Des einen Leid – des anderen Freud

Noch ist der geschenkte Elektro-Linienbus im Recklinghäuser Wirtschaftsingenieurwesen ziemlich nackt. Alles, was von seiner Außengestaltung übrig blieb, ist der Hinweis auf den ursprünglichen Besitzer auf der Unterlage des Nummernschilds. Foto: WH/BL

Die Stadtwerke Osnabrück AG experimentierte seit 2010 mit einem Strom-Linienbus. Inzwischen ist klar: Der Weisheit letzter Schluss war das noch nicht, denn der Bus fiel aus verschiedenen Gründen wiederholt aus. Ersatzteile wurden beispielsweise nicht zeitgerecht geliefert. Aber vor allem schwächelte die Batterie, sodass die erforderliche Reichweite für den Linienbus-Verkehr nicht erzielt werden konnte. Fazit: Die Stadtwerke haben viele Erfahrungen gemacht, wollten diesen speziellen Bus jedoch nicht weiter einsetzen.

(BL) Keiner wollte ihn kaufen und deshalb wurde der Bus am Ende verschenkt. Der glücklich Beschenkte ist Prof. Dr. Guido Mihatsch vom Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen. In Zukunft soll der Bus vor allem Lehrzwecken in der Fahrzeugtechnik dienen. Mihatsch: „Angehende Wirtschaftsingenieure werden den Bus jetzt wieder flott machen, mit Batterien und Batteriestrom experimentieren, elektrotechnische Bauteile aus- und wieder einbauen und so ganz viel über Nutzfahrzeugtechnik begreifen.“

Dass die Stadtwerke Osnabrück (Niedersachsen!) diese Spende ausgerechnet in Richtung Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen!) gemacht haben, hat einen persönlichen Grund: Valentin Wübbelsmann ist Absolvent des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen in Recklinghausen und heute Mitarbeiter der Stadtwerke Osnabrück AG im Bereich der Elektromobilität. Er hatte den Kontakt zu seinem Betreuer Mihatsch nie abreißen lassen und erinnerte sich an seine frühere Ausbildungsstätte als Vorschlag für das Ziel der Bus-Spende. Anfang Juni wurde der Bus per Tieflader in Recklinghausen angeliefert, denn selber fahren konnte er nicht. Von seinem hohen ursprünglichen Anschaffungswert ist heute wenig übrig geblieben. Für die Studierenden in Recklinghausen hat er aber großen ideellen Wert als „Objekt der Anschauung und Lehre“.

„Wir wollen den Bus nicht nur wieder fit und fähig machen, sondern ihn auch noch ein wenig aufhübschen“, so Mihatsch, „denn natürlich ist von der ursprünglichen Außengestaltung des Personentransporters für 22 Passagiere nichts mehr übrig.“ Demnächst soll der Bus ein schickes Design im Gestaltungsstil der Westfälischen Hochschule bekommen und soll anschließend auf dem Freigelände der Recklinghäuser Hochschulabteilung auf den Studienschwerpunkt von Automobilwirtschaft und Automobiltechnik hinweisen.

Wirtschaftlich vielleicht inzwischen ein Leichtgewicht, ist der Bus von seiner Masse her eher ein Schwergewicht. Er bringt über vier Tonnen Leergewicht auf die Waage: Genau die Grenze, mit der der Deckenkran ihn noch an der Vorderachse anheben kann, um sein Fahrwerk studieren zu können.