Mathematik soll Leidenschaft sein, nicht Leiden schaffen

Mit dem 3-D-Drucker lässt Prof. Dr. Laura Anderle aus mathematischen Formeln konkrete Objekte entstehen. Hier ist es ein hyperbolisches Paraboloid, das der Formel f (x,y) = x2 - y2 folgt. Seit Kurzem lehrt Anderle in Gelsenkirchen „Mathematik in der Informatik“. Foto: WH/BL

Die Westfälische Hochschule hat Dr. Laura Anderle als Professorin für „Mathematik in der Informatik“ an die Hochschule in Gelsenkirchen berufen.

(BL) Wer sich als Erwachsener an die Kinder-TV-Serie Sesamstraße erinnert, kann es wahrscheinlich immer noch singen: wieso, weshalb, warum? Für Dr. Laura Anderle (32), soeben an die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen berufene Professorin für „Mathematik in der Informatik“ ist es der Leitsatz ihres Berufs: „Mathematik ist meine Leidenschaft, weil man immer nach dem Warum fragen darf und man auch immer eine Antwort bekommt.“ Mancher ihrer Studierenden wird das vielleicht erst noch als Leidenschaft entdecken müssen, denn Mathe ist bei den Informatikern nicht unbedingt das Lieblingsfach aller. Anderle: „Ihnen diese Leidenschaft zu vermitteln, ist mein Ziel. Und damit verbunden der Sinn der Mathematik in der Informatik, denn mit ihr kann man tolle Sachen programmieren.“ Etwa Programme, die den Energieverbrauch mindern. Oder Anwendungen, die aus Messwerten Simulationsprogramme machen. „Mit Mathematik findet man jeweils den besten Weg“, so Anderle. „Gerade in der Informatik muss man ständig die eigenen Ablaufprogramme – die Algorithmen – hinterfragen, ob sie funktionieren, wie sie funktionieren und ob man ihre Funktion noch verbessern kann.“ Ein wichtiges Nutzfeld ist dabei die „Datenwissenschaft“, die aus großen Datenmengen Wissen filtert, das den Menschen nützlich ist. Etwa zur Risikobewertung aus Gesundheitsdaten. „Wenn man über die nützliche Anwendung geht, finden die meisten auch einen Zugang zur dafür nötigen Mathematik“, so die Erfahrung von Anderle, die, bevor sie nach Gelsenkirchen kam, auch schon ein Semester an der Universität Witten-Herdecke gelehrt hat. Zuletzt war sie bei Evonik und hat sich mit Epidemiologie und Risikobewertungen von chemischen Stoffen beschäftigt.

Geboren und aufgewachsen ist Laura Anderle in Franken: in Nürnberg. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat sie einen Bachelor-Grad in Mathematik gemacht und den Master gleich hintendran gehängt, allerdings als deutsch-französischen Master-Grad, der sie für ein Jahr nach Rennes in der französischen Bretagne führte. Zurück in Deutschland zog sie zur Promotion nach Duisburg und machte ihren Doktorgrad an der Universität Duisburg-Essen zu einem Thema aus der geometrischen Analysis, das über die dritte Dimension unvorstellbar weit in den mathematischen Raum hinausreicht. „Eine unmittelbare Anwendung außerhalb der Mathematik hat das nicht. Aber die Methodik ähnelt sehr dem Verfahren, Vorgänge darauf zu prüfen, wie man in ihnen den Stoffverbrauch oder die Kosten minimiert“, erläutert die Professorin.

Ihrer Ansicht nach könnten es durchaus mehr Frauen in der Informatik sein, als sie tatsächlich trifft: „In der Informatik geht es viel darum, Menschen zu verbinden. Außerdem liefert sie wichtige Werkzeuge, um brennende Probleme dieser Welt zu lösen, sei es in der Gesundheitsversorgung, im Ressourcenverbrauch oder bei Umweltproblemen."

Ein „Gamer“ ist die neue Professorin nicht, auch wenn sie sieht, dass Computerspiele durchaus ein Türöffner in die Informatik sein können, etwa wenn Gamer ihre Rechner auch technisch selbst aufbauen und mit Servern und Grafikkarten jonglieren lernen. In ihrer Freizeit macht Laura Anderle lieber den Sprung von der mathematischen Theorie in die Praxis der Anwendung. Den Makerspace der Westfälischen Hochschule hat sie schon für sich entdeckt und will dort mit anderen Bastlern und Erfindern Ideen in die Wirklichkeit umsetzen.