Raumluftreiniger gegen Corona

Prof. Dr. Christian Fieberg von der Lehreinheit „Umwelt- und Gebäudetechnik“ hat Auswahlkriterien für Raumluftreiniger gegen Corona-Viren zusammengestellt. Dazu hat er einige der Reiniger nicht nur theoretisch auf ihre technischen Eigenschaften untersucht, sondern mehrere Geräte auch im Labor. Foto: WH/BL

Rechtzeitig zu den Regierungsmaßnahmen Ende des Jahres, um die Corona-Infektionszahlen zu senken, veröffentlichte Gebäudetechnikprofessor Dr. Christian Fieberg einen Leitfaden als Auswahlhilfe für Raumluftreiniger. Da der Coronavirus stark über kleinste Schwebeteilchen in der Luft von Innenräumen übertragen wird, können Raumluftreiniger, so Fieberg, eine Möglichkeit sein, diese Schwebeteilchen – Aerosole genannt – aus der Raumluft zu entfernen.

(BL) Nicht nur in Schulen, sondern auch in Restaurants und Freizeiteinrichtungen oder im Privatbereich stellt sich auch nach dem Beginn der Corona-Schutzimpfung die Frage nach Corona-Hygienekonzepten. Prof. Dr. Christian Fiebergs Leitfaden dazu, welche Rolle dabei Raumluftreiniger spielen können, beschreibt die wichtigsten Eigenschaften der Geräte und hilft bei der Wahl des passenden Geräts. „Wichtig war mir“, so Fieberg, „dass auch gerade Laien Antworten auf ihre Fragen finden.“ Entsprechend allgemeinsprachlich beschreibt der Leitfaden die Funktion von Raumluftreinigern und welche Methoden es gibt, die Luft zu entkeimen.

Herkömmliche Filtermedien in Raumluftanlagen können durchaus Partikel, Schwebstoffe sowie Aerosole und damit auch Viren zum Teil aus der Raumluft aussortieren, allerdings ist dafür auf eine regelmäßige hygienische Inspektion und Wartung zu achten. Wichtig ist, Umluft zu vermeiden, um eine Konzentrationssteigerung von Viren zu verhindern. Spezialfilter (sogenannte HEPA-Filter, HEPA für „High Efficiency Particulate Air/Arrestance“) können die Filterrate bis über 99 Prozent erhöhen.

Spezielle Raumluftreiniger können noch mehr: Eine der Methoden, Sars-Cov-2-Viren unschädlich zu machen, ist ultraviolettes Licht, das die Virenzellhülle, aber auch etwa Bakterienhüllen beschädigt und so inaktiviert. Das Gas Ozon ist chemisch-physikalisch so reaktionsfreudig, dass es ebenfalls aggressiv auf Keime und Viren wirkt. Leider ist es ab einer gewissen Menge auch krebserregend, weswegen überschüssiges Ozon nicht in die Raumluft gelangen sollte, sondern von Aktivkohlefiltern eingefangen werden muss. Auch Wasserstoffperoxid kann helfen. Diesen Stoff kennen viele vom Friseur, wo er zum Blondieren von Haaren genutzt wird. Beim Zerstäuben von Wasserstoffperoxid entsteht Ozon: siehe oben. Hochspannung wirkt ähnlich. Sie ionisiert die Luft, sodass die aufgeladenen Luftmoleküle biogene Materialen angreifen und zerstören. Darüber hinaus gibt es Raumluftreiniger, die verschiedene Methoden kombinieren, um den Reinigungseffekt zu erhöhen.

Diese Hintergründe überführt Fieberg in ganz alltagstaugliche Empfehlungen für den Einsatz von Luftreinigern. Bei allen betrachteten Luftreinigern handelt es sich um mobile Geräte mit dem haushaltsüblichen Stromanschluss aus Schukostecker und 230 Volt. Ein Ventilator fördert die Luft hindurch, ein Vorfilter soll Staub und grobe Verunreinigungen aus der eigentlichen Keimreinigungseinheit halten.

So viel zur Wirkweise. Und: Alle genannten Methoden wirken. Der Käufer muss sich also entscheiden, da die Auswahl, so Prof. Dr. Christian Fieberg, stark davon abhängt, wie die zu reinigenden Räume aussehen und wie viele Menschen sich in ihnen befinden. Ein Klassenzimmer mit 30 Kindern stellt andere Anforderungen als ein großzügig gestalteter Ausstellungsraum in einem Museum oder ein verwinkeltes Restaurant.

Hier kommt nun etwas Mathematik ins Spiel, denn Fieberg verknüpft die Gerätewahl mit dem erforderlichen Luftwechsel in dem jeweiligen Raum. Daraus ergibt sich die Wahl des technisch richtigen Raumlufteinigers und wie viele Geräte man braucht. Zusätzlich muss noch beachtet werden, dass es im Betrieb je nach Raumnutzung nicht zu laut wird: 50 Dezibel erschweren die Konzentration, sind in Restaurants aber beispielsweise tolerabel.

Finanziell muss der Anwender sich noch um die Wartung und Reinigung der Geräte kümmern. Dafür, so Fieberg, seien etwa 100 bis 250 Euro pro Jahr anzusetzen. Eher gering, so Fieberg, seien dagegen die Stromkosten: „Der Stromverbrauch entspricht etwa dem Verbrauch von vier Leuchtstoffröhren, auch im Dauerbetrieb.“

Weitere Fachinformationen gibt es hier. über www.w-hs.de/erkunden/fachbereiche/maschinenbau-umwelt-gebaeudetechnik/umwelt-und-gebaeudetechnik/personen/prof-dr-christian-fieberg/neuigkeiten/.

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Corona und Klimatechnik

Die Ansteckung mit Corona erfolgt wie bei der normalen Virusgrippe über Tröpfcheninfektion und zusätzlich durch Aerosole. Daher ist die Hust- und Niesetikette von besonderer Bedeutung. Da sich die Viren in den Tröpfchen befinden, können sie mit ihnen weitergetragen werden. DieTröpfchen können bei geringer Luftbewegung je nach Größe lange in der Luft schweben, bevor sie zu Boden sinken oder an Oberflächen haften.