Schweißen in Frauenhand

Die Westfälische Hochschule hat Ghazal Moeini auf eine Professur für Werkstoff- und Fügetechnik im Gelsenkirchener Fachbereich Maschinenbau, Umwelt- und Gebäudetechnik berufen. Dass sie bei der Schweißtechnik häufig einzige Frau unter Männern ist, sieht sie als Herausforderung und sich als Vorreiterin für mehr Frauen im Maschinenbau. Foto: WH/BL

Die Westfälische Hochschule hat die 31-jährige Ghazal Moeini auf eine Professur für Werkstoff- und Fügetechnik im Gelsenkirchener Fachbereich Maschinenbau, Umwelt- und Gebäudetechnik berufen. Dass sie bei der Schweißtechnik häufig einzige Frau unter Männern war, schreckt sie nicht. Sie sieht es als Herausforderung, ein Vorbild für weitere Frauen im Maschinenbau zu sein.

(BL) Ghazal Moeini (31) kam 2014 nach dem Masterstudium in Teheran als Ingenieur-Doktorandin an die Bauhaus-Universität Weimar. Zufällig pflegt Weimar freundschaftliche Beziehungen zu Moeinis Heimatstadt Shiraz erinnernd an die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Hafis, dem Goethe im west-östlichen Divan ein Gedicht widmete. Mit Versen hatte ihre Doktorarbeit aber nichts zu tun, ihr Thema war die Simulation von Schweißverbindungen. Dass die Fügetechnik ihr Spezialgebiet wurde, geht zurück auf ihr Bachelor-Studium in Schiffsbau, in dessen Rahmen sie einen Stuhl verschweißen musste, der eine Festigkeitsprüfung durch ihren betreuenden Professor überstehen sollte. Hat er. Aus dieser ersten Begegnung mit praktischer Arbeit im Maschinenbau entwickelte sich ein Werdegang, der Moeini nach der Doktorarbeit zunächst als Geschäftsführerin eines Forschungsverbundprojekts an die Universität Kassel führte und von dort als Professorin nach Gelsenkirchen. „An der Fachhochschule fühle ich mich angekommen“, erzählt Ghazal Moeini, „denn die praxisbezogene Arbeit als Fachhochschulprofessorin ist für mich spannender als eine Managementaufgabe in Projekten.“ Diese Erfahrung hatte sie bereits gemacht, als sie nebenberuflich in Kassel einen Lehrgang zur Schweißfachingenieurin machte, wie meist allein unter Männern. Moeini: „Am Anfang musste ich mir den Respekt der Männer verschaffen, indem ich zeigte, dass ich mindestens genauso viel weiß und es genauso gut kann wie sie.“ Die Westfälische Hochschule zeigt durch ihre Berufung, dass sie davon überzeugt ist, dass Ghazal Moeini ihren Weg als Professorin und Forscherin im Maschinenbau gehen wird, zumal der Maschinenbau hier schon lange keine reine Männerdomäne mehr ist.

Dass Ghazal Moeini ihr erstes Semester an der Westfälischen Hochschule wegen der Corona-Epidemie als Online-Semester starten muss, ist für die Praktikerin ein kleiner Wermutstropfen, der aber sicherlich schnell vergessen sein wird, wenn alle wieder an die Hochschule zurückkehren können und damit auch die Maschinenbaustudierenden mit ihr gemeinsam im Praktikum zum Schweißgerät greifen, um Bauteile zusammenzufügen.

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