Weniger ist mehr in der Logistik

Vorher – nachher: Wenn das Programm Stockstop von Prof. Dr. Henrik Passinger alle Logistikdaten verrechnet hat, kann bei entsprechender Materialdisposition aus der oberen violetten Kurve die untere grüne werden: Weniger Nachbestellungsvorgänge, weniger Lagerbestand und damit geringere Logistikkosten. Foto: WH/BL

Neben seiner Lehrverpflichtung hat Ingenieurprofessor Dr. Henrik Passinger vom Wirtschaftsingenieurwesen in Recklinghausen in den letzten Jahren ein Computerprogramm entwickelt, das vor allem kleinen und mittleren Unternehmen in der Logistik helfen soll, Kosten zu senken durch eine bessere Disposition von Material. Der Name: „STOCKSTOP“.

(BL) Sein Programm sieht Prof. Dr. Henrik Passinger als Dienstleistung: „Mit Stockstop erfasse ich wie auf einem Prüfstand die mir von einem Unternehmen gelieferten Daten zu Materialvorrat, Verbrauchsmengen, Nachbestellungsfristen, Marktpreisen und anderen Plangrößen. Mit diesen Werten berechnet und simuliert Stockstop, wann und wieviel bestellt werden muss, sodass immer genug Material für die Produktion und damit zur Belieferung der Kunden vorhanden ist. So sollen die Logistikkosten für Beschaffung und Lagerhaltung möglichst niedrig gehalten werden.“ Je nach Produkt und Unternehmen geht es jedoch sehr bunt zu, sodass die entsprechenden Stellgrößen immer wieder anders und in anderer Kombination auftreten und für eine bestmögliche Lösung kombiniert werden müssen. Jedes Zuviel an Material auf Lager – seien es Rohstoffe, Zukaufteile, Halbzeuge, Baugruppen, Fertigpodukte oder anderes – bindet Kapital und frisst Geld, da Kapital, Lagerraum und Lagerverwaltung nicht umsonst sind. „Ziel der Unternehmen ist es, ihre Kunden immer beliefern zu können und gleichzeitig so wenig wie möglich für Beschaffung und Lagerhaltung bezahlen zu müssen. Vor allem Lagerposten, die zu früh oder in zu großer Menge bestellt wurden, dann nicht abfließen und schwer wie Blei im Lager liegen, sind ein teures Ärgernis“, erläutert Passinger, „erst recht, wenn sie dann auch noch teuer entsorgt werden müssen wie etwa Lebensmittel, wenn die  Haltbarkeitsfrist überschritten wird.“ Ist aber zu wenig Material auf Lager, können Kundenbestellungen nicht bedient werden und der Umsatz geht verloren. Außerdem suchen sich die Kunden dann andere Lieferanten, zurzeit vor allem im Internet, das mit seinen weltweit agierenden Verkaufsgiganten leichter disponieren kann.

Ein Programm wie Stockstop gibt es durchaus schon auf der Welt, sogar mit fertigen Schnittstellen zu den laufenden Produktionsgrößen. „Das lohnt sich aber nur für große Unternehmen“, kennt Passinger den Markt für solche Programme, „denn die dafür nötigen Computer-Schnittstellen sind aufwendig und müssen auch betreut werden, wofür kleine und mittlere Unternehmen keine Arbeitskraftkapazitäten haben.“ Es geht auch nicht für alle Produkte: Sehr teure und damit Einzelanfertigungen oder äußerst unregelmäßige Nachfrage lassen sich nur schwer abbilden: Die mathematischen und statistischen Berechnungen liefern dann zu grobe Bilder. Passinger sieht für sein Programm aber eine so große Menge von möglichen Unternehmensnutzern, dass er mit seiner Dienstleistung sicher bis zur Pension beschäftigt sein kann. „Mittelständische Produktions- und Handelsbetriebe sind die Kunden, die ich im Blick habe.“ Sie bekommen mit Stockstop einen vernünftigen Vorschlag, wann und wieviel bestellt und gefertigt werden soll. Mit einem nordrhein-westfälischen Hersteller von Elektronikbauteilen arbeitet er bereits zusammen und will mit Stockstop dessen Material-Disposition verschlanken. „Gerne weite ich das auf andere Unternehmen insbesondere in unserer Hochschulregion des nördlichen Ruhrgebiets aus.“ Kontakt: henrik.passinger@w-hs.de