prozent aller Zeugnisse werden nämlich gefälscht. Darum werden an der Westfälischen Hochschule Zeugnisse – in einem ersten Schritt in der Fachgruppe Informatik – nicht nur als Papier, sondern auch als PDF-Datei an die Absolventen verteilt.Eine digitale Signatur der PDF-Datei des Zeugnisses wird in einer Blockchain verstetigt. Die Arbeitgeber in der Region können dann die Zeugnisse mit Hilfe der Signatur in der Blockchain verifizieren. Zusätzlich sollen die Bürgerämter in der Region auch in der Lage sein, Beglaubigungen auf der Basis der Blockchain-Technologie umzusetzen.“
 
JM: Gibt es die Möglichkeit für Unternehmen, die Blockchain-Technologie in einer Laborsituation zu testen?
NP: „Ja, die Möglichkeit gibt es. Hier im Institut für Internet-Sicherheit können sich regionale Unternehmen aus der Industrie, die Interesse an einer individuellen Blockchain-Anwendung haben, informieren und die Technologie professionell testen.“

JM: Wie sieht der nächste geplante Schritt im Projekt „Blockchain“ aus?
NP: „Im Bereich der Self-Sovereign-Identity-Blockchain haben wir unsere ersten Erfahrungen gemacht und diese auch in Expertenworkshops im Bundeswirtschaftsministerium einbringen können. Es wird versucht, eine digitale Blockchain-Identität zu ermöglichen, die den normalen Personalausweis möglicherweise in der Zukunft ersetzen kann. Wir haben eine erste stabile Version einer eigenen Blockchain-Technologie entwickelt. Darauf aufbauend haben wir, wie bereits erwähnt, eine Zeugnis-Anwendung geschrieben, die jetzt mit einem Partner umgesetzt wird. Außerdem wollen wir uns jetzt auch in dem Bereich der Supply-Chain-Anwendungen engagieren, um hier eine automatisierte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen möglich zu machen. Momentan suchen wir weitere Firmen, die mit uns zusammenarbeiten und ihre Arbeitsprozesse automatisieren und damit vereinfachen wollen.“