Plakate bewerben Jubiläumsjahr

Die Westfälische Hochschule (WH) feiert ihr 25-jähriges Bestehen am Standort August-Schmidt-Ring. Aus diesem Anlass war ursprünglich ein dreitägiges Campusfest Ende Mai geplant, das aber aufgrund der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Um dennoch das Jubiläumsjahr zu würdigen, startete die Wirtschaftsförderung der Stadt Recklinghausen Anfang Mai gemeinsam mit der WH eine Plakatkampagne in der Stadt. Mit Abstand präsentierten Bürgermeister Christoph Tesche (vorne v.l.n.r) und Hochschulpräsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann gemeinsam mit Jörg Smolka, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung, (hinten v.l.n.r) und FDP-Fraktionschef Udo Schmidt eine kleine Version des Plakatmotivs. Die Kampagne war ab dem achten Mai an sechs Plakatwänden in Recklinghausen zu sehen. Foto: WH/MV

In diesem Jahr begeht die Westfälische Hochschule in Recklinghausen ihr 25-jähriges Jubiläum. In dieser Zeit haben rund 3.700 Studierende aus dem In- und Ausland erfolgreich einen Hochschulabschluss erworben. Eigentlich sollte das Jubiläum gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern und einem dreitägigen Campusfest gefeiert werden, das aber angesichts der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben werden musste. Aber, wie der Volksmund sagt: „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Um dennoch auf das Jubiläumsjahr hinzuweisen, starteten die Wirtschaftsförderung der Stadt Recklinghausen und die Westfälische Hochschule Anfang Mai eine Plakatkampagne in der Stadt.

(MV) Wer an Recklinghausen denkt, dem fallen zunächst sicher die Ruhrfestspiele oder die Veranstaltung „Recklinghausen leuchtet“ ein. Das Recklinghausen Hochschulstadt ist und das bereits seit einem Vierteljahrhundert, scheint vielen gar nicht so bewusst zu sein. Was im September 1995 mit 65-Pionier-Studierenden begann, hat sich – dank eines hochspezifischen Studienangebotes – bis heute zu einem spannenden Campusleben mit rund 2.200 Studierenden in den modernen Hochschulgebäuden am August-Schmidt-Ring entwickelt. In das Wintersemester 2019/2020 starteten 590 Erstsemester. Sieben Bachelor-Studiengänge – Chemie, Molekulare Biologie, Mobilität und Logistik, Unternehmenslogistik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsrecht, International Business Law and Business Management – und sechs darauf aufbauende Master-Studiengänge bietet die Westfälische Hochschule in Recklinghausen inzwischen an. Dafür kommen Studierende mittlerweile nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt.

Kooperation von regionaler Wirtschaft und der Hochschule

Seit 1999 finden regelmäßig Hochschulgespräche im Rahmen der Kooperation zwischen der Westfälischen Hochschule und der Wirtschaftsförderung Recklinghausen (in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Herten) statt. Ziel dieser Veranstaltungsreihe ist es, Wirtschaft und Hochschule zusammenzubringen, um aktuelle wirtschaftsrelevante Themen zu diskutieren. Beim letzten Recklinghäuser Hochschulgespräch stand das Thema „Kampf um Talente - der Fachkräftemangel stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen“ im Fokus. Mit dem „Branchentreff Biotechnologie“ startete in Recklinghausen 2011 eine Veranstaltungsreihe an der Westfälischen Hochschule, die inzwischen „Bioprocessing Days“ heißt und immer internationaler wurde. Unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Eiden geht es um nachhaltige Technologien, die mit hilfreichen Mikroorganismen dafür sorgen, dass beispielsweise weniger Chemieabfälle im Produktionsprozess anfallen und immer mehr biologische Prozesse chemische Prozesse auf Erdölbasis ersetzen können. Ein enger regionaler Kooperationspartner ist die Hertener Firma „BlueSens“, die unter anderem Gas-Analysatoren entwickelt. Dies ist nur ein Beispiel von vielen für ein gewachsenes Miteinander der Hochschule mit zahlreichen regionalen klein- und mittelständischen Unternehmen.

Aus Vietnam zum Studium nach Recklinghausen

Wenn die Siemens AG Mobility heute Teile für die Produktion des Intercity-Express (ICE) einkauft, dann nutzt sie dafür ein Software-Tool made in Recklinghausen, als „Master“-Stück der Vietnamesin Trang Nguyen. „Ich hatte schon in meinem Heimatland den Wunsch, einmal Einkäuferin bei einem großen Unternehmen zu werden. Und ich wollte dafür nach Deutschland, um Logistikmanagement zu studieren.“ Ihre Suche führte die entschlossene junge Frau geradewegs nach Recklinghausen zum Studium bei Dr. Joachim Schulte, Professor für Logistikmanagement, insbesondere Beschaffung und Distribution. Schnell wurde Trang Nguyen studentische Hilfskraft, erhielt vier Jahre lang ein Deutschland-Stipendium und krönte ihre akademische Laufbahn schließlich als Studiengangsbeste 2017. Seitdem ist sie privat in der Region heimisch und als Fachkraft der hiesigen Wirtschaft treu geblieben – nur ein positives Beispiel von vielen.

Regionales Karrieresprungbrett in die Welt

Aber auch für die Region ist Recklinghausen eine beliebte Hochschulstadt geworden. Für die Halternerin Hannah Voß beispielsweise war der überaus seltene Studiengang „Molekulare Biologie“ in der Nachbarstadt ein Glücksfall. Voß machte sowohl ihren Bachelor- als auch den Masterabschluss am Campus Recklinghausen mit dem Schwerpunkt auf Biomedizin und Biochemie. Für ihr hervorragendes Studium und ihre Masterarbeit, in der sie wichtige spezielle Tumormarker für im Kindesalter auftretende Tumore ermittelte, erhielt sie als Jahrgangsbeste nicht nur einen Studienpreis, sondern zusätzlich den Peter-Borggraefe-Standortpreis Recklinghausen des Jahres 2019. „Mein Interesse für die Naturwissenschaft wurde in der Oberstufe geweckt,“, berichtete Voß der Halterner-Zeitung in einem Interview. „Meine Bachelor- und Masterarbeit habe ich parallel am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Institut für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin durchgeführt." Und auch danach wollte man in der Metropole nicht auf die Recklinghäuser Absolventin verzichten: Hannah Voß arbeitet dort zurzeit an ihrer Doktorarbeit.

 

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Ein Vierteljahrhundert in der Stadt zu Hause

Die offizielle Eröffnung der Hochschulabteilung Recklinghausen fand am neunten Oktober 1995 im Beisein der damaligen Wissenschaftsministerin Anke Brunn statt, repräsentativ im Ratssaal der Stadt Recklinghausen. Der Lehrbetrieb startete weniger opulent zunächst in angemieteten Räumen des Löhrhof-Zentrums am Kaiserwall, heute das Einkaufszentrum „Palais Vest“. Seit vielen Jahren ist die Hochschule in ihrem modernen Domizil auf dem Recklinghäuser Fritzberg zu Hause.

Am 14. April 2020 feierte zudem Peter Borggraefe seinen 80. Geburtstag. Als ehemaliger Bürgermeister und Stadtdirektor von Recklinghausen hat Borggraefe entscheidend zur Errichtung des Hochschulstandorts Recklinghausen als Abteilung der Westfälischen Hochschule beigetragen. Der jährlich verliehene Standortpreis der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen für eine besonders herausragende Abschlussarbeit wurde als Ehrung nach ihm benannt.