Gleichberechtigt duschen in Bocholt

Im Januar noch in Arbeit war der neue Dusch- und Waschraum für Frauen an der Hochschulabteilung Bocholt. Links: Amy Schmitz, die als einzige weibliche Auszubildende der mechanischen Werkstatt in Bocholt schon mal einen Blick auf die Duschtasse wirft, die ihr bald zu Füßen liegen wird. Haustechnik-Mitarbeiter Heinz Hübers (r.) ist derweil noch mit Schraubarbeiten in dem Bereich beschäftigt, wo das Handwaschbecken angebracht werden wird. Foto: WH/BL

Weibliche und männliche Auszubildende dürfen nur dann dieselben Duschräume nutzen, wenn diese zeitlich getrennt voneinander genutzt werden. So sagt es die Arbeitsstättenverordnung. Als zum jetzigen Ausbildungsjahr der Bocholter Fachbereich Maschinenbau zum ersten Mal in seiner Geschichte eine weibliche Auszubildende zur Industriemechanikerin begrüßte, ging er aber über die zeitliche Trennung hinaus und trennte die Waschräume für Männer und Frauen auch räumlich. Bezahlt hat es die Gleichstellungskommission der Westfälischen Hochschule.

(BL) Der Bedarf deutete sich schon bei der Vorstellungsrunde für den Ausbildungsplatz zum Lehrjahr 2018/19 an, Ausbilder Olaf Schmeing vom Bocholter Fachbereich Maschinenbau: „Amy Schmitz war einfach die beste Bewerberin.“ Und das unter 30 Bewerbern, von denen 29 männlich waren. Amy Schmitz bekam die Ausbildungsstelle und der Fachbereich plante einen Wasch- und Duschraum für Frauen. Schmeing: „Das klingt jetzt sehr exklusiv, aber es war ohnehin an der Zeit, auch einen Wasch- und Duschraum für Frauen einzurichten, denn wir haben ja auch Studentinnen, die in der mechanischen Werkstatt für ihr Studium arbeiten und die freuen sich jetzt auch darüber, dass wir eine Frauendusche haben werden.“

Ganz fertig war sie Mitte Januar und damit ein halbes Jahr nach dem Ausbildungsbeginn für Amy Schmitz noch nicht, aber bereits in Arbeit. Finanziert hat den Waschraumbau die Gleichstellungskommission der Westfälischen Hochschule aus ihrem Etat.

Auch wenn Schmitz die einzige weibliche Auszubildende in der mechanischen Werkstatt ist, allein fühlt sie sich nicht, sondern gut eingebunden in den Kreis der Auszubildenden, auch wenn die anderen drei Auszubildenden Männer sind. Statistisch anzweifelbar erfüllt sie damit immerhin eine Quote von 25 Prozent. Da die Abteilung Bocholt jedes Jahr einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellt und die Ausbildung 3,5 Jahre dauert, sind es aber immer nur im Winterhalbjahr vier Auszubildende. Sobald im frühen Frühjahr die Prüfungen vorbei sind, sind es dann nur noch drei und Amy Schmitz‘ Quote steigt auf ein Drittel: eine Quote, an der die Hochschule bezogen auf die Professorinnen im Bocholter Fachbereich Maschinenbau noch arbeiten kann. Hier sind es zwei Professorinnen auf 22 Professuren. Die daraus resultierende Quote von neun Prozent wollen Statistiker für Zahlen unter 100 aber eigentlich auch nicht gelten lassen.