Kein duales Studium mehr in Ahaus

Noch steht das Türschild der Westfälischen Hochschule in der Parallelstraße 34 in Ahaus. Doch die Aufgabe des Studienbetriebs in Ahaus ist beschlossen. Foto: WH/BL

Nach zehn Jahren dualem Studium in Ahaus beendet die Westfälische Hochschule den Studienbetrieb dort. Zum Wintersemester 2019/2020 werden letztmalig Studierende in den Studiengang Informatik/Softwaresysteme eingeschrieben. Das bedeutet, dass der Studienbetrieb in Ahaus mit Ablauf des Wintersemesters 2021/22 ausläuft, wenn die dann letzten dual Studierenden nach dem Ende ihrer betrieblichen Ausbildung für ihr weiteres Studium an den Standort Bocholt wechseln. Es sei denn, es nutzen so wenige die Möglichkeit sich im letzten Jahrgang einzuschreiben, dass sie gleich per Bus nach Bocholt fahren, dann endet der Studienbetrieb in Ahaus bereits jetzt.

(BL) Wie alles begann: 2008 beteiligte sich die Westfälische Hochschule am NRW-Landeswettbewerb zu Gründung und Ausbau von Fachhochschulen. Ihr Plan: ein Ausbaukonzept für alle drei Standorte Gelsenkirchen, Bocholt und Recklinghausen sowie gekoppelt an die Planungen für Bocholt die Gründung eines Studienortes in Ahaus. Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann: „Beantragt wurde ein Studienzentrum mit 20 Studienplätzen. In Ahaus, weil diese Stadt vergleichsweise weit entfernt von den nächsten Hochschulstandorten in Bocholt und Steinfurt liegt. Das Besondere war, dass in Ahaus das Studium als duales Studium organisiert werden sollte, also einer Kombination aus betrieblicher Berufsausbildung und Studium. Nach Abschluss der betrieblichen Ausbildung sollten die Ahauser Studierenden dann zum weiteren Studium nach Bocholt wechseln.“ Von dieser Studienorganisation versprach sich die Hochschulleitung damals, die Einstiegsschwelle zur Hochschule für Schüler und Schülerinnen der Region Ahaus niedriger zu legen, indem sie wohnortnah in den ersten Semestern noch ohne Umzug studieren können.

Für Ahaus erhielt die Westfälische Hochschule statt der beantragten 20 Studienplätze vom Start weg sogar 40. Diese Zahl konnte jedoch keiner der Jahrgänge bis heute erreichen. Von den drei Ahauser Studiengängen „Informatik.Softwaresysteme“, „Mechatronik“ und „Angewandte Elektrotechnik“ erreichte zwischenzeitlich nur die Informatik Anfängerzahlen in einem „niedrigen zweistelligen“ Bereich. In Mechatronik und Elektrotechnik gab es über Jahre hinweg kaum bis keine Nachfrage.

Wie fast immer hat nicht nur der Erfolg mehr als einen Vater oder eine Mutter, auch der Misserfolg in Ahaus kann mehrere Gründe haben: „Vom Modell des dualen Studium sind wir weiterhin überzeugt“, so Kriegesmann, „aber es setzt voraus, dass sich genügend Interessenten und genügend Ausbildungsbetriebe finden, die sich einbringen. Obwohl sich viele Akteure auch in der Region sehr engagiert haben, ist das nicht gelungen."

Am Ende beschloss die Hochschulleitung, die Reißleine für einen zehn Jahre währenden, nicht ausgelasteten Studienbetrieb in Ahaus zu ziehen: „Wir haben zehn Jahre versucht, den Studienort Ahaus zu aktivieren, aber wir müssen mit den uns zur Verfügung stehenden Steuermitteln für den Hochschulbetrieb verantwortungsvoll umgehen“, begründet Hochschulpräsident Kriegesmann den jetzigen Ausstieg.

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