Gleichstellung: neuer Plan, neue Beauftragte

Die Westfälische Hochschule will die Gleichstellung von Mann und Frau fördern. Ende Januar erschien der dazu entworfene Gleichstellungsplan. Früher hieß er Frauenförderplan. Der neue Plan soll bis 2022 umgesetzt werden. Grafik l.: crowd-2045289, Grafik r.: janeb13 on Pixabay

Zu Anfang des Jahres ging es zum Thema Gleichstellung Schlag auf Schlag an der Westfälischen Hochschule: Zunächst legte die Hochschule ihre fächergruppenspezifischen Gleichstellungsquoten fest, dann erschienen der Bericht zur Umsetzung des letzten Frauenförderplans und der neue Gleichstellungsplan bis zum Jahr 2022. Außerdem wählte die Gleichstellungskommission mit Alina Zickmann eine neue Kandidatin für das Amt der Gleichstellungsbeauftragten, die inzwischen auch vom Präsidenten als solche ernannt wurde.

(BL) Wenn man ganz vorne anfängt, ist man beim Grundgesetz. Artikel 3, Absatz 2 fordert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Das Landesgleichstellungsgesetz NRW dient der Verwirklichung dieses Grundrechts und fördert die Gleichstellung von Frauen und Männern, um bestehende Benachteiligungen abzubauen. Ein Instrument dazu ist der Gleichstellungsplan, den sich Hochschulen geben müssen. Der jeweilige, zeitlich befristete Plan bilanziert die Situation der Beschäftigten- und Studierendenstruktur und entwickelt Maßnahmen zur Förderung von Gleichstellung, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zum Abbau von Unterrepräsentanz von Frauen.

Für eine stark technisch ausgerichtete Einrichtung wie die Westfälische Hochschule ist das eine besondere Herausforderung, denn in vielen technischen Bereichen, etwa der Elektrotechnik, sind Frauen als Mitarbeiterinnen und Studentinnen deutlich unterrepräsentiert. Der Frauenanteil bei den Professuren liegt über alle Fachbereiche und Standorte bei 18 Prozent. Das sei, so der Gleichstellungsplan, „für eine dominant technisch ausgerichtete Hochschule ein typisch niedriges Niveau“. Dennoch hat es die Westfälische Hochschule in den letzten Jahren seit 2011 geschafft, diesen Anteil von rund 15 auf 18 Prozent zu steigern. Wenn das so weitergeht, sind es bis zur gleichgestellten Hälfte theoretisch noch 64 Jahre. Aber das ist Zahlenspielerei ohne realistische Basis, weil der weiblich besetzte Anteil der Professuren in den Fachbereichen sehr unterschiedlich ist und das Mittel nicht die Herausforderung widerspiegelt, vor der beispielsweise die Gelsenkirchener Abteilung Elektrotechnik steht, die 2017 einen Professorinnenanteil von rund acht Prozent hatte.

Professorinnen zu berufen ist auch schwierig, wenn sich wenige Frauen auf eine Professur bewerben. Der Frauenanteil bei den Bewerbungen auf eine Professur kam in den letzten sechs Jahren in allen Lehrgebieten nie über ein Drittel hinaus, in den letzten zwei Jahren sank er sogar unter zehn, sowohl absolut als auch prozentual. Da fällt die Steigerung des Anteils von Professorinnen schwer, denn vor die Förderung von Professorinnen ist die Prüfung der Eignung gesetzt: „Grundsätzlich steht immer die Qualifikation im Vordergrund“, so Prof. Dr. Katrin Hansen, Vizepräsidentin für Lehre und in den neunziger Jahren selbst einmal Frauenbeauftragte der Hochschule. „Das Leistungsniveau muss gesichert sein. Erst im zweiten Schritt schauen wir auf die Quote.“

Die Westfälische Hochschule setzt daher auf fächerorientierte Gleichstellungsquoten, bei deren Erreichen sie von Chancengleichheit für Frauen und Männer ausgeht. Die Elektrotechnik soll daher einen Professorinnenanteil von zwölf Prozent erreichen. Bei den nicht rein technisch ausgerichteten Fachbereichen ist der Frauenanteil bei den Professuren durchgehend hoch. Die Wirtschaft soll sich aber dennoch von derzeit rund 30 auf 35 Prozent steigern. Das sind dann erreichbare Ziele auf dem Weg in eine chancengleiche und gleichstellende Zukunft.

Um Unterrepräsentanz von Frauen abzubauen, will die Westfälische Hochschule bei der Besetzung von Professuren darauf achten, dass in weiblich unterrepräsentierten Fächern mindestens ebenso viele Frauen wie Männer oder alle Bewerberinnen zum Vorstellungsgespräch einzuladen sind, wenn sie die geforderte Qualifikation für die Professur erfüllen. Bei der Besetzung der Berufungskommissionen soll geschlechterparitätisch gearbeitet werden. Außerdem „wirken die Gleichstellungsbeauftragten der Fachbereiche (…) bei der Durchführung von Berufungsverfahren an der Umsetzung des Gleichstellungsauftrages mit.“ Zusätzlich fordert der Gleichstellungsplan die Leitungspersonen aller Fachbereiche auf, sich bei der Suche nach geeigneten Kandidatinnen aktiv zu beteiligen, „da nur so, gerade in den technischen Disziplinen, genügend Bewerberinnen gefunden werden können.“

Auch der Frauenanteil bei den wissenschaftlichen Beschäftigten variiert zwischen den Fachbereichen ganz erheblich. Während die Ingenieur-Fachbereiche geringe Anteile von Frauen aufweisen, sind die Anteile in natur- und vor allem rechts- und wirtschaftswissenschaftlich ausgerichteten Fachbereichen höher. Der Anteil der Studentinnen an den Gesamtstudierenden konnte in den letzten Jahren seit 2011 von 28 auf 34 Prozent im letzten Zähljahr 2017 gesteigert werden. Wie bereits zu erwarten, variiert aber auch er über die Fachbereiche vom Spitzenreiter Wirtschaftsrecht mit 60 Prozent Studentinnen bis zum Schlusslicht des Fachbereichs „Maschinenbau und Facilities Management“ mit 22 Prozent Studentinnen.

In der Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen will der Gleichstellungsplan bei weiblicher Unterrepräsentanz weiterhin bei Stellenausschreibungen darauf hinweisen, dass Frauen bei der Einstellung bei gleicher Befähigung und Leistung bevorzugt eingestellt werden. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen die Attraktivität der Arbeitsplätze für Frauen steigern. Dabei konzentrieren sich die Maßnahmen insbesondere auf die Gestaltung der Arbeitszeit, Angebote zur Kinderbetreuung und die Möglichkeit von „Telearbeit“, etwa im „Home Office“. Da immer noch deutlich mehr Mütter als Väter die Aufgabe der Betreuung und Erziehung der eigenen Kinder übernehmen, machen ihnen solche Angebote das Berufsleben leichter.

Aus Gleichstellungssicht grünes Licht gibt es bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung. Hier besteht, so der Gleichstellungsplan, ein Anteil von Frauen, „der bei (mindestens) 50 Prozent liegt“. Blickt man auf die zentralen Hochschulgremien, so zeigt sich die Besetzung des Hochschulrats als vorbildlich: Er erfüllt den gesetzlich vorgegebenen Anteil von 40 Prozent Frauen. Der Senat schafft ein Verhältnis von einer Frau auf drei Männer, das Präsidium schafft es auf ein Verhältnis von eins zu vier.

Um den Frauenanteil unter den Studierenden zu steigern, will die Westfälische Hochschule Studiengänge so gestalten, dass sie für Frauen attraktiv sind. Das gilt etwa für technische Studiengänge, die Interessenfelder von Frauen aufgreifen. Die Bionik macht es vor: Biologie ist der Einstieg zu Technik und Maschinenbau. Schülerinnen sollen mit Angeboten wie dem „Girls‘ Day“ oder dem „Engineer for a day“ für ein Studium im MINT-Bereich von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik motiviert werden. Auch das Angebot des „dualen Studiums“ scheint für Frauen attraktiver zu sein als das Vollzeitstudium.

Und schließlich: Auch wörtlich will die Westfälische Hochschule durch gendersensible Sprache zeigen, dass sie Männer und Frauen gleich behandeln will. Formulare, Anträge und sonstige Texte sollen geschlechtsneutral formuliert werden, damit sich kein Geschlecht gegenüber einem anderen benachteiligt oder weniger gewollt fühlt.

Gleichstellungsplan 2019/Umsetzung Frauenförderplan
www.w-hs.de/fileadmin/public/dokumente/erkunden/Hochschulleitung/Amtsblaetter/AM_2019_Nr._3_vom_31-1-.pdf

Gleichstellungsquoten
www.w-hs.de/fileadmin/public/dokumente/erkunden/Hochschulleitung/Amtsblaetter/AM_2019_Nr._1_vom_10.01.2019.pdf