Aus der Praxis lernen

Die Westfälische Hochschule hat Dr. Vera Vetrov als Professorin in den Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften am Hochschulstandort Recklinghausen berufen. Sie lehrt dort seit Anfang März das Fachgebiet „Technische Mechanik und Konstruktion“. Foto: WH/MV

Die Westfälische Hochschule hat Dr. Vera Vetrov als Professorin für das Lehrgebiet „Technische Mechanik und Konstruktion“ an den Hochschulstandort Recklinghausen berufen.

(MV) Im März startete Dr. Vera Vetrov (39) als neue Professorin für das Lehrgebiet „Technische Mechanik und Konstruktion“ am Campus der Westfälischen Hochschule im Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften in Recklinghausen. Vetrov selbst sieht sich als „Ruhrgebietskind“ und sehr heimatverbunden. In Gladbeck aufgewachsen und zur Schule gegangen wohnt sie nun auch wieder in der Stadt, die zum Kreis Recklinghausen gehört. So fährt sie berufsbedingt an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen vorbei, um bald, nach kurzer Distanz wieder im Kreis Recklinghausen anzukommen und ihr Fachwissen an die Studierenden zu vermitteln. Dass dies coronabedingt momentan „auf Distanz“ passieren muss, bedauert Prof. Dr. Vera Vetrov sehr. Gerne hätte sie die Studierenden in Echtzeit unmittelbar vor sich im Hörsaal.

Die „Echtzeit“ ist dabei ein Teil des Wissens, das sie den Studierenden in der technischen Mechanik und der Konstruktion vermittelt und zwar in Form der „Echtzeitsimulation“. „Die Echtzeitsimulation wird zukünftig immer mehr ein teures Prototyping − die Fertigung von Versuchsmodellen – ersetzen können“, erläutert Vetrov. Durch softwaregestützte Simulationen ließen sich mittlerweile viele Bauteile in der Produktentwicklung unmittelbar prüfen, beurteilen und verbessern. Durch sogenannte Substrukturmethoden könnten komplexe Sachverhalte nachgebildet und simuliert werden. Dies sind beispielweise schwingungsanfällige Teile in einem Automobil bis hin zu den Rotoren einer Kraftwerksturbine, an denen Vetrov zuletzt arbeitete. Mit ihrem „alten“ Arbeitgeber ist Prof. Dr. Vera Vetrov immer noch in Kontakt, was auch ihren Studierenden zugutekommt − etwa um durch Firmenbesuche und Abschlussarbeiten Praxiserfahrungen zu sammeln, wenn dies wieder möglich ist. Bis dahin will Vetrov die Lehre möglichst spannend und abwechslungsreich gestalten, denn sie ist sich bewusst, dass die „technische Mechanik ein sehr trockenes Fachgebiet“ ist. „Ingenieurinnen und Ingenieure aller Fachrichtungen müssen heutzutage computergestützt rechnen können. Und wenn man einmal verstanden hat, wie es funktioniert, stehen beruflich alle Türen offen“, ist sich Vetrov sicher.

In ihren Vorlesungen vermittelt Vetrov neben ihrer eigenen Praxiserfahrung auch Wissen anschaulich durch Lehrvideos und dies sogar in ihrem Hochschul-Mechanik-Labor, damit ihre Studierenden „nicht nur Formeln sehen, sondern direkt ihre Anwendung verstehen“, wie sie sagt. Neben der Echtzeitsimulation lernen sie, wie man statische und dynamische Festigkeitsnachweise berechnet und so ein Bauteil im Hinblick auf seine Lebensdauer dimensioniert. So vorbereitet wissen die angehenden Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure punktgenau „nach fest kommt ab“.

Was die Welt angehe, sei sie gesättigt: Bei beruflichen Aufenthalten in Japan, China, Australien und Amerika habe sie viel gesehen und zahlreiche und interessante Erfahrungen sammeln können, freue sich aber, wieder hier in „ihrer Heimat“ zu sein.