Mehrwert beim Shoppen in Buer

In diesem Fall nicht an der Wand, sondern auf dem Tisch liegt die „Value Proposition Canvas“ für Gelsenkirchen-Buer zur Besprechung. Von links: René Höing, Prof. Dr. Karin Küffmann, Marcel Woiczech. Nicht im Bild, aber auch im Team war Tamana Rahimi. Foto: WH/BL

Drei Wirtschaftsstudierende in Gelsenkirchen haben in der Lehrveranstaltung „Unternehmensberatung“ bei Prof. Dr. Karin Küffmann die Methode „Value Proposition Canvas“ auf die Einkaufszone in Gelsenkirchen-Buer angewandt. Egal, ob man das mit Wertversprechen oder Nutzenversprechen übersetzt: Wichtig ist, dass vom Kunden aus gedacht wird und die Unternehmensberater im Team an einer gemeinsamen Wand, genannt Canvas, arbeiten.

(BL) „Immer noch wird im Marketing zu sehr vom Produkt aus gedacht statt vom Kunden“, so Prof. Dr. Karin Küffmann, Wirtschaftsinformatikerin im Gelsenkirchener Fachbereich Wirtschaft. Wer vom Kunden aus denken will, muss ihn kennen. René Höing, Tamana Rahimi und Marcel Woiczech packten daher Papier und Stift ein und gingen direkt auf die Hochstraße, die Einkaufsmeile in Gelsenkirchen-Buer, zu Fuß rund eine halbe Stunde und etwa zweieinhalb Kilometer entfernt von ihrem Hochschulstandort an der Neidenburger Straße. Dort trafen sie Leute von 14 bis 50 Jahren, mehr weiblich als männlich, mehr Einkaufende als Menschen, die auf dem Weg in die Gastronomie waren oder einfach nur bummeln gingen. Rund die Hälfte war mit dem Auto gekommen, ein Drittel mit dem öffentlichen Nahverkehr. Alle befragten sie danach, welche Schmerzpunkte sie in Buer haben, denn die gilt es für die Anbieter in Buer auszumerzen, wenn sie vom Kunden aus denkend die Einkaufs- und Erlebnisqualität in Buer steigern wollen. Und die waren: zu wenig kostenfreie stadtnahe Parkplätze, zu wenig öffentlich zugängliche Toiletten, zu wenig Warenangebot, zu wenig Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien. Und die jungen Leute wünschten sich mehr digitale Anschlüsse in Cafés und Treffpunkten bei Getränke- und Verzehrpreisen, die auch Schülerinnen und Schüler oder Studentinnen und Studenten stemmen können.

In der Rolle als Unternehmensberater haben die Studierenden anschließend eine Liste zusammengestellt, wie sich Buer gegenüber den Shopping-Konkurrenten in anderen Städten oder Stadtteilen von Gelsenkirchen besser positionieren könnte: mehr digitale Infrastruktur, öffentlich und in Cafés, so ihr Vorschlag. Und darauf aufbauend mehr Präsenz im Internet: „Dann können sich die Kunden schon vor der Anfahrt im Netz über Angebote informieren. Oder der Händler bietet an, das Internet für Nachbestellungen etwa fehlender Größen im Textilhandel zu nutzen und dem Kunden zeitnah zu liefern. Und wenn die Kunden fertig sind mit dem Einkaufen, können sie im Netz noch schnell ein Café oder Restaurant für den gemütlichen Shopping-Ausklang aussuchen und buchen.“ Und für rund 5000 Studierende am Standort Gelsenkirchen-Buer wünschen sie sich eine bessere Anbindung an das Zentrum von Buer. Marcel Woiczech: „Das könnte beispielsweise ein Shuttle-Bus sein.“
Nötig in Buer sei auch mehr Wohlfühlinfrastruktur, damit Schmerzpunkte der Kunden zu Nutzen gewandelt werden. Fachsprachlich: aus „Pains“ werden „Gains“. Die Gains müssen dem Kunden so am Herzen liegen, dass sie dazu beitragen, die Verbesserungen für den Kunden auch zu finanzieren. Etwa durch mehr Umsatz in der Gastronomie.

Als Partner für die Steigerung der Einkaufsqualität sehen die Studierenden die Werbegemeinschaft Buer und die Gelsenkirchener Stadtverwaltung. Ihnen, aber auch anderen Akteuren für Einkaufsqualität, auch in anderen Städten, bieten sie an, an ihr Projekt anzuknüpfen. Von der Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung wurde bereits Interesse signalisiert.