Urkunden und Preise

Bachelor-Studienpreisträger im Studienjahr 2017/18 in Gelsenkirchen wurden (von links nach rechts) Pieter Try, Wiebke Scheffler, Andreas Fuchs, Sven Wienand, Aljona Wehrhahn-Aklender und Erik Alves. Den Erich-Müller-Standortpreis in der Kategorie „Bachelor“ erhielt Pieter Try, in der Kategorie „Master“ erhielt ihn zusätzlich zum Studienpreis Aljona Wehrhahn-Aklender. Lars Nagel (rechts) erhielt einen Studienpreis der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet. Foto: WH/BL

In Bocholt und Recklinghausen gab es zum Ende des Jahres Graduierungsfeiern, bei denen die Abschlussurkunden zum Bachelor und zum Master verliehen wurden und außerdem Studienpreise und die Standortpreise – in Bocholt der Lorenz-Weegen-Preis, in Recklinghausen der Peter-Borggraefe-Preis – vergeben wurden. In Gelsenkirchen wurde die Feier zur Verleihung der Studienpreise und der Erich-Müller-Standortpreise für Bachelor und Master mit der Veranstaltungsreihe „Campus meets Business“ kombiniert.

Gelsenkirchen

(BL/MV) Die Kombination der Studienpreisfeier in Gelsenkirchen mit der Veranstaltungsreihe „Campus meets Business“ diente dazu, ein Treffen mit Gästen aus Wirtschaft und Industrie zu ermöglichen. Außerdem verlieh die Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet einen Studienpreis. Veranstaltungspartner waren die Arbeitgeberverbände Emscher-Lippe, die Wirtschaftsinitiative Gelsenkirchen und der Gelsenkirchener Förderkreis der Westfälischen Hochschule.

Die besten Absolventinnen und Absolventen des Hochschulstandorts Gelsenkirchen im Studienjahr 2017/18 erhielten mit dem Studienpreis neben einer Urkunde einen Scheck über 300 Euro, der vom Hochschulförderkreis Gelsenkirchen kam. Preisträger waren sechs Bachelor-Absolventen und zwei Master-Absolventen. Der Bachelor-Standortpreis ist mit 750 Euro dotiert, gestiftet vom Reisedienst Nickel, der Master-Standortpreis ist mit 1.500 Euro dotiert und wird von der Sparkasse Gelsenkirchen gestiftet. Während die Namen der Studienpreisträger bereits vor der Veranstaltung veröffentlicht wurden, waren die beiden Standortpreisträger bis zum Abend der Verleihung ein Geheimnis der Veranstalter, sodass am Vergabeabend für Spannung bei Preisträgern und Publikum gesorgt war.

Außerdem gab es einen Sonderpreis: den „Studienpreis – für Mensch und Umwelt in der Region“ der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR). Die AGR will damit Master-Arbeiten der angewandten Forschung und Entwicklung an der Westfälischen Hochschule auszeichnen, die einen Beitrag zu Ökologie, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit leisten. Der 2018er Preis ging an den Bocholter Master-Absolventen Lars Nagel, der dort zunächst Bionik mit dem Abschluss „Bachelor“ studiert und anschließend den Master-Grad in Maschinenbau erworben hat. Für seine Abschlussarbeit hat er bei dem im niederländischen Winterswijk ansässigen Unternehmen Sorba Projects Fassadenelemente mit Solartechnik kombiniert. Mit einem farbigen Frontglas zusammen werden die Fotovoltaik-Elemente zu Mosaiksteinen für Fassadenbilder und erzeugen gleichzeitig Strom aus der Sonne. Dass die vorgehängten Fassaden auch ein Gebäudeschutz sind, versteht sich bautechnisch von selbst. Seine Arbeit entspricht damit vollständig dem Anspruch der Abfallentsorgungs-Gesellschaft „für Mensch und Umwelt“: Der Mensch hat was für’s Auge, die Umwelt freut sich über die Energieerzeugung aus Sonnenlicht.

Vor und zwischen die Preisverleihungen hatten die Veranstalter Gesprächsrunden mit „besonderen Gesichtern“ der Westfälischen Hochschule gelegt: Sebastian Buntkirchen studierte an der Westfälischen Hochschule Facility-Management und ist mittlerweile Geschäftsführer der Stiftung „Schalke hilft!“. Richard Schmidt studierte an der TU Dortmund. Seit Februar 2018 promoviert er an der Westfälischen Hochschule zu einem Thema der Energietechnik, bei dem aus erneuerbaren Energieträgern gewonnener, gerade aber nicht benötigter Strom in Wasserstoff energetisch für später gespeichert wird. Richard Schmidt ist aber auch Sportler: Als deutscher Riemenruderer gewann er bei den Olympischen Sommerspielen in London die Goldmedaille, darüber hinaus fünf Weltmeistertitel und sieben Europameistertitel. Buntkirchen und Schmidt berichteten im Gespräch mit Moderator Frank Bürgin über ihren Werdegang und wie sie wurden, was sie heute sind. Sängerin Marie Angerer aus Recklinghausen bereicherte die Veranstaltung an der Gitarre mit Folk-/Indie-Pop. Die Einbindung in die Veranstaltungsreihe „Campus meets Business“ sorgte zugleich für eine Kontaktbörse zwischen den Bestabsolventen und möglichen Arbeitgebern aus Wirtschaft und Industrie. Diese konnten sich auf diese Weise einen Einblick in Studien- und Abschlussarbeitsthemen an der Westfälischen Hochschule verschaffen als Voraussetzung für einen erfolgreichen Transfer von Wissen und Köpfen aus der Hochschule in die Praxis.

Die Studienpreisträger sind Erik Alves (22) (Bachelor-Studiengang Versorgungs- und Entsorgungstechnik) aus Wuppertal, Andreas Fuchs (27) (Bachelor Maschinenbau) aus Bochum, Wiebke Scheffler (23) (Bachelor-Studiengang Journalismus und Public Relations) aus Düsseldorf, Corinna Thebing (22) (Bachelor-Studiengang Wirtschaft) aus Reken, Pieter Try (21) (Bachelor-Studiengang Physikalische Technik) aus Gelsenkirchen, Sven Wienand (22) (Bachelor-Studiengang Elektrotechnik) aus Gelsenkirchen sowie die beiden Master-Absolventen Christian Löckener (24) (Management) aus Bocholt und Aljona Wehrhahn-Aklender (26) (Internet-Sicherheit) aus Solingen.

Erik Alves hat sich mit Rotationswärmeüberträgern beschäftigt. Üblicherweise strömt die Luft dabei durch eine senkrecht stehende Drehscheibe. Alves hat sie um 90 Grad gedreht, sodass die Luft jetzt „um die Ecke strömen muss“, so sein Betreuer Prof. Dr. Christian Fieberg. Theoretisch und experimentell konnte Alves beweisen, dass auf diese Weise eine größere Anströmfläche verwirklicht wird, der Wirkungsgrad erhöht und der Druckverlust gemindert wird. Andreas Fuchs hat den Kippmechanismus eines Dreiseitenkippers neu konstruiert. Das war nötig geworden, weil das Basisfahrzeug eines Herstellers verlängert worden war und der alte Mechanismus daher angepasst werden musste. Wiebke Scheffler hat die Darstellung der Geschlechterrollen in chilenischen Telenovelas für Erwachsene und ihre Wirkung auf vier- bis zwölfjährige Kinder untersucht. Ihr Ergebnis: Die Serien sind nicht kindgerecht, sondern wiederholen sowohl auf der optischen als auch auf der Verhaltens- und Berufsebene einseitige Frauen- und Männerbilder. Scheffler: „Fernsehen ist eine wichtige Sozialisationsinstanz für Kinder. Diese Zielgruppe braucht daher auf sie zugeschnittene geeignete Inhalte.“ Corinna Thebing hat sich mit Betriebsveräußerungen beschäftigt. Ihr Ziel war dabei, bei der Besteuerung des Veräußerungsgewinns Steuerermäßigungen optimal zu nutzen. Pieter Try hat ein Steuerventil für tragbare Beatmungsgeräte entwickelt. Sein Prototyp ist kleiner und hat eine längere Akkulaufzeit als bisher übliche Modelle. Sven Wienand hat sich mit selbst fahrenden Fahrzeugen beschäftigt und einen Regler entworfen, der einer definierten Fahrspur folgen kann. Sein Ehrgeiz bestand darin, das Modell im Maßstab eins zu zehn zu vereinfachen sowie Rechenleistung und Energie zu sparen. Zugleich hat er die Geschwindigkeitsregelung verbessert. Christian Löckener hat den Praxisfall geübt und bei einem Verpflegungsunternehmen die theoretischen Regeln der Unternehmensführung und der internen Revision auf die Betriebspraxis angewandt und Empfehlungen abgeleitet. Aljona Wehrhahn-Aklender hat ein Lösungskonzept erarbeitet, das die Integrität von IT-Systemen, die sich innerhalb einer Cloud befinden, gewährleistet und Vertrauen in Cloud-Dienste erzeugt. Dadurch werden Sicherheitsbedenken von Anwendern aufgelöst sowie überprüfbare und damit vertrauenswürdige Cloud-Dienste umsetzbar.

Bocholt

Mitte November verlieh die Abteilung Bocholt die Bachelor- und Master-Urkunden in feierlichem Rahmen im Theatersaal des städtischen Bühnenhauses an die Absolventinnen und Absolventen des aktuellen Absolventenjahrgangs. Die Veranstaltung ist eine Gemeinschaftsaktion des Präsidiums der Hochschule, der Bocholter Dekane und der Fördergesellschaft Westmünsterland der Hochschule in Bocholt/Ahaus.

Neben den rund 280 Bachelorabsolventen und mehr als 50 Masterabsolventen, die sich ihre Graduierungsurkunden abholen konnten, gab es für die Jahrgangsbesten aller Studiengänge einen Studienpreis, der mit 300 Euro dotiert ist. Wer das war, blieb noch bis zum Abend der Verleihung geheim. Darüber hinaus gab es den Lorenz-Weegen-Standortpreis, für den dieses Mal vier Preisträger nominiert waren: René Horstmann vom Master-Studiengang Maschinenbau und die drei Bachelor-Absolventen Matthias Bußhaus (Wirtschaft), Nico Klinkenberg (Angewandte Elektrotechnik) und Andreas Klump (Mechatronik). Alle Preise wurden von der Hochschulfördergesellschaft finanziert. Ihr Vorsitzender Ulrich Grunewald überreichte den Lorenz-Weegen-Preis in diesem Jahr erstmalig an zwei Preisträger: Nico Klinkenberg und Andreas Klump erhielten jeweils 1.000 Euro, denn die Fördergesellschaft stockte das Preisgeld kurzerhand auf, berichtete Grunewald in seiner Laudatio. Nico Klinkenberg bekam zudem einen der mit 300 Euro dotierten Studienpreise für „Angewandte Elektrotechnik“.

Klinkenberg beschäftigte sich in seiner Arbeit mit Verbesserungen am neu geplanten Teilchenbeschleuniger in Genf, und mit der Frage, wie man das Dämpfungssystem als auch verschiedene Parameter des Beschleunigers einzustellen hat, damit dessen Teilchenstrahl stabil bleibt. Bei Andreas Klumps Arbeit drehte sich alles um Windkraftanlagen: Klump erläuterte: „In Windkraftanlagen klassischer Bauweise werden Getriebe eingesetzt, um die langsame Drehzahl des Rotors in eine schnellere Drehzahl am Generator zu wandeln. Das Getriebe besteht dabei aus zahlreichen Komponenten und ebenso vielen Verbindungsstellen.“ Seine Arbeit behandelt in diesem Kontext die Entwicklung neuartiger Methoden zur Analyse des Verhaltens beim Kontakt zweier Maschinenteile mithilfe rechnergestützter Simulation. „Die Ergebnisse sind Bestandteil bei der Entwicklung von zukünftigen Getrieben mit hoher Leistungsdichte“, so Klump.

Recklinghausen

2018 stand etwas Neues auf dem Programm der Absolventenehrungen in Recklinghausen: Zum ersten Mal gab es eine große Graduierungsfeier, bei der die Abschlussurkunden aller Absolventen aus (fast) allen Studiengängen verliehen wurden und zusätzlich die Studienpreise, ein Sonderpreis der „Gesellschaft Deutscher Chemiker“ in der Sparte „Analytische Chemie“ sowie der Peter-Borggraefe-Standortpreis der Hochschulabteilung Recklinghausen. Dazu zog die Hochschule aus ihrem Abteilungsgebäude um ins Recklinghäuser Ruhrfestspielhaus. Veranstaltungspartner war die Vestische Freundegesellschaft der Hochschulabteilung Recklinghausen.

Die Studienpreise gingen an Katrin Tietz (22) (Studiengang Molekulare Biologie), Louis Mersmann (22) (Wirtschaftsrecht), Felix Leven (25) (Chemie) und Sebastian Reichert (27) (Wirtschaftsingenieurwesen). Katrin Tietz hat sich mit Simulationsmodellen um die Beschreibung von Molekülen, vor allem von Proteinen, gekümmert. Das geht digital weniger aufwendig und weniger fehleranfällig als von Hand im Labor. Felix Leven hat sich daran gemacht „Aerogele“ herzustellen. Das sind feinstrukturierte, poröse Materialen mit äußerst guter Dämmwirkung, besser als Styropor, aber leider auch viel teurer. Leven versuchte es mit kostengünstigen Polymeren und einem alternativen Herstellungsverfahren, das zugleich energieeffizient ist. Fazit: Die grundsätzliche Idee ist gut, aber noch nicht konkurrenzfähig zu den bisherigen kommerziellen Produkten. Leven wird das Thema in einer Doktorarbeit weiter verfolgen. „Verkehrsnachfrage“ war das Thema von Sebastian Reichert im Lehrgebiet „Verkehrssysteme, -planung und -steuerung“. Bei der Verkehrsnachfrage ging es darum, ob Staus nicht nur ärgerlich sind, sondern auch dazu führen, dass nachlaufende Fahrzeuge erst gar nicht bis auf die Straße oder Autobahn kommen. Dann aber wäre die Nachfrage nach Straße größer als der Verkehrsfluss vermuten lässt. Auf Nachfrage beruht aber die Bemessung der Verkehrsinfrastruktur. Masterabsolvent Reichert hat dafür ein Verfahren entwickelt und an der A40 ausprobiert. Louis Mersmann hat sich um die Wirksamkeit der Lizenzschranke nach dem Einkommensteuergesetz gekümmert. Darin geht es um Aufwendungen zur Nutzung von Rechten, insbesondere von Urheberrechten und gewerblichen Schutzrechten. Der Absolventenpreis der Gesellschaft deutscher Chemiker ging an Cagdas Ozan Kockar (32). Er hat eine Methode zur Bestimmung des Gehalts von polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen wie etwa Naphtalin in Bodenproben verbessert und dabei Gaschromatografie und Massenspektrometrie eingesetzt. Als alle Urkunden überreicht und alle Preisträger geehrt waren, trafen sich Absolventen, Preisträger und Gäste am Buffet und bei der Abschlussparty mit Live-Musik von „The Woulf & Dr. Pelikan“.