Auf die Mischung kommt es an

Ökotrophologin Marion Schüler von „medicos AufSchalke“ erläuterte an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, wie der Mensch zu einer ausgewogenen und damit gesunden Ernährung findet. Foto: WH/BL

Es gibt viele Ernährungsweisen: traditionelle Kost, vegetarisch, vegan, koscher, halal, Trennkost, gluten- und/oder laktosefrei und Spezialdiäten ohne Zahl. Ein Vortrag der internen Weiterbildung beleuchtete das Thema aus ernährungswissenschaftlicher Sicht und zielte auf „gesunde Ernährung“ insbesondere im Büroalltag ab.

(BL) Die knapp vierzig Interessierten – überwiegend Frauen – erwartete zunächst ein kleines Quiz. Marion Schüler, Ökotrophologin und Ernährungsberaterin von „medicos AufSchalke“, stellte in den Medien und der Öffentlichkeit viel diskutierte Fragen, um gleich mit ein paar Irrtümern aufzuräumen. Der Blick auf die Ernährung sollte nicht von Ernährungslegenden, sondern von wissenschaftlichen Erkenntnissen gesteuert werden. Also etwa der häufig zu hörende Rat, nach 18 Uhr nichts, auf keinen Fall aber noch Kartoffeln, Reis oder Nudeln zu essen, das mache schlank. Ist aber Quatsch, es kommt auf die Energiebilanz, nicht auf die Uhrzeit an. Oder: Margarine ist gesünder als Butter. Auch Quatsch. Oder: Kaffee entzieht dem Körper Wasser – inzwischen auch von der Wissenschaft erkannter Unsinn. Es gab noch ein paar mehr erleuchtende Antworten, etwa auf die Frage, ob Milch ein Getränk sei, Honig gesünder sei als Zucker und Tiefkühlgemüse empfehlenswert. Und dann die Wahrheit zum Übergewicht: Es mangelt vor allem an Bewegung.

Damit war klar: Das Wissen ist da, aber häufig fehlt die Anwendung des Wissens. Und die bedeutet: Der Mensch braucht zu einer gesunden Ernährung drei Dinge: Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett. Außerdem Vitamine und Mineralstoffe sowie Ballaststoffe als Verdauungshilfe. In der richtigen Mischung sorgen sie für körperliches Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit, das Vorbeugen von Krankheiten, die Verhinderung von Folgeschäden und führen oft sogar zu einer möglichen Reduktion von Dauermedikamenten, etwa gegen Bluthochdruck. Klingt einfach und erfolgversprechend, wird aber aufwendiger dadurch, dass die Mischung stimmen muss, um sich gesund, an den Energieverbrauch angepasst, sättigend und gleichzeitig abwechslungsreich sowie lecker, schnell und praktisch zu ernähren. Marion Schüler: „Es kommt auf die Mischung an.“

Schwieriger ist es allerdings, die eigene Mischung zu finden und sie als kontinuierliches Essverhalten zu etablieren. „Episodische Diäten verbessern das Essverhalten nicht, sondern führen nur zu frustrierenden Jo-Jo-Effekten“, so die Ökotrophologin. Dabei helfen kann die Ernährungspyramide. Sie besteht aus 22 Bausteinen, von denen allein sechs auf Getränke als Körperbaustein und als Lösungsmittel entfallen. Drei Tagesportionen gehen an Gemüse und Salat, zwei an die tägliche Ration Obst, vier an die Kohlenhydrate aus Brot, Getreide und anderen Beilagen wie Kartoffeln. Vier Einheiten sorgen für die Protein-Versorgung etwa aus Milch und Milchprodukten, Fisch, Fleisch, Wurst oder Eiern, zwei gehen an die (richtigen) Fette und Öle. Die Krone der Pyramide hat geometrisch korrekt nur einen Baustein. Er darf fürs Naschen genutzt werden, also für Süßes, fette Snacks oder für Alkohol. Jede Portion, so der alltagstaugliche Ratschlag, entspricht etwa der Menge, wie sie in eine Faust passt. Zwar haben Frauen in der Regel kleinere Hände als Männer, aber sie benötigen auch weniger Energiegehalt als Männer.  So entspricht es ihrem Stoffwechsel. Die Natur ist nicht genderneutral.

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