Wie wir die Corona-Krise stemmen

Das Coronavirusbanner auf der Homepage der Westfälischen Hochschule führte direkt zu den aktuellen Informationen der Hochschule im Umgang mit der Pandemie-Krise und war für die Hochschulmitglieder über Wochen der bildliche Hochschulanker in der Krise. Bild: Pixabay

Trikon wirft einen Blick auf die ersten Wochen der Krisenbewältigung. Folge 1 (bis Ende April).

(BL) Nachdem das Präsidium der Westfälischen Hochschule die Ereignisse rund um die Coronakrise einige Wochen eng verfolgt hatte, lud am 27. Februar Kanzler Dr. Heiko Geruschkat zu einer Sitzung ein, die danach ein lange wiederkehrendes Ereignis werden sollte: die Corona-Lagebesprechung, an der das Präsidium, die Vertretungen der Dezernate für den Studierendenservice, die Personalverwaltung, das Gebäudemanagement und die Pressestelle teilnehmen.  Zusammen mit den Abstimmungsrunden für den Lehr- und Prüfungsbetrieb, an denen neben dem Präsidium die Dekane und das Sprachenzentrum  teilnehmen, wird der Umgang mit der Krise gesteuert. Parallel gibt es Gespräche mit den Personalräten. „Dank dieser schnellen und unkomplizierten Zusammenarbeit konnten wir sicherstellen, dass alle personal- und organisationsbezogenen Maßnahmen rasch und effizient umgesetzt werden konnten“, so Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann.

Corona-Seite im Internet
Bereits nach der ersten Sitzung schickte das Präsidium eine Mail an alle Hochschulmitglieder und die Studierenden und schaltete eine Internetseite, die Hinweise zum Thema Coronavirus gab: Hinweise zu Dienstreisen und zu Auslandsaufenthalten von Studierenden. Außerdem gibt es eine Liste von Ansprechpartnern und auf der Basis der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Betriebsärztin Ratschläge zur vorbeugenden Hygiene. Und schließlich eine Link-Liste zu weiteren Informationen, die in dieser Situation bei persönlichen Entscheidungen helfen, etwa zum Auswärtigen Amt der Bundesrepublik und dessen Reise- und Sicherheitshinweisen. Dabei steht das Präsidium kontinuierlich mit den Gesundheitsbehörden seiner Standortgemeinden und natürlich mit dem die Dienstaufsicht führenden Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung.

Die Internetseite „Coronavirus“ wurde danach wahrscheinlich zur Top-Internetseite der Westfälischen Hochschule. Bis zum Redaktionsschluss dieser Trikon-Ausgabe zählte die zentrale Informationstechnik über 17.500 Zugriffe.

Bis Anfang März ging das Präsidium noch davon aus, dass die Hochschule zunächst weiterhin im Regelbetrieb arbeitet, will aber vorbeugend klären, wie Prüfungen zu handhaben sind, wenn am 23. März die Prüfungswochen beginnen sollen. Es sollte anders kommen.
Auch für Veranstaltungen an der Hochschule. Diese werden zunächst für Teilnehmerzahlen über Tausend abgesagt, später ganz. Zunächst bis Ende April, dann in der Verlängerung bis Ende Mai. Das betraf auch die Absage des Campusfestes zum 25-jährigen Jubiläum des Bestehens der Hochschulabteilung Recklinghausen.

Freitag, der 13.
Mittags am Freitag, den 13. März ordnete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an, dass der Anfang der Vorlesungszeit im Sommersemester, das eigentlich mit Prüfungen am 23. März hätte starten sollen, auf den 20. April verschoben werde.
Ab dem 23. März und damit bereits zwei Wochen vor den Osterferien werden die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Alle Beschäftigten mit einer Aufsichtspflicht für Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder aus sonstigen Gründen aufsichtsbedürftig sind, bekommen bereits ab dem 13. März die Möglichkeit, im Rahmen von „Home-Office“ zu Hause zu arbeiten, damit die Aufsichtspflicht wahrgenommen beziehungsweise in adäquater Weise organisiert werden kann. Diese Regelung galt zunächst bis Ostern und wurde dann bis Anfang Mai verlängert.

Die Bibliotheken werden für den Publikumsverkehr geschlossen, Lernzonen werden gesperrt, um zu engen Kontakt zwischen Lernenden zu vermeiden, nach und nach übernehmen elektronische Kontakte den persönlichen Kontakt.

Zu Gesundheitssicherung und gleichzeitiger Aufgabenerfüllung gehen viele Organisationseinheiten der Hochschule in den Schichtbetrieb mit wechselseitigen Anwesenheitstagen ergänzt um Heimarbeit, sofern möglich. Ziel ist, mehr Distanz zwischen Menschen möglich zu machen. Die Zeiterfassung wird ausgesetzt, um eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung auch von zu Hause aus möglich zu machen. Eine angemessene Präsenz vor Ort im Rahmen von Ansprechzeiten wird gesichert. Zwei Tage nach der Verschiebung des Sommersemesterstarts ist ein Rumpfbetrieb organisiert, der Routineprozesse sichert, sodass befristete Beschäftigungsverhältnisse verlängert werden können, Beschaffungen laufen, Einschreibungen vorgenommen werden können und vieles mehr.

Nicht nur das Präsidium und der Corona-Stab machen sich Gedanken. Von vielen Hochschulmitgliedern und aus den Fachbereichen kommen Vorschläge, wie der Lehr- und Forschungsbetrieb unter dem Schatten von Corona organisiert werden kann, sodass die Studierenden ihr Studium möglichst ohne Zeitverluste fortsetzen können. Alles steht unter der Prämisse von Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein bei gleichzeitig flexiblem und pragmatischem Handeln. Präsident und Kanzler appellieren an die Handelnden, sich an Gesundheitssicherung und Aufgabenerfüllung zu orientieren, „in dieser Reihenfolge!“. Mails enden mit dem Wunsch „Bleiben Sie gesund!“

Online statt Präsenz
Ende März installiert die Westfälische Hochschule mit „ZOOM“ ein zentrales Videokonferenzsystem. Die Hochschulbeschäftigten bekommen Lizenzen, die Studierenden können als Teilnehmer eingebunden werden. Mit dieser Maßnahme will die Hochschulleitung zusätzliche Online-Angebote bereitstellen. Die Fachbereiche haben fachspezifische Distance-Learning-Angebote aufgebaut, zum Teil über das Programm Moodle, zum Teil auf anderen Wegen. Richtschnur ist dabei, die in den Modulhandbüchern des jeweiligen Studienfachs beschriebenen Kompetenzen zu vermitteln und auf die Prüfungen abzustimmen, damit die Lehre entsprechend dem Studienverlaufsplan auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie sichergestellt ist.

Ebenfalls Ende März richtet die Hochschulbibliothek für die Dauer der Bibliotheksschließung wegen des Coronavirus einen Campuslieferdienst für Scans von Aufsätzen und Buchkapiteln aus Printmedien ein. Nutzen können ihn alle Professorinnen und Professoren sowie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Westfälischen Hochschule. Auf diese Weise soll jenseits des Zugriffs auf elektronische Medien die Literaturversorgung aufrecht erhalten bleiben.

Am zweiten April (also kein Aprilscherz) verständigen sich die Rektoren und Präsidenten der Universitäten und Fachhochschulen in NRW darauf, das Sommersemester am 20. April als Online-Semester im „Distance-Learning-Modus“ zu starten. Die Gefahr eines Null-Semesters ist damit gebannt. Präsident und Kanzler der Westfälischen Hochschule entscheiden, dass auch der für den 20. April geplante Prüfungsstart ins Semester verschoben wird. Laborpraktika können aufgrund der Kontaktsperre erst einmal nicht stattfinden.

Sobald wie möglich solle es aber eine Rückkehr zu „physischer Präsenz“ geben. Der Präsident hofft auf eine, wenn auch zunächst noch vielleicht eingeschränkte Möglichkeit dazu im Laufe des Monats Mai. Die Hochschule habe bereits Stufenpläne dafür in der Schublade.

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Herkunft des Corona-Virus

Fachleute vermuteten zu Beginn der Epidemie in China, dass als Hauptwirt ein anderes Säugetier oder Geflügel infrage komme. Der Übergang vom Tier auf den Menschen könne jedoch über einen noch nicht identifizierten Zwischenwirt erfolgt sein. Aufgrund der Ähnlichkeit der Bindungsstelle des Spike-Proteins an den menschlichen Rezeptor ACE2 gilt inzwischen (Stand 17. Februar 2020) die Java-Hufeisennase (Rhinolophus affinis) – eine Fledermaus aus der Ordnung der Fledertiere – als aussichtsreicher Kandidat für den Ursprung des Virus, auch wenn nicht klar ist, ob die Übertragung direkt erfolgte. Quelle: Wikipedia nach Kristian G. Andersen, Andrew Rambaut, W. Ian Lipkin, Edward C. Holmes, Robert F. Garry: The Proximal Origin of SARS-CoV-2. In: virologica.org, Quelle: Artic Network, 17. Februar 2020