Das Unsichtbare erdenken und nutzen

Projektleiter Prof. Dr. Frank Eiden

Seit Jahrhunderten feilen Menschen an Bioprozessen wie dem Bierbrauen. Prof. Dr. Frank Eiden, Bioprozessexperte an der Abteilung Recklinghausen der Westfälischen Hochschule, will den kontinuierlichen Verbesserungsprozess auf ein höheres Prozessmanagement-Niveau heben und nutzt dabei künstliche Computerintelligenz, die fehlende Prozessdaten virtuell ersetzt und nutzt. Foto: WH/BL

Die Westfälische Hochschule erhält vom Land Nordrhein-Westfalen eine knappe Viertelmillion Euro, um die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten, das nicht verfügbare Bioprozessdaten virtuell ermittelt und für die Verbesserung von Verfahren etwa in der Lebensmittelproduktion oder in der Umwelttechnik nutzt. Der Arbeitsname des Unternehmens: Virtual Sensors.

(BL) Um Prozessabläufe für Lebensmittel, Kosmetik oder in der Umwelttechnik zu verbessern, braucht es in der Regel viele Daten – Daten, die es oft nicht gibt. Ein Beispiel aus der Brauerei: Beim Bierbrauen werden üblicherweise nur einfache Temperatur- und Drucksensoren eingesetzt, die metrische Daten erheben. Wichtige, den Prozess steuernde und regelnde Größen wie etwa der Alkoholgehalt oder der bei der Gärung entstehende Kohlendioxidgehalt werden nicht gemessen, hier muss das Fingerspitzengefühl des Braumeisters reichen. „Das wollen wir auf ein höheres Prozessmanagement-Niveau heben“, so Prof. Dr. Frank Eiden, Projektkoordinator des geplanten Start-ups „Virtual Sensors“. Der Name ist Programm: Wenn keine Sensordaten verfügbar sind, sollen sie stattdessen mit der Erfahrung des Wissenschaftlers und mit künstlicher Computerintelligenz algorithmisch, aber eben nur virtuell „erdacht“ werden. Die geplante Firmengründung „Virtual Sensors“ wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung aus dem Förderprogramm „Start-up Transfer.NRW“ als Investition in Wachstum und Beschäftigung gefördert.