Eine Frage der Ehre

Prof. Bernd Mühlbauer wurde vom Senat der Westfälischen Hochschule aus dem Kreis der Professorinnen und Professoren zum neuen Ombudsmann gegen wissenschaftliches Fehlverhalten gewählt. Er ist Ansprech- und Vertrauensperson für alle Angehörigen der Hochschule. Beispielsweise, wenn jemand befürchtet, dass in Forschungs- oder Prüfungsarbeiten nicht alles wissenschaftlich korrekt gelaufen ist. Foto: WH/BL

Bereits seit 2002 hat die Westfälische Hochschule einen Forschungskodex als Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Seit Oktober hat sie dafür auch einen neuen Ombudsmann: Prof. Bernd Mühlbauer wurde vom Senat der Hochschule auf vier Jahre in dieses Ehrenamt gewählt.

(BL) Wissenschaftliches Fehlverhalten kann manchmal sehr schnell dazu führen, dass eine Person und mit ihr die zuständige Körperschaft in Verruf gerät. Die Westfälische Hochschule will dem vorbeugen und hat sich daher bereits vor vielen Jahren einen Forschungskodex  gegeben, der wissenschaftlich falschem Verhalten vorbeugen soll und klärt, wie mit wissenschaftlichem Fehlerverhalten umzugehen ist. Dabei sind „richtig“ und „falsch“ je nach Fach gar nicht so einfach zu unterscheiden. Prof. Bernd Mühlbauer hat sich bereits seit vielen Jahren mit dem Verhältnis von Wahrheit und Wissenschaft beschäftigt und leitet im Gelsenkirchener Fachbereich Wirtschaft Seminare, die sich – unter anderem auf der Basis der Schriften des Philosophen Immanuel Kant – mit ethisch richtiger Erkenntnis und ethisch begründbarem Verhalten beschäftigen. „Da es sich immer um die Erkenntnis von Menschen handelt, können wir Wahrheit nicht leicht erkennen. Der Mensch kann irren bei dem, was er für wirklich hält und er begründet sein Verhalten häufig nach eigenwilligen Maximen“, so Mühlbauer. Er fordert für das wissenschaftliche Arbeiten daher Methodentransparenz und die Offenheit des Forschenden, sich Diskussion und Kritik zu stellen: „So können wir gemeinsam um die Wahrheit und das richtige Verhalten im Begründungs- und Verwendungszusammenhang der Forschung ringen.“

Folgerichtig kann und will der Forschungskodex Forschungsarbeiten nicht auf Wahrheit überprüfen, sondern gibt Regeln für das Verhalten von Wissenschaftlern vor. „Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor“, so der Kodex, „wenn bei wissenschaftlichen Arbeiten bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, wenn geistiges Eigentum anderer verletzt wird oder wenn die Forschungstätigkeit anderer sabotiert wird.“ Wenn jemandem ein solches Verhalten auffällt, kann er sich an die Ombudsperson als Vertrauensperson wenden, Vertraulichkeit ist zugesichert. Die Ombudsperson wird dann prüfen, ob tatsächlich ein Fehlverhalten vorliegt und kann dazu auch geeignete Wissenschaftler hinzuziehen. Die Prüfung basiert auf Regeln, die ebenfalls im Forschungskodex stehen, etwa dass die Originaldaten von Forschungsprojekten, die veröffentlicht wurden, auf zehn Jahre sicher aufbewahrt werden müssen.

Kommt die Ombudsperson zu dem Schluss, dass wahrscheinlich ein Fehlverhalten vorliegt, geht es einen Schritt weiter: Ein Gremium aus geeigneten Fachwissenschaftlern, einer zum Richteramt befähigten Person, einem Präsidiumsmitglied sowie der Ombudsperson hat vier Wochen Zeit, um den verdächtigen Vorfall zu prüfen. Wird der Verdacht erhärtet, kann die Hochschule Sanktionen verhängen. Das reicht von einer Ermahnung über Auflagen zur Korrektur bis zum Rückzug der Publikation und zum Ausschluss von hochschulinternen Forschungsförderungsmaßnahmen.

Das ist keine leichte Aufgabe und Mühlbauer erwartet nicht, dass er sich als Omubsperson für wissenschaftlich richtiges Verhalten voraussichtlich nur Freunde machen wird. Trotzdem hat er die Funktion übernommen, weil er davon überzeugt ist, „dass das  Thema wichtig und sehr ernst ist. Wir müssen allen Forschenden, egal ob Studierende, Doktoranden oder Forscher mit Professur dabei helfen, sich wissenschaftlich richtig zu verhalten.“ Ganz wichtig sind ihm dabei die Studierenden und Doktoranden als Nachwuchsforscher: „Hier sind ja auch Ängste unterwegs, eine Prüfung nicht zu bestehen oder die angestrebte Profilierung nicht zu schaffen, wenn bei der eigenen Forschung nicht das herauskommt, was die Fragestellung erhoffte. Diese Angst will ich den Menschen nehmen, indem ich an die Stelle der Wahrheit das richtige Handeln setze.“

Für seine Aufgabe setzt Mühlbauer darauf, dass die Hochschulmitglieder erkennen, dass eine solche Aufgabe zwar eine zentrale Ansprechperson benötigt, ansonsten aber nur in der Zusammenarbeit gelingen kann: „Wir brauchen als Hochschule die Sensibilität und die Aufmerksamkeit aller am Forschungsprozess Beteiligten, um gemeinsam der Aufgabe gerecht zu werden. Das ist eine Frage der wissenschaftlichen Ehre unserer Hochschule.“

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Gute wissenschaftliche Praxis erfordert strenge Sorgfalt bei der Gewinnung und Auswahl von Daten, die eindeutige und nachvollziehbare Dokumentation aller wichtigen Ergebnisse sowie Offenheit für Kritik und Zweifel an den eigenen Ergebnissen. Die Westfälische Hochschule trifft Vorkehrungen, gute wissenschaftliche Praxis in ihrem Bereich sicherzustellen und mit Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens umzugehen, damit sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Alle in Lehre und Forschung Tätigen der Westfälischen Hochschule sind verpflichtet, diese Regeln in ihrer wissenschaftlichen Arbeit einzuhalten. Dies gilt auch für Doktoranden, Diplomanden und Studierende, nachdem sie am Beginn ihrer wissenschaftlichen Arbeit von dem sie betreuenden Wissenschaftler mit diesen Regeln vertraut gemacht wurden. (Vgl. Forschungskodex der Westfälischen Hochschule, zu finden unter www.w-hs.de/kooperieren/forschung-und-entwicklung/forschungskodex/)