Wie wir die Corona-Krise stemmen, Teil 3

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Seit Anfang des Jahres kämpft die Welt gegen den Corona-Virus. Die Westfälische Hochschule hat sich den Herausforderungen von Infektionsschutz und Telelehre gestellt. Teil 3 der Trikon-Serie zur Corona-Krise gibt die Aktivitäten der Hochschule von Ende Juni bis Ende August wieder.

Ab 29. Juni
(BL) Der Präsenzbetrieb wird weiter angefahren, teil das Präsidium am 24. Juni mit: Vor dem Hintergrund der Ende Juni beginnenden Schulferien und der absehbaren Wiedereröffnung von Kindertagesstätten und Schulen nach den Sommerferien wird die Homeoffice-Regelung zur Wahrnehmung der Aufsichtspflicht für Kinder nicht weiter verlängert. Der arbeitstäglich wechselnde Schichtbetrieb der Hochschulverwaltung und des Zentrums für Informationstechnik und Medien wird bis Mitte August aufgelockert fortgesetzt, sofern nicht eine stärkere Präsenz in einer Organisationseinheit erforderlich ist und sichergestellt ist, dass nicht mehr als eine Person gleichzeitig in einem Büro arbeitet. Das gilt auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Technik und Verwaltung, sofern dadurch die Funktionsfähigkeit in der Organisationseinheit nicht eingeschränkt wird. Den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird weiter eingeräumt, in Abstimmung mit den Vorgesetzten in angemessenem Umfang Arbeiten vorübergehend im Home-Office zu erledigen. Die Auszubildenden sind wieder im Regelbetrieb.

Planungen fürs Wintersemester
Zweieinhalb Wochen vor dem Ende des Sommersemesters gibt die Hochschulleitung Planungen für das Wintersemester bekannt: Die dem Vorlesungsbetrieb vorlaufenden Prüfungswochen sollen vom 12. bis 23. Oktober stattfinden, wenn das zu eng für die Fachbereiche wird, können sie auch schon am fünften Oktober mit den Prüfungen anfangen.

Die Orientierungswoche für Erstsemester soll in der letzten Oktoberwoche liegen. Parallel können Lehrveranstaltungen für höhere Semester starten, für alle Studierenden starten die Lehrveranstaltungen spätestens am zweiten November.

Aber: Auch im Wintersemester unterliegen Präsenzveranstaltungen den Infektionsschutzmaßnahmen. Das bedeutet, dass die erforderlichen Abstandsregeln zusammen mit den vorhandenen Raumgrößen die Durchführbarkeit von Präsenzveranstaltungen begrenzen. Auch mit genügend großem Raum und Abstand zwischen den Leuten sind Gruppengrößen nur bis 50 Personen zulässig. „Diese Mischung wird neue Herausforderungen bei der Stundenplanerstellung mit sich bringen“, erwartet Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, „wir hoffen aber, wieder mehr den Charakter einer Präsenzhochschule abbilden zu können als im Sommersemester.“

Corona online

Ihre Erfahrungen mit der plötzlichen Umstellung auf ein komplettes Online-Semester bloggte Prof. Dr. Edda Pulst sowohl für ihre Studierenden als auch die Öffentlichkeit (https:/www.adapt2job.com/blog): „Meine Theaterbühne Hörsaal 1 war dicht, genauso die Seminar- und Labor-Bühnen. Mit ihnen war auch der persönliche Austausch – und damit die Dynamik, das Knistern, das Kribbeln, kurz: das Hochschulleben – zwischen Studierenden, Professorin und Praxispartnern aus Firmen weg.“ Obwohl sie sich bereits seit Jahren mit E-Learning beschäftigte, hatte Pulst doch ihre Zweifel, ob der vollständige Sprung ins virtuelle Wasser erfolgreich werde. „Eine Zeit lang jammerte ich noch meiner Bühnentechnik im Hörsaal mit Tafeln, Whiteboard und Beamer hinterher, bevor ich los ließ, um es im Hier und Jetzt aufregend zu finden, die Digitalisierung zu leben.“

Moodle wurde zu ihrer neuen Bühnentechnik und das Online-Format gesichert. Aber: Es reicht nicht, die Vorlesungen aufzuzeichnen und über digitale Kanäle abzuspielen. „Auch online braucht es Interaktion und Kontakt“, so Pulsts Forderung an sich selbst. Die Studierenden bekamen wöchentliche Arbeitspakete, Anwendungsfilme und Videobeiträge mit Praxispartnern. „Das Corona-Semester sollte kein verlorenes, sondern ein unvergessliches, ein gutes und lehrreiches Semester werden“, so Pulst. Feste Einreichtermine für Arbeitspakete, Video-Rollenspiele, Fachgespräche mit der Professorin standen für die Studierenden auf dem Arbeitsplan.

„Meine Befürchtung, dass die hohen Telearbeitsanforderungen nur zögerlich beantwortet würden, wurde vom Gegenteil zerstreut. Ich wurde mit Terminanfragen überschüttet, die virtuelle Lehre dauerte manchmal bis tief in die Nacht, bis auch die letzte Frage beantwortet war.“ Ganz nebenher lernte die Professorin die Lernumgebung ihrer Studierenden kennen: „Ich kenne jetzt die Schränke und Kellerräume im Elternhaus, das Segelboot im Regal und die Mangas über dem Bett. Umgekehrt haben sich die Studierenden an mein übervolles Bücherregal im Hintergrund gewöhnt, an den klingelnden Postboten und die Geräusche von Rasenmähern durchs offene Fenster.“ Ihrer Ansicht nach hat das sogar zu einer Lernatmosphäre mit mehr Verständnis, Zutrauen und Mut geführt als im Hörsaal.

Und doch: Am Ende des Corona-Semesters ist klar, dass es sein Alleinstellungsmerkmal behalten soll. Nur zehn Prozent ihrer Lehre will Prof. Dr. Edda Pulst online fortsetzen, wenn Präsenzhochschule wieder möglich ist. „Die körperliche Präsenz des Gegenübers ist unersetzlich für die Lernerfahrung. Digitalisierung ist eine Brücke, die man nach dem Überschreiten auch wieder verlässt. Das wahre Leben findet vor und hinter der digitalen Brücke statt.“

Virtuelles Schulungsangebot der Bibliothek
Auch in der Corona-Zeit will die Bibliothek den Hochschulmitgliedern bei Fragen zur Seite stehen und bietet ihnen über das Videokonferenzsystem Zoom verschiedene Schulungsformate an, etwa die Recherchesprechstunde für Studierende, wenn sie ihre Abschlussarbeiten planen oder schreiben und sich Unterstützung für die notwendige thematische Literaturrecherche wünschen. Auch für das Arbeiten mit Literaturverwaltungsprogrammen (Citavi/Zotero) gibt es Schulungen, um Literatur, Quellenangaben, Textstellen und Zusammenfassungen zu sammeln, zu sichten und zu sortieren, ein klassischer Bereich der wissenschaftlichenArbeitsmethodik. Mithilfe von Literaturverwaltungsprogrammen verliert man nicht den Überblick.

Bei Interesse an den beiden Angeboten müssen die Interessenten nur unter Nennung des Schulungsangebots und Terminvorschlägen eine E-Mail an „bibliothek(at)w-hs.de“ schreiben. Bei Recherchesprechstunden erbittet die Bibliothek die Nennung des Themas der Abschlussarbeit.

Zusätzlich gibt es einen Moodle-Kurs, der das Handwerkszeug zum wissenschaftlichen Arbeiten vermittelt – von der Themenfindung bis zur Präsentation. Der Kurs eignet sich insbesondere zur Erstellung einer Abschlussarbeit, bietet aber auch Informationen für Seminararbeiten. Der Kurs zeichnet sich durch eine kurze Bearbeitungszeit mit fundierten Informationen und vielen Übungen aus und kann komplett durchgearbeitet oder als Nachschlagewerk für einzelne Themen zu Rate gezogen werden.

Vorlesungsfreie Zeit

Ende Juli ging für alle Studierenden die Prüfungsphase nach dem Sommersemester zu Ende, sicherlich eine bislang einzigartige Prüfungsperiode nach einem völlig anderen Semester und mit mehr Ungewissheit als sonst nach dem ungewohnten Vorlesungsbetrieb. In einer Mail an die Studierenden würdigten Präsident und Kanzler die Disziplin der Studierenden, die ganz überwiegend die herausfordernde Situation annahmen und sich mit den coronabedingten Rahmenbedingungen arrangierten. „Leider“, so der Blick der beiden auf die Zukunft, „müssen wir davon ausgehen, dass das Virus noch lange unseren Alltag bestimmt. Auch wenn es zunehmend schwer fällt, die damit einhergehenden Einschränkungen zu verstehen, wird es noch lange erforderlich sein, verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer umzugehen.“ Zugleich gab es ein Versprechen an die Studierenden: „Sie können fest davon ausgehen, dass wir uns alle im Rahmen des Verantwortbaren bemühen, das kommende Semester gut für Sie zu gestalten.“

Schichtbetrieb bis zum Herbst
Der arbeitstäglich zwischen Präsenz und Homeoffice wechselnde Schichtbetrieb der Hochschulverwaltung und des Zentrums für Informationstechnik und Medien wird bis zum 30. September verlängert, um zu verhindern, dass mehr als eine Person in einem Büro zeitgleich arbeitet. Gleiches gilt in Absprache mit den Fachvorgesetzten auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Technik und Verwaltung, vorausgesetzt die dienstlichen Notwendigkeiten sind gesichert und es bleibt eine angemessene Präsenz vor Ort gewahrt. Eine ausschließliche Arbeit im Homeoffice wird nur noch gewährt, wenn eine entsprechende Empfehlung der Betriebsärztin vorliegt, beispielsweise wenn dies aus medizinischer Sicht geboten ist oder eine Präsenz auch unter Einhaltung der Hygieneregeln und Richtlinien des Robert-Koch-Instituts oder des Arbeitsschutzes an der Hochschule als nicht vertretbar eingeschätzt wird.

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