Millionenfach bewährt

Auf diesem Foto macht Prof. Dr. Sebastian Schlösser-Kranzusch mit den Händen, was bei einem Automotor eine elektrische Hochlauf-Unterstützung für den sanften Motorenstart leistet. Läuft der Motor, schaltet sich die Vorrichtung von selbst wieder ab. Foto: WH/BL

Die Westfälische Hochschule hat Dr. Sebastian Schlösser-Kranzusch (45) als Professor für Mechatronik berufen. Bisher war er bei Volkswagen und dort zuletzt Leiter der Entwicklungsabteilung für elektrische Komponenten. In 15 Jahren bei Volkswagen war Schlösser-Kranzusch an der Entwicklung zahlreicher neuer Sensoren und Aktoren für den Automobilbau beteiligt. Der von ihm mitentwickelte Zylinderdrucksensor wurde millionenfach in Automobile eingebaut. Seit einem halben Jahr lehrt Schlösser-Kranzusch am Hochschulstandort Recklinghausen Mechatronik und hat erste Erfahrungen mit den Studierenden für Bachelor- und Mastergrade gesammelt, bevor zum jetzigen Wintersemester die Reform aller Bachelor- und Master-Studiengänge in der Lehreinheit für das Wirtschaftsingenieurwesen durchstartete.

(BL) Ursprünglich hat Prof. Dr. Sebastian Schlösser-Kranzusch in Göttingen Physik studiert und sich bei seiner Doktorarbeit damit beschäftigt, wie man mit laserinduzierten, extrem kurzwelligen Strahlen die immer kleiner werdenden Computerchips belichten kann. Sein Erfolgserlebnis dabei war, dass es nicht nur wissenschaftlich interessant und wissenserweiternd war, sondern so erfolgreich, dass die optische Industrie seine neu dafür entwickelte Kamera direkt in die Produktion übernahm. Möglicherweise hat Schlösser-Kranzusch an dieser Stelle zum ersten Mal den süßen Nektar der Industrietauglichkeit von Forschung geleckt, egal, sie sollte ihn nie wieder verlassen. 15 Jahre lang arbeitete er, nachdem er zunächst noch indus-trienahe Forschungsvorhaben an der Universität geleitet hatte, bei Volkswagen und arbeitete sich vom technischen Entwickler über verschiedene Karrierestufen bis zum Assistenten eines Bereichsleiters und schließlich zum Leiter der Entwicklungsabteilung für elektrische Komponenten empor: „Für mich war das ein Traumjob, da er Technik, Wirtschaftlichkeit, Führung und Verwaltung kombinierte.“ Aber er versuchte sich an der „AutoUni“ in Wolfsburg auch in der Lehre. Damit war die Weiche gestellt, sich als Professor an die Hochschulabteilung Recklinghausen der Westfälischen Hochschule berufen zu lassen. Sein Lehrgebiet: Mechatronik. Das ist die Kombination aus Mechanik und Elektronik sowie Informatik. „Und das“, so Professor Dr. Sebastian Schlösser-Kranzusch, „fordert von den Studierenden, immer einen Schritt weiter zu denken, denn diese Sachgebiete wollen vernetzt zusammengedacht und in sinnvolle Algorithmen gebracht werden, damit das elektronische Bauteil in der Industriepraxis mechanisch funktioniert und elektronisch gesteuert werden kann.“

Die ersten sechs Monate seiner Professur konnte Schlösser-Kranzusch noch in den bisherigen Mustern der Wirtschaftsingenieurstudiengänge in Recklinghausen lehren. Seit Beginn des jetzigen Wintersemesters ist er in das System der jetzt startenden reformierten Studiengänge eingestiegen. Der Fachbereich hat alle Studiengänge überarbeitet und bietet jetzt nicht mehr zwei, sondern gleich sechs Studiengänge aus dem Themenfeld von Autos, Verkehr, Transport und Logistik. „Der bisherige Bachelor- und der aufbauende Masterstudiengang haben eher generalistisch auf sehr viele Berufsfelder vorbereitet“, so Dekan Prof. Dr. Guido Mihatsch. „Jetzt trennen wir vom ersten Semester an in einen Studiengang, der sehr techniknah an der Nahtstelle von Entwicklungstechnik und Wirtschaft zum Ingenieurabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen führt, und zwei weitere Studiengänge, die näher an der Anwendung als der technischen Entwicklung sind.“ Hier wird Schlösser-Kranzusch vor allem tätig: „Die Studierenden sollen bei ihrem Abschluss gelernt haben, den Balanceakt zwischen technischer Faszination und wirtschaftlich vernünftigen Preisen zu meistern. Dann haben sie beste Chancen, in der Industrie erfolgreich zu sein.“

Hobbys hat er auch: Sport, Geschichte, aber vor allem Autos. Sowohl Oldtimer als auch Zukunftsvisionen wie das sich autonom steuernde Auto. Wer verfolgt, wie heftig über das fahrerische Können beim Einparken diskutiert wird, versteht, wenn Schlösser-Kranzusch sagt: „Das ist komplex und muss lange und intensiv durchdacht werden, bis es technisch auch wie von allein geht.“ Eins ist sicher: Langweilig wird es bei ihm bestimmt nicht.

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