Studierende erläutern Bioethik

Unter der Leitung der Professoren Angelika Loidl-Stahlhofen (vorne Mitte) und Andreas Beyer (r.) erläuterten Studierende der „Molekularen Biologie“ die Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit Themen der Bioethik. Foto: WH

Einen Samstag lang haben die Studierenden die Ergebnisse aus ihrer Beschäftigung mit Ethik und Moral in der „Molekularen Biologie“ aus dem vergangenen Wintersemester vortragen. Da es um Themen ging, die auch für jeden Bürger und jede Bürgerin wichtig sind, war die Vortragsreihe auch für Gäste geöffnet.

Wer an der Hochschulabteilung Recklinghausen „Molekulare Biologie“ studiert, kommt um die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen nicht herum. Prof. Dr. Angelika Loidl-Stahlhofen: „Fachwissen steht bei uns natürlich im Vordergrund des Studiums, doch viele in der späteren Berufspraxis auftretende Fragen müssen bioethisch betrachtet werden, um zu gesellschaftskonformen und moralisch begründbaren Entscheidungen zu kommen.“ Einen Samstag lang haben die Studierenden die Ergebnisse aus ihrer Beschäftigung mit Ethik und Moral in der „Molekularen Biologie“ aus dem vergangenen Wintersemester vorgetragen. Da es um Themen ging, die jeden interessieren können, war die Vortragsreihe öffentlich. Rund ein Viertel der vor allem am Nachmittag 25 bis 50 Zuhörenden waren externe Gäste.

Den Start machte Prof. Dr. Andreas Beyer, der einen Überblick über ethische Theorien vorstellte, etwa die Philosophie von Immanuel Kant, die Ethik der Utilitaristen (richtig ist, was nutzt) sowie die medizinethisch angewandte Kasuistik (es richtet sich nach dem Einzelfall). Sein Fazit: „Bioethische Auseinandersetzungen führen zu begründeten Standpunkten, allerdings nicht zu endgültigen und eindeutigen Entscheidungen zwischen ,richtig‘ und ,falsch‘“.

Schwangerschaftsabbruch

Im ersten Sachthema ging es um den Schwangerschaftsabbruch. Die Studierenden stellten die Gesetzeslage sowie die angewandten Techniken dar und den Unterschied zur „Pille danach“, die eine Schwangerschaft nicht unterbricht, sondern verhindert, dass die befruchtete Eizelle sich in der Gebärmutterschleimhaut für ihre weitere Entwicklung einnistet. Ihre bioethische Einstellung leiteten die Studierenden aus der biologischen Entwicklung ab: Menschliches Leben beginnt mit der Befruchtung der Eizelle, als Person wird der Embryo aber erst gewertet, wenn er Schmerzen empfinden kann und ein erstes Bewusstsein entwickelt. Das ist ab der 24. Entwicklungswoche. Bis zum Beginn der 15. Woche könne man daher noch nicht von der Tötung eines Menschen reden, da der Embryo sich noch im Zustand einer Zellansammlung befinde. Die gesetzliche Praxis in Deutschland sei daher ein als richtig empfundener Mittelweg und die Abtreibung bis zur 14. Woche solle weiterhin erlaubt sein. Gut fanden sie die Pflicht zur Beratung von Schwangeren, da sie eine vollständige Information über Alternativen zur Abtreibung darstelle.

Präimplantationsdiagnostik
Die Präimplantationsdiagnostik erlaubt es erblich vorbelasteten Eltern, Embryonen auf schwerwiegende Krankheiten zu untersuchen und dadurch nach künstlicher Befruchtung nur gesunde Kinder auszutragen. Das treffe jedoch auf nur sehr wenige Eltern zu und habe mit Menschenzüchtung oder Designerbabys nichts zu tun. Dies erst recht, da sich „erwünschte“ Designs wie Intelligenz, Gesundheit oder Schönheit genetisch nicht klar verorten lassen, sodass die Genanalyse hier keine Eigenschaften voraussagen kann.

Stammzellen
Embryonale Stammzellen aus überzähligen Embryonen der künstlichen Befruchtung zu gewinnen, ist in Deutschland verboten. Ein Verbot, das die Zuhörer nicht teilen wollten: Da diese Embryonen nach fünf Jahren eingefroren in flüssigem Stickstoff vernichtet werden, könne man sie doch besser für die Grundlagenforschung nutzen, die so nur mit aus dem Ausland importierten Stammzellen möglich sei. Das bioethische Dilemma: Die Gesetze hinken der naturwissenschaftlichen Realität nach, ohne für die Embryonen einen Vorteil zu bringen.

Gentherapie
Das Genschneidewerkzeug „CRISPR Cas“ kann bereits dazu eingesetzt werden, um zielgenau Schnitte im Genom zu platzieren, um so Gene auszuschalten, zu verändern oder defekte, krank machende Gene gegen die ursprüngliche Grundform auszutauschen. Diesen nur spezifisch medizinischen Eingriff begrüßten die Studierenden, sofern kein Eingriff in die Keimbahn des Menschen erfolgt, den auch das Auditorium geschlossen kritisch sah. In der Landwirtschaft kann „CRISPR Cas“ verwendet werden, um bessere Erträge für die wachsende Weltbevölkerung zu erzielen. Und gesundheitlich sei das völlig unbedenklich. Allerdings sei zu befürchten, dass sich solche Eingriffe nachteilig auf die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt auswirken.

Künstliche Intelligenz
Zunächst erläuterten die Studierenden das Prinzip der künstlichen Intelligenz, bei der Computersysteme aus großen Datenmengen selbstständig weiterlernen. Schon jetzt gibt es Systeme, die in diese Richtung gehen, wie das Navigationsgerät im Auto, die Gesichtserkennung, Fingerabdruckscanner oder Expertensysteme für medizinische Diagnosen. Die Studierenden befürchteten jedoch, dass solche Techniken auch militärisch genutzt werden könnten und selbst lernende Drohnen nach einer Zielgruppendefinition selbst entscheiden, wen sie töten.
(Angelika Loidl-Stahlhofen/Barbara Laaser)