Wie wir die Corona-Krise stemmen

Abstand zu halten ist eine der wichtigsten Regeln, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen. Bild: Pixabay

Trikon wirft einen Blick darauf, wie die Westfälische Hochschule durch die Corona-Epidemie kommt. Folge 2: Ende April bis Ende Juni.

(BL) Öffentliche Gremiensitzungen wie die Sitzungen des Senats, der Fachbereichsräte oder die Hochschulwahlversammlung dürfen bis Anfang Mai nicht in der Präsenzform stattfinden. Sie müssen auf elektronische Kommunikationsformen ausweichen. Veranstaltungen abseits des Lehrbetriebs, die zunächst bis Ende April ausgesetzt waren, dürfen auch bis Ende Mai nicht stattfinden. Dazu gehört etwa der „Karrieretag“, der ursprünglich für den 13. Mai geplant war. Das gilt auch für alle weiteren Informationsveranstaltungen, Fachtagungen, Feste, kulturelle Veranstaltungen sowie Veranstaltungen von externen Veranstaltern.

Maskenpflicht
Ab dem 27. April galt in Nordhrein-Westfalen: In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht. Das gilt auch für die Westfälische Hochschule immer dann, wenn die vorgesehenen Schutzabstände nicht eingehalten werden können beispielsweise infolge von Publikumsverkehr oder weil die Arbeitsplätze nicht auf 1,5 Meter Abstand eingerichtet werden können. Die Arbeitssicherheitsabteilung der Westfälischen Hochschule empfiehlt, Arbeitsprozesse und Arbeitszeiten so zu organisieren, dass ausreichende Schutzabstände zu gewährleisten sind. Dort, wo erfahrungsgemäß Personenansammlungen entstehen können – etwa in Warteschlangen – werden Schutzabstände markiert.

Die Reinigungsintervalle von Türklinken, Handläufen und vergleichbaren Oberflächen werden verdichtet. Arbeitsmittel und Werkzeuge sollen nach Möglichkeit immer nur von einer Person benutzt werden.

Wenn‘s passiert
Personen mit erkennbaren Corona-Symptomen werden gebeten, sich ärztlich beraten zu lassen und den Arbeitsplatz nicht aufzusuchen. Im Zweifel kann jeder Beschäftigte an den Pforten messen lassen, ob er Fieber hat. Bei Infektionsverdacht sollen sich die Beschäftigten bei ihrem/r Vorgesetzten melden, damit Kontaktketten ermittelt werden können. Außerdem gibt es regelmäßige telefonische Sprechstunden mit der Betriebsärztin der Westfälischen Hochschule.

Studienberatung online
Normalerweise informiert die „Zentrale Studienberatung“ der Westfälischen Hochschule Schülerinnen und Schüler in den Abschlussjahren vor der Fach- oder allgemeinen Hochschulreife in Orientierungsworkshops an allen Standorten der Hochschule über Grundbegriffe des Studiums und über bundesweite Studienmöglichkeiten. Doch in diesem Jahr ist nichts normal, wegen Corona. Der Orientierungsworkshop findet daher im Internet statt und ist für jeden Studieninteressierten ohne spezielle Software, nur mit Internetverbindung und Browser zugänglich. Nachdem die ersten beiden Webinare für Schülerinnen und Schüler Ende April schnell ausgebucht waren, setzt die zentrale Studienberatung weitere Termine im Mai an und plant bei Bedarf weitere Wiederholungen.Dasselbe Schicksal trifft die Hochschulinformationsnachmittage (HIN) und den landesweiten „langen Abend der Studienberatung“. Statt in der Hochschule finden sie im Netz statt.

Erste Lockerungen
Mit dem Maistart werden Gremiensitzungen wie die Senatssitzungen wieder möglich, wenn geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zu den notwendigen Personenabständen getroffen werden. Die Bibliotheken, die bis zum zehnten Mai geschlossen waren, dürfen ab dem elften wieder öffnen. Allerdings nur unter strengen Auflagen und in beschränktem Umfang. Es gibt Aushänge mit Hinweisen zu den erforderlichen Hygienemaßnahmen, die Besucherzahl wird beschränkt, zwischen Lese- und Arbeitsplätzen müssen zwei Meter Mindestabstand eingehalten werden. Eine Besonderheit: Ausnahmsweise können bis zu fünf Präsenzexemplare für sieben Tage ausgeliehen werden. So soll auch die Aufenthaltsdauer in der Bibliothek so kurz wie möglich gehalten werden. Die Ausnahme gilt allerdings nicht für Zeitschriften und Lose-Blatt-Sammlungen.

Keine Änderungen ergeben sich zunächst bei der Kinderbetreuung. Da Kindertagesstätten und Schulen nur nach und nach und unterschiedlich für bestimmte Zielgruppen wieder nutzbar werden, gibt das Präsidium denjenigen an der Westfälischen Hochschule, die eine Aufsichtspflicht für Kinder unter 14 haben, die Möglichkeit, auch weiterhin zunächst von zu Hause aus zu arbeiten. Auch der Schichtbetrieb, der in vielen Organisationseinheiten dafür sorgt, dass weniger Kontakte zwischen Menschen entstehen, wird bis dann verlängert. Trotzdem zeigt sich das Präsidium optimistisch: „Aktuell gehen wird davon aus, dass wir schrittweise wieder in den Normalbetrieb übergehen“, so das Präsidium am 30. April.

Am achten Mai wurde es amtlich. Die Westfälische Hochschule erlässt aufgrund der Befugnisse, die ihr die Corona-Epidemie-Hochschulverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen verleiht, eine „Corona“-Hochschul-Ordnung. Mit ihr sollen den besonderen Herausforderungen für Lehre und Studium begegnet werden. Die in Abstimmung mit den Fachbereichsdekanen erarbeitete Ordnung will da regulierend eingreifen, wo es darum geht, durch die Epidemie bedingte Nachteile auszugleichen und Lösungen vor allem für die Studierenden zu ermöglichen. Die Corona-Ordnung gilt von Mitte April bis Ende März des kommenden Jahres und durchbricht dort, wo nötig, die studiengangsorientierten Prüfungsordnungen. Es geht darum, den rechtlichen Rahmen der Prüfungsordnungen so zu gestalten, dass pandemiebedingte Nachteile bei Lehrveranstaltungen und Prüfungsleistungen, Auslands- und Praxissemester sowie berufspraktischen Studienphasen nach Möglichkeit ausgeglichen werden. Den kommenden Studienstartern ermöglicht die Westfälische Hochschule damit, dass für den Studienstart erforderliche (Vor-)Praktika ein Jahr geschoben werden können. Für viele Schulabgänger hätte es sonst ein Problem werden können, derzeit die entsprechenden Praktikumsplätze in der Wirtschaft zu finden. Die Regelstudienzeit wird auch für beurlaubte Studierende individuell um ein Semester erhöht.

Prüfungen ab Juni
Seit dem zweiten Juni sind wieder Lehr- und Praxisveranstaltungen in der Hochschule möglich, allerdings nur, „wenn die Nutzung von Laboren beziehungsweise besonderen Ausstattungen zwingend erforderlich sind“.  Dazu gehören etwa Rechnerräume, in denen auf spezielle Software zugegriffen werden kann und die nicht übers Internet verfügbar gemacht werden kann. Die Details werden von den Fachbereichen geplant und festgelegt. Vorlesungen sollen weiterhin grundsätzlich digital stattfinden. Selbstverständlich gelten trotzdem die Infektionsschutzmaßnahmen. Auch Prüfungen sind wieder in der Präsenzform möglich, allerdings unter besonderen Prüfungsbedingungen, um der Coronahygiene Rechnung zu tragen. Die Hochschulverwaltung stellt den Fachbereichen je nach Bedarf entsprechendes Material wie Flatterband, Klebeband, Metermaße, Schutzmasken, Desinfektionsmittel oder Einweghandschuhe zur Verfügung. Merkblätter erläutern die Handhabung und Durchführung der Prüfungen.

Dort, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann – beim Betreten und Verlassen des Prüfungsraums oder bei kurzzeitigen Bewegungen zwischen den Sitzreihen – muss verpflichtend eine textile Mund-Nase-Bedeckung (Alltagsmaske, Schal oder Tuch) getragen werden. Den Mitarbeitern, die bei Prüfungen mitarbeiten, werden von der Hochschule spezielle Filterschutzmasken zum Schutz gegen den Sars-CoV-2-Virus zur Verfügung gestellt. Für deren Verwendung gibt es eine spezielle Anleitung zur Tragweise und Tragzeit sowie zur Pflege und zur Nutzungsdauer. Bei allen Präsenzprüfungen muss die Rückverfolgbarkeit der Teilnehmenden sichergestellt werden. Wichtig ist außerdem die reglmäßige Durchlüftung aller Räume, sei es durch gesteuerte Zu- und Abluft oder dort, wo es keine technische Lüftung gibt, durch das regelmäßige Öffnen von Türen und Fenstern.

Für alle, die sich zu einer Gruppe mit einem erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf infolge einer Coronainfektion zählen, gibt es jedoch für die Prüfungswochen eine Ausnahme: Sie können sich von ihrem Arzt eine Bestätigung ausstellen lassen, dass Anwesenheit an der Hochschule für sie nicht vertretbar sei. Dann müssen studiengangsspezifische und personenindividuelle Lösungen gefunden werden.

Weiter im Schichtbetrieb
Wer Kinder bis zum Alter von 14 Jahren beaufsichtigen muss, erhält Ende Mai die Zusage dafür, bis zum Beginn der Sommerferien Ende Juni weiterhin vollständig im Home-Office arbeiten zu können. Auch der wechseltägliche Schichtbetrieb in der Hochschulverwaltung und im Zentrum für Informationstechnik und Medien wird bis dahin fortgesetzt. Jedoch mit einer Lockerung: Sollte eine stärkere Präsenz in einer Organisationseinheit nötig sein, können die jeweiligen achvorgesetzten abweichende Regelungen treffen, sofern sichergestellt ist, dass nicht mehr als eine Person gleichzeitig in einem Büro zeitgleich arbeitet.

Start von Studienplatzbe-werbung und Einschreibung
Nicht nur das Studium und die Studienberatung wechseln im Sommersemester komplett in die Online-Welt, auch die Bewerbung um einen Erstsemesterstudienplatz und die Einschreibung werden zum ersten Mal komplett digital und online abgewickelt. Nicht alle Prozesse dabei können vorher ausreichend getestet werden, manches, so Studierendensekretariatsleiter Harald Tüns, werde „kalt“ gestartet und wenn sich der eine oder andere Stolperstein ergibt, werde im laufenden Betrieb nachgebessert. Die Online-Bewerbung soll bis Ende September laufen, die Einschreibung noch bis zum 20. Oktober möglich sein. Auch das Wintersemester gerät ein wenig in Verzug gegenüber den Vorjahren.
Alle Studierenden und Studienanfänger bekommen die Garantie, dass ihre individuelle Regelstudienzeit um ein Semester erweitert wird, um Bremseffekte der Corona-Epidemie abzufangen. Die Regelstudienzeit wird als „6+1“ bescheinigt. Mit der Erhöhung der individualisierten Regelstudienzeit um ein Semester geht gleichzeitig eine Verlängerung der Bafög-Höchstbezugsdauer um ein Semester einher. Dies ist möglich, da das Bafög bei der Förderungshöchstdauer an das jeweilige Landesrecht anknüpft. Derzeit ist Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland in Deutschland mit einer derartigen Regelung.

Finanzielle Hilfen
Für Studierende, die durch die Corona-Krise in finanzielle Not geraten, stellt die Studienberatung unter dem (orangen) Stichwort „Studienfinanzierung“ eine Internet-Seite zusammen, die mögliche Hilfsfonds listet. Da die jeweiligen Informationen häufig nur eine „kurze Haltbarkeit“ haben, wird die Seite ständig aktualisiert.

Weiterhin keine Partys
Veranstaltungen, die nicht dem Lehrbetrieb zuzuordnen sind, waren bis Ende Mai untersagt. Das galt etwa für Informationsveranstaltungen, Fachtagungen, Feste, kulturelle Veranstaltungen sowie für Veranstaltungen, die von Dritten in den Räumen der Hochschule durchgeführt werden sollten. Vor Ablauf des Mais verlängert das Präsidium diese Sperrfrist auf Ende Juni.

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