Mit 100 Sachen unterwegs

Zum Halse heraus hängt nur die Zunge, aber nicht die Leidenschaft für seinen Rennradsport. Der JPR-Student Jon Knolle (19) startete im Oktober für die Westfälische Hochschule bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Bad Driburg. Foto: Klaus Hoffmann, Pic-Star

Jon Knolle (19), Student im Gelsenkirchener Studiengang Journalismus und Public Relations, trat im Oktober bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Bad Driburg mit dem Rennrad für die Westfälische Hochschule an. Der Unnaer Knolle legte im Wettkampf 147 Kilometer zurück.

(MV) Anfang Oktober fiel auf der Rennstrecke „Bilster Berg“ in Bad Driburg der Startschuss für die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rennradfahren der Männer. Die Frauen starteten bereits mittags. Bad Driburg hat rund 18.000 Einwohner und liegt im Kreis Höxter im Osten von Nordrhein-Westfalen in der Nähe des Eggegebirges im Naturpark Teutoburger Wald. Wer den Teutoburger Wald bereits kennt, der weiß auch, dass es dort alles andere als flach ist. Eine Runde auf der zu fahrenden Strecke war 4,2 Kilometer lang und ist eigentlich eine Rennstrecke für den Autosport. Eigentlich, denn die ausrichtende Hochschule, die Universität Paderborn, hat in Kooperation mit dem „Bund Deutscher Radfahrer“, dem „Bilster Berg Drive Resort“ und der „RG Paderborn 99“ die Strecke für den Radsport vorbereitet.

Sebastian Mailänder von der „RG Paderborn 99“ war selbst nicht mit am Start, ist aber einer der Organisatoren: „Die Strecke ist sehr reizvoll. Als Rennstrecke bietet sie den Radsportlerinnen und -sportlern ein ungewohntes Terrain mit perfekter Asphaltdecke, aber auch einem Anstieg mit 21-prozentiger Steigung und einer steilen Abfahrt.“ „Hier können die Rad-Profis im Idealfall Geschwindigkeiten um die hundert Stundenkilometer erreichen“, weiß auch Jon Knolle. Für den Sieg hat es zwar nicht ganz gereicht, aber trotzdem für einen guten 13. Platz. Insgesamt benötigte Knolle für die 147 Kilometer drei Stunden, 31 Minuten und 49,17 Sekunden und war damit nur rund 19 Sekunden langsamer als der Sieger Justin Wolf, der für die Hochschule Bochum angetreten war. „Lange Zeit war ich mit einem Dreierteam vorne unterwegs, aber das Gesamtfeld hatte uns kurz vor Ende eingeholt. Im Sprint war dann die Luft raus“, ärgert sich Jon Knolle immer noch ein wenig.

Knolle ist Sportler durch und durch. Im frühen Kindesalter stand für ihn der Fußball noch an erster Stelle. Mit zwölf Jahren fuhr er mit dem Rennrad im Verein. Nach und nach nahm er an lokalen Rennen teil. „Meine Eltern haben mich von Anfang an immer unterstützt und tun dies auch heute noch“, berichtet Knolle. „Denn wer im Radrennsport weiter kommen will, muss später auch weitere Strecken zu Wettkämpfen zurücklegen. Dabei ist der Rückhalt von der Familie sehr wichtig“, so Jon Knolle voller Stolz auf das Engagement seine Eltern. Später fuhr er dann bei den U15-Schülern, dann in der U17-Jugend-Mannschaft und kam schließlich zu den Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren. Radtraining gibt es für ihn fast jeden Tag. Neben viel Technik und der Freude am schnellen Fahren gab es auf der anderen Seite auch schon zahlreiche Stürze mit diversen Verletzungen. Trotzdem hat Jon Knolle den Spaß am Rennradfahren nicht verloren und „brennt“ für seinen Sport. Bei den U19 angekommen hat er durch einen Wechsel einen sehr guten Trainer aus Köln, erzählt Knolle. Zurzeit fährt er für das „Team Sauerland NRW“ in der untersten Profiliga. Highlights in seiner noch jungen Karriere waren ein vierter Platz bei den „Deutschen Bergmeisterschaften“ und ein sechster Platz bei den Deutschen Meisterschaften (beide 2016) sowie die Qualifikation für die Teilnahme im Jahr 2017 an einem Rennen durch Frankreich mit der Nationalmannschaft. Zuletzt fuhr Jon Knolle im Frühjahr die Mallorca-Challenge 2018. In einem kleinem deutschen Team hatte er dort die Gelegenheit, mit Profis des deutschen Radsports zu fahren. Knolle: „Dies war schon eine große Ehre.“ Dieses Jahr lief nicht ganz so rund: „Insgesamt sechs Stürze mussten viermal genäht werden – Gott sei Dank keine Brüche – und haben mir dadurch viele Rennen geraubt.“ Knolle kommt aus Unna – ein Unnaer eben. Und jetzt hat er erst einmal Winter-Wettkampfpause und konzentriert sich auf sein Studium.